Sparprogramm oder Verstaatlichung: Was kann Rolls-Royce noch helfen?

Sparprogramm oder Verstaatlichung: Was kann Rolls-Royce noch helfen?

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Einige Jobs bei Rolls-Royce in Deutschland sind bedroht.

von Yvonne Esterházy und Rüdiger Kiani-Kreß

Der Triebwerksbauer Rolls-Royce galt lange als einer der wenigen Lichtblicke der britischen Industrie. Jetzt steckt der einstige Champion mitten in einem grundlegenden Konzernumbau – der auch in Deutschland Jobs bedroht.

Die Post aus Brasilien hatte es in sich. Kurz vor dem Jahreswechsel beschloss die dortige Antikorruptionsbehörde, einen ehemaligen Repräsentanten des britischen Triebwerksbauers Rolls-Royce anzuklagen: wegen Bestechung, Geldwäsche und Steuerhinterziehung.

Das kann Rolls-Royce-Chef Warren East nicht brauchen. Der 54-Jährige, der den Krisenkonzern seit Sommer führt, steht bereits unter hohem Druck. Schafft er nicht bald die Wende, droht das Ende der Eigenständigkeit. Die britische Regierung prüft bereits eine Zwangsfusion mit dem Rüstungskonzern BAE oder eine Teilverstaatlichung einzelner Bereiche. Denn Rolls-Royce baut neben Motoren für Passagierjets, Kampfflugzeuge, Schiffe und Ölförderanlagen auch die Antriebe der britischen Atom-U-Boote.

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Die Geschäftsfelder von Rolls-Royce

  • Triebwerke für Zivilflugzeuge

    Umsatz 2014: 6,8 Milliarden Pfund
    Operative Rendite 2014: 13,8 Prozent
    Die Briten sind nach GE der zweitgrößte Hersteller von Motoren für Passagiermaschinen. Zu den 35 Modellen gehört die gesamte Airbusfamilie vom kleinen A319 bis zum Superjumbo A380. Marktführer ist Rolls-Royce bei Geschäftsreisejets.

  • Motoren für Kampfjets

    Umsatz 2014: 2,1 Milliarden Pfund
    Operative Rendite 2014: 17,7 Prozent
    Mit knapp 16 000 aktiven Antrieben in 103 Ländern ist Rolls-Royce nach GE der weltweit zweitgrößte Hersteller im Militärbereich. Die Palette reicht von der F-35B genannten Senkrechtstarter-Version des US- Joint Strike-Fighters bis zu Drohnen.

  • Atomkraft

    Umsatz 2014: 0,7 Mrd. Pfund
    Operative Rendite 2014: 7 Prozent
    Seit gut 50 Jahren sind die Briten im Nukleargeschäft. In 20 Ländern bauen sie Atomkraftwerke und sorgen anschließend in rund der Hälfte aller Reaktoren für den Service und einen sicheren Betrieb.

  • Schiffsantriebe

    Umsatz 2014: 1,7 Milliarden Pfund
    Operative Rendite 2014: 8 Prozent
    Ob Diesel oder Atomantrieb, Tanker oder U-Boot: Rolls-Royce baut für alle Schiffarten den Antrieb. Und anschließend betreuen und warten die Briten die Motoren.

  • Power Systems

    Umsatz 2014: 2,7 Milliarden Pfund
    Operative Rendite 2014: 9,3 Prozent
    Die jüngste Sparte des Konzerns baut neben Generatoren für konventionelle Kraftwerke und Zugmotoren auch große Notstromaggregate falls in den Fabriken der Strom ausfällt.

Darum hat East seinen Umbau verschärft und will nun jährlich umgerechnet 270 Millionen Euro sparen. Dabei kappt er ganze Führungsebenen und mehrere Tausend Jobs. „Das könnte auch bei uns Hunderte Stellen kosten“, so ein Arbeitnehmervertreter aus Deutschland, wo seit dem Kauf der ehemaligen Tognum 12.000 von 54.000 Rolls-Royce-Beschäftigte arbeiten.

Der Umbau ist ein Fanal für Großbritannien. Der Konzern aus dem nordenglischen Derby galt lange als einer der wenigen Lichtblicke britischer Industrie, besonders nach der Finanzkrise 2008, als sich die deutsche Wirtschaft dank ihrer Technikfirmen rascher erholte als die britische mit ihrem Fokus auf Banken und Dienstleister. Dank neuer Ideen war Rolls im Kerngeschäft Flug mit weit über zehn Prozent Rendite profitabler als die meisten anderen Industriebetriebe.

Das ist vorbei. Wenn East am 12. Februar die Bilanz für 2015 vorstellt, erwarten Analysten schlechte Zahlen. Schon 2014 sank der Umsatz, von dem 61 Prozent aus der Flugsparte stammen, um zehn Prozent auf 18,7 Milliarden Euro. 2015 könnte der Cashflow genannte Mittelzufluss sogar bis zu 150 Millionen Euro ins Minus geraten. Nach fünf Gewinnwarnungen seit Anfang 2014 hat sich der Aktienkurs mehr als halbiert.

Auf den ersten Blick ist Rolls Opfer äußerer Umstände. Das Geschäft mit Schiffsmotoren leidet, weil mit dem Ölpreisverfall die Förderung auf hoher See einbrach. Dazu liefert die Flugsparte weniger Motoren aus als geplant, da neue Jets wie Boeings Dreamliner später als geplant auf den Markt kommen.

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