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Kommentar Staatsbeteiligung: EADS-Einstieg ist ein Akt der Verzweiflung

von Rüdiger Kiani-Kreß

Die Gedankenspiele über einen direkten Einstieg Deutschlands beim Luftfahrtkonzern EADS schaden nicht nur dem Unternehmen, sondern auch uns Steuerzahlern.

Eads Quelle: dpa
Kann sich über einen neuen, gewichtigen Teilhaber freuen: Der Vorstandvorsitzenden von EADS Thomas Enders. Quelle: dpa

Die Bundesregierung will also beim Luftfahrtkonzern EADS einsteigen und damit endlich die deutschen Interessen wirkungsvoll vertreten. Das klingt auf den ersten Blick nach Tatendrang und einem überfälligen Stoppzeichen für das allgegenwärtige Bestreben Frankreichs, die Macht bei dem Wachstumsunternehmen zu übernehmen. Doch leider ist es vor allem ein Akt der Verzweiflung, um eine Herausforderung zu lösen, die Deutschland und die EADS ohne die deutsche Politik wahrscheinlich nicht hätten.

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Der EADS - Konzern

Leitung: Thomas Enders

Umsatz 2011: 49, 1 Milliarden Euro (2010: 45,8 Milliarden Euro)

EBIT 2011: 1,69 Milliarden Euro (2010: 1,23 Milliarden Euro)

Nettogewinn 2011: 1,037 Milliarden Euro (2010: 553 Millionen Euro)

Mitarbeiter: 133.115

Die Auftragseingänge 2011 stiegen um 58 Prozent auf 131 Milliarden Euro.

Die European Aeronautic Defence and Space Company ist Europas größter Luft- und Raumfahrtkonzern, sowie zweitgrößter Rüstungskonzern.

Zum Konzern gehören die Divisionen Airbus, Cassidian, Eurocopter sowie Astrium.

Bild: dpa

Denn das Grundproblem ist ja nicht, dass die EADS in unüberwindlichen Schwierigkeiten steckt und hierzulande massiv Jobs abbauen will. Der bisherige Sachwalter deutscher Interessen Daimler will aussteigen und sich auf das Autogeschäft konzentrieren.

Verlassen der Verlustzone

Und das kommt auch keineswegs überraschend. Die Absicht zum Abflug verkünden die Schwaben bereits seit Jahren offen. Und sie haben den Worten Taten folgen lassen, indem sie ihren Anteil bereits deutlich heruntergefahren haben. Beim Börsengang der EADS im Jahr 2000 hielten die Autobauer noch gut 30 Prozent der Anteile. Derzeit sind es nur noch 7,5 Prozent. Doch es fand sich kein Investor, der die Anteile übernehmen will. Ob Siemens oder ThyssenKrupp, keiner will die Anteile und den Stress.

Das liegt freilich weniger an der EADS selbst. Die hat offenbar die größten Probleme gelöst und verlässt die Verlustzone. Grund ist vielmehr die Politik, die immer wieder in den Alltag hinein regiert – und damit private Investoren eher vergrault als ermutigt. Und das gilt nicht nur für die französische Seite, sondern auch für die deutsche: Im Jahr 2008 etwa machte der damalige niedersächsische Ministerpräsident  (und heutige Ex-Bundespräsident) Christian Wulff in einem Brief „mit der Bitte um Berücksichtigung“ detaillierte Vorschriften, wo die EADS was zu produzieren habe. 

In den vergangenen Wochen folgte schließlich Staatssekretär Peter Hinze mit ähnlichen Absichten. „Welcher Investor will schon mehrere Milliarden in ein Unternehmen stecken, wo die Politik dauernd über die Betriebswirtschaft siegen will“, klagt ein hochrangiger EADS-Manager. Denn bei allen Vorschlägen aus den Hauptstädten fehlte immer einer: Wie beide Staaten ihren Einfluss im Alltagsgeschäft herunter fahren und sich darauf beschränken, bei grundlegenden Fragen aktiv zu werden.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 24.03.2012, 20:50 UhrKnusperfisch

    Ich wage zu bezweifeln das Eurocopter in Deutschland mehr Arbeitsplätze geschaffen hat als in Deutschland, selbst wenn dann stellt Frankreich von den weltweit 12000 Mitarbeitern zudem immernoch 2000 Arbeitskräfte mehr als Deutschland. Das sollte in ihrem Artikel vielleicht ebenfalls vorkommen. Auch vorkommen sollte, das Deutschland immer mehr mit Auslauftechniken abgespeißt wird. (wie z.b. der Entwicklung der Abwassertanks für Airbus) Oder auch das kaum noch deutsche Zulieferer sondern größtenteils französische zum Zuge kommen. Es ist allerhöchste Eisenbahn das die deutsche Politik sich hier einmischt schließlich steht der Verlust eines gewinnträchtigen und wissensbringenden Geschäftsbereich auf dem Spiel an dem hochwertige Arbeitsplätze hängen die jährlich locker mehr als die 1.5 oder auch 3 Milliarden in die Kassen spülen.

  • 24.03.2012, 10:42 UhrProf.Dr.W.Medenbach

    Frankreich hat keinerlei Hemmungen, auslaendische Unternehmen ueber den Tisch zu siehen, wenn es sen muss, auch mit einer so genannten goldenen Aktie in saatlicher Hand. Die deutschen Interessen zu verteidigen bzw. wahrzunehmen, sind also richtig. Alles andere ist dummes Geschwaetz. Gruss aus Paris.

  • 24.03.2012, 08:38 UhrPowerplayAC

    Es erstaunt mich immer wieder, daß sich die deutschen Medien gerne zum Sachwalter ausländischer Interessen machen möchten, hier ist es der französische Staat, welcher zudem weit weniger Hemmungen hat, in Unternehmen hineinzuregieren.

    EADS ist ein (erfolgreiches) politisches Projekt mit strategischer Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Was glaubt der Autor eigentlich, wie viele dieser hochwertigen Arbeitsplätze in einigen Jahren noch in unserem Land beheimatet sein werden, wenn die weit weniger wirtschaftsliberalen Franzosen die Kontrolle erlangt haben? Wollen Sie deutschesd Know-how verschenken? Sehen Sie nach Großbritannien, die haben ihren Industriestandort aufgegeben und hängen jetzt am Tropf der "too big to fail"-Bankenwelt, welche sehr teuer gestützt werden muß.

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