Spekulationen um Alstom und Siemens: Entsteht der ICE künftig in Frankreich?

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Spekulationen um Alstom und Siemens: Entsteht der ICE künftig in Frankreich?

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Siemens greift in den Übernahmepoker zwischen dem US-Rivalen General Electric (GE) und dem französischen Konkurrenten Alstom ein. Demnach würde das deutsche Unternehmen Geschäfte im Schienenverkehr wie den Bau von ICE-Zügen und Lokomotiven an Alstom abgeben, wenn Siemens im Gegenzug das Energie-Geschäft der Franzosen übernehmen könnte.

von Christian Schlesiger und Rebecca Eisert

Siemens könnte Alstom das Zuggeschäft überlassen, dafür erhielten die Münchener die Energie- und Netzwerktechniksparte der Franzosen. Wäre es tatsächlich so schlimm, wenn der ICE künftig in Frankreich gebaut würde?

Eine deutsch-französische-Kooperation im Stile des Airbus-Konzerns - dieses Szenario schwebt Siemens-Chef Joe Kaeser und dem Alstom-CEO Patrick Kron wohl vor, wenn sie über die Zukunft der beiden Konzerne sprechen. Joe Kaeser wäre bereit, Geschäfte im Schienenverkehr wie den Bau von ICE-Zügen und Lokomotiven an Alstom abzugeben - wenn er im Gegenzug das Energietechnik-Geschäft der Franzosen übernehmen könnte.

Das mag auf den ersten Blick irritieren. Auf den zweiten allerdings wird klar, dass Kaeser damit ein gutes Geschäft machen würde.

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Zugaufträge sind oft risikoreich. Die Verzögerungen beim Bau des ICE 3 kosteten Siemens Millionen - ganz abgesehen von der Häme der ganzen Nation und der Wut der Deutsche-Bahn-Kunden, die wegen der zu spät gelieferten Züge mehr als einmal vergeblich auf ihren Anschluss warteten.

Allerdings - und das spräche gegen den Verkauf - ist das Geschäft mit Loks und Waggons Kern der Infrastruktur-Sparte. Und die gilt als Türöffner für weitere Geschäfte in ausländischen Märkten.

So etwa in Russland. Dort baut Siemens Hunderte neuer Züge und modernisiert die Oberleitungen der Eisenbahnen. Zusätzlich liefert das Unternehmen aber auch Gasturbinen für Kraftwerke, Kompressoren für Gaspipelines und Medizintechnik für Krankenhäuser. Das Zusammengehen der Zugsparten von Alstom und Siemens hätte auch Auswirkungen für die Deutsche Bahn.

Siemens-Ergebnis nach Sparten

  • Gesundheit

    Umsatz: 13,6 Milliarden Euro

    Ebit-Marge: 15,1 Prozent

  • Industrie

    Umsatz: 16,9 Milliarden Euro

    Ebit-Marge: 8,9 Prozent

  • Städte und Infrastruktur

    Umsatz: 17,1 Milliarden Euro

    Ebit-Marge: 1,6 Prozent

  • Energie

    Umsatz: 26,4 Milliarden Euro

    Ebit-Marge: 7,7 Prozent

  • Sonstige

    Umsatz: 1,8 Milliarden Euro

Zum einen würde ein wichtiger Anbieter im Nahverkehrsmarkt wegfallen – zum Nachteil der Deutschen Bahn. Neben Siemens und Bombardier hat vor allem Alstom in den vergangenen Jahren Züge für die Bahn-Tochter DB Regio geliefert. Ein Rahmenvertrag über den Bezug von 400 Elektrotriebzügen des Modells Coradia Continental zwischen Alstom und DB Regio etwa läuft über ein Volumen von zwei Milliarden Euro. Gemeinsam könnten Siemens und Alstom zukünftig Angebote für die Deutsche Bahn absprechen.

Allerdings hat Konzernchef Rüdiger Grube in der jüngsten Vergangenheit vorgesorgt: Die Bahn ordert inzwischen auch bei den Zugherstellern wie Pesa aus Polen, CAF aus Spanien, Stadler aus der Schweiz und Škoda Transportation aus Tschechien. Der Wegfall von Alstom als reinen Wettbewerber dürfte die Bahn also problemlos wegstecken können.

GE, Siemens, Alstom & Konkurrenz im Vergleich

  • General Electrics

    Umsatz: 110 Milliarden Euro

    Nettoergebnis: 9,8 Milliarden Euro

    Mitarbeiter: 307 000

  • Siemens

    Umsatz: 75,9 Milliarden Euro

    Nettoergebnis: 4,3 Milliarden Euro

    Mitarbeiter: 367 000

  • Alstom

    Umsatz: 20,3 Milliarden Euro

    Nettoergebnis: 802 Millionen Euro

    Mitarbeiter: 93 500

  • Toshiba

    Umsatz: 54,6 Milliarden Euro

    Nettoergebnis: 730 Millionen Euro

    Mitarbeiter: 54 600

  • ABB

    Umsatz: 31,5 Milliarden Euro

    Nettoergebnis: 2,2 Milliarden Euro

    Mitarbeiter: 31 500

  • Philips

    Umsatz: 23,3 Milliarden Euro

    Nettoergebnis: 1,2 Milliarden Euro

    Mitarbeiter: 23 300

Im Fernverkehr könnte die Deutsche Bahn sogar profitieren. Denn dort hat es echten Wettbewerb beim Bau von Zügen ohnehin nie gegeben. Die ICE-Züge von Siemens waren in Deutschland ebenso gesetzt wie die TGV- und AGV-Züge von Alstom in Frankreich. Der Versuch von Alstom im Jahr 2008, mit dem AGV in Deutschland Fuß zu fassen, scheiterte bereits vor Abgabe eines konkreten Angebots, weil das Management die Hoffnungslosigkeit des Unterfangens erkannte.

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