Sparprogramm: Fehler kommen Boehringer Ingelheim teuer zu stehen

AnalyseSparprogramm: Fehler kommen Boehringer Ingelheim teuer zu stehen

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Die Probleme von Boehringer Ingelheim waren schon vor der Jahrespressekonferenz bekannt.

von Jürgen Salz

Jahrelang stiegen bei Deutschlands zweitgrößtem Arzneimittelkonzern die Beschäftigtenzahlen. Nun legt Boehringer Ingelheim ein Sparprogramm auf. Und das hat auch mit hausgemachten Versäumnissen zu tun.

Boehringer Ingelheim will weltweit und natürlich auch in Deutschland die Kosten um 15 Prozent senken, ist in der Mitarbeiterzeitung zu lesen. Dort steht auch, bezogen auf Deutschland, dass sich die Zahl der Beschäftigten perspektivisch verringern soll. Aktuell schaffen über 14.000 Mitarbeiter für Boehringer in Deutschland, die meisten davon in Ingelheim bei Mainz.

An Begründungen für das Sparprogramm mangelt es nicht. „Boehringer Ingelheim reagiert mit einem Maßnahmenpaket auf die großen Veränderungen auf dem Pharmamarkt“, sagte eine Sprecherin des Unternehmens gegenüber der "FAZ". „Der Preisdruck steigt, der Zugang zu Märkten wird schwieriger, die Konkurrenzsituation verschärft sich weltweit.“ Alles richtig. So sinken bei Boehringer etwa die Umsätze mit dem Spitzenpräparat Spiriva gegen Raucherlunge, das pro Jahr einen Umsatz von 3,6 Milliarden Euro einfährt. Zudem laufen die Patente wichtiger Medikamente aus.

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Rechtsstreit um Medikament Boehringer zahlt 650 Millionen Dollar

Der Pharmakonzern Boehringer hat den jahrelangen Rechtsstreit gegen das Thrombose-Präparat Pradaxa beigelegt - und einen Vergleich in Höhe von 650 Millionen US-Dollar geschlossen.

Quelle: dpa

Tatsache ist aber, dass Boehringer auch deswegen leidet, weil das Unternehmen in jüngster Zeit etliche außergewöhnliche Belastungen in Millionenhöhe zu verkraften hatte. Und nicht immer waren daran die Märkte oder widrige Rahmenbedingungen schuld, sondern auch hausgemachte Fehler.

Teurer Prozess in den USA

Um einem jahrelangen Rechtsstreit in den USA um sein Thrombosemittel Pradaxa aus dem Weg zu gehen, ließ sich Boehringer auf einen Vergleich ein und zahlte pauschal 650 Millionen Dollar (umgerechnet etwa 470 Millionen Euro) an die Kläger. Das Mittel steht im Verdacht, Patienten zu schädigen und im Extremfall tödliche Blutungen zu verursachen. Boehringer bestreitet die Vorwürfe. Die Prozesse in den USA wären für Boehringer langwierig und imageschädigend geworden. Mit dem 650 Millionen Dollar-Batzen hat sich Boehringer Ruhe erkauft. Ein Schuldeingeständnis ist mit dem Vergleich nicht verbunden.

Etwa 600 Millionen Euro versenkte Boehringer in einem Produktionswerk in Bedford im US-Bundesstaat Ohio, wo  Boehringer im Auftrag anderer Pharmaunternehmen Spritzen für Krebsmedikamente herstellte. Die Hygienemängel, die in Bedford auftraten, spotteten jeder Beschreibung: Durch ein undichtes Dach aus der Vorkriegszeit regnete es in die Fertigungshalle, ein Behälter mit Urin aus einer defekten Mitarbeitertoilette stand mitten in der Produktionshalle.

Höhere Ausgaben für Qualitätssicherung

Die US-Arzneiprüfer waren alarmiert. In den Jahren 2012 und 2013 steckte Boehringer jeweils etwa 300 Millionen Euro in die überfällige Sanierung. Am Ende entschloss sich das Unternehmen dann doch, das Werk zu schließen – nachdem die Versorgung der Patienten über andere Anbieter sichergestellt war.

Schließlich musste Boehringer auch noch seine Ausgaben für die Qualitätssicherung erhöhen – in welcher Höhe ist unbekannt. Den Prüfern der US-Zulassungsbehörde FDA waren Probleme bei der Fertigung in Ingelheim aufgefallen; so entdeckten sie im Wirkstoff des Boehringer-Bestsellers Spiriva Fremdpartikel. Boehringer musste eingestehen, dass seine Qualitätssicherung nicht auf dem neuesten Stand ist und entsprechend investieren; die Zahl der Mitarbeiter in der Qualitätssicherung etwa wurde stark aufgestockt. Mittlerweile ist die Angelegenheit erledigt, die Prüfer sind zufrieden.

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Trotz der außergewöhnlichen Belastungen ist Boehringer allerdings beileibe kein Sanierungsfall. Das Unternehmen verfügt über ein Eigenkapital von rund sieben Milliarden Euro. Und auch der Gewinn legt noch zu: 2013 stieg der Jahresüberschuss gegenüber dem Vorjahr noch um sieben Prozent auf 1,3 Milliarden Euro – bei einem allerdings rückläufigen Umsatz von rund 14 Milliarden Euro.

Boehringer hat freilich auch schon bessere Zeiten gesehen. Und der Ruf des Unternehmens als beliebter Arbeitgeber dürfte ebenfalls Schaden nehmen.

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