Staatseinstieg: EADS teurer Gang in die Freiheit

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KommentarStaatseinstieg: EADS teurer Gang in die Freiheit

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EADS-Chef Thomas Enders muss die Freiheit der Luftfahrt- und Rüstungskonzerns teuer erkaufen.

von Rüdiger Kiani-Kreß

Die neue Eigentümerstruktur bringt EADS Vorteile - doch Konzernchef Thomas Enders zahlt dafür einen hohen Preis.

Wenn heute die außerordentliche Hauptversammlung der EADS die neue Aktionärsstruktur des Konzerns beschließt, ist das auf den ersten Blick der geplante Einstieg Deutschlands ein großer Gewinn für EADS-Chef Tom Enders. Sicher, er hat er nun drei Staaten unter seinen Aktionären: neben Deutschland und Frankreich noch Spanien. Aber insgesamt halten die drei weniger als 30 Prozent. Und auch wenn nun Frankreich und Deutschland direkt Vertreter in den Verwaltungsrat schicken: weil die Länder statt Ministern oder Staatssekretären gestandene Manager wie auf deutscher Seite den Ex-Hochtief-Chef Hans-Peter Keitel und Daimler-Aufsichtsratschef Manfred Bischoff sowie auf französischer Seite Ex-Thales-Chef Denis Ranque nominieren, ist der staatliche Einfluss künftig geringer als derzeit mit rund 50 Prozent.

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Die neue Eignerstruktur der EADS (zum Vergrößern bitte anklicken, Erläuterung siehe unten)

Wie die neue Eigentümerstruktur der EADS funktioniert

  • Kompliziertes Geflecht

    Monatelange Verhandlungen, buchdicke Verträge, Unter-Unter-Unter-Gesellschaften in einem komplizierten Geflecht und das alles im Legalese genannten für Laien unverständlichen Juristenenglisch formuliert – wenn Großkonzerne wie die EADS Verträge schließen wird nichts dem Zufall überlassen.

    Am Ende ist die neue Aktionärsstruktur von Europas größtem Luftfahrt- und Rüstungskonzern aber doch weniger kompliziert als sie aussieht. Die Struktur, die aus juristischen Gründen bisher nur auf Englisch vorliegt, besteht nach der geplanten Kapitalerhöhung aus insgesamt vier Schichten.

  • Oberste Reihe - Aktionäre

    Hier stehen die aktuellen Aktionäre: Dunkel unterlegt sind die Parteien, die auch künftig Anteile am Konzern halten: der französische Staat, Spanien, die deutschen Staatsbanken KfW und andere öffentliche Institute der Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Bremen, Hamburg und Niedersachsen. Die hell unterlegten Unternehmen Lagardère und Daimler waren zwar Gründungsaktionäre. Doch sie wollen möglichst bis Ende 2013 komplett aussteigen.

  • Zweite Reihe - Zwischengesellschaften

    Hier stehen die Zwischengesellschaften. Das sind in der Regel Briefkastenfirmen ohne Personal. Diese gründen die Aktionäre in der Regel, um im Falle von finanziellen oder sonstigen Problemen einen Puffer zu dem Unternehmen zu haben. Dazu machen es diese Firmen leichter, die Beteiligung teilweise zu Geld zu machen ohne die Stimmrechte abzugeben. Denn die Konstruktion erlaubt, Teilhaber aufzunehmen und trotzdem die Kontrolle zu behalten. Auch hier gilt: dunkel unterlegt ist ein Daueraktionär, hell unterlegt heißt. Muttergesellschaft will aussteigen.

    Dabei gibt es zwei Besonderheiten. Die deutsche KfW hält einen Teil der AKtien direkt und steuert als Mehrheitseigentümer das deutsche Konsortium aus Länderbanken.

    Ein Sonderregelung gibt es bei dem französischen Staat und Spanien. Diese wollen ihren Anteil herunterfahren, damit sie zusammen mit Deutschland weniger als 30 Prozent der Anteile halten. So verhindern die drei Staaten, dass sie bei einem An- und Verkauf ihrer Anteile allen Aktionären ein Abfindungsangebot machen müssen. Frankreich und Spanien wollen ihre Anteile aber noch nicht auf den Markt werfen, weil das den Aktienkurs drückt. Darum packen sie den Teil ihrer Anteile, den sie quasi zu viel haben (sogenannte excess shares) vorübergehend in eine Art Quarantäne („warehouse“), bei der die Staaten das Stimmrecht nicht nutzen können.

  • Anteile nach der Kapitalerhöhung

    Dritte und vierte Reihe: Das sind die Anteile nach der Kapitalerhöhung. Die hellen Kästchen von Daimler/DLRH sowie Lagardère (Sogeade) werden auf Null gefahren. In welchem Maß hängt davon ab, wie weit sich diese Unternehmen entschließen im Rahmen der geplanten Kapitalerhöhung ihre Aktien an die EADS verkaufen oder später am freien Markt abstoßen.

Zudem besitzt im Gegensatz zu heute kein Aktionär ein Vetorecht. Somit könnte auch Deutschland eine Fusion mit dem britischen Rüstungsriesen BAE wohl nicht mehr verhindern, wie es die Bundesregierung vor Wochen getan hat. Und zu guter Letzt: wenn der neue Verwaltungsrat im Anschluss an die Hauptversammlung das erste Mal tagt, wird er mit Ranque einen Vorsitzenden wählen, der zwar französische Interessen, aber eben nicht die der französischen Regierung vertritt.

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Aber die Freiheit muss EADS teuer erkaufen. Denn im Rahmen der Neuordnung soll der Konzern seine bisherigen Anteilseigner wie den französischen Verleger Arnaud Lagardère praktisch auszahlen und dabei bis zu 15 Prozent der eigenen Aktien zurückkaufen. Das soll einen bei Großverkäufen befürchteten Kurseinbruch mildern und verhindern, dass Aktien bei unliebsamen Staatsfonds aus Russland oder Nahost landen. Doch es kostet den Konzern viel Geld. Als die neue Führung im Dezember beschlossen wurde, waren es mal vier Milliarden. Doch weil die Aktie seitdem um rund ein Drittel zugelegt hat, könnte es auch deutlich mehr werden.

Nun hat EADS derzeit zwar viel auf der hohen Kante. Doch mit dem Geld hätte der Konzern bessere Dinge tun können. Etwa die Abhängigkeit vom Airbus-Zivilfluggeschäft mildern, das derzeit zwar kräftig boomt aber eben hoch riskant und anfällig ist. Oder Enders hätte den angeschlagenen relativ kleinen Rüstungsbereich verstärken oder im noch kleineren Servicegeschäft zukaufen können.

Aber am Ende wird Enders sicher nicht klagen. Denn er weiß: Die Aussicht endlich ein richtiges Unternehmen sein zu können, ist auch so einen hohen Preis wert. Und die Aktien-Hausse der vergangenen Monate zeigt: seine neuen Eigentümer, die freien Aktionäre geben ihm Recht.

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