Stahl- und Technologiekonzern: ThyssenKrupp bereitet sich auf Zerlegung vor

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Stahl- und Technologiekonzern: ThyssenKrupp bereitet sich auf Zerlegung vor

von Andreas Wildhagen

Das Wort Zerschlagung hat angesichts der Misere für viele ThyssenKrupp Mitarbeiter bereits den Schrecken verloren. Intern bereitet sich der Stahl- und Technologiekonzern auf seine Zerlegung vor. Die Spreu soll vom Weizen getrennt werden.

Vor einem Lastwagen mit der Aufschrift „Unterwegs zu höchster Zufriedenheit“ steht ein siegesgewisser Top-Manager von ThyssenKrupp, sein Lächeln zeigt, wie zufrieden er mit seinem Arbeitgeber ist. Alexander Keller, Europa-Chef der ThyssenKrupp-Aufzugssparte mit allein in Europa 11.000 Mitarbeitern, hat sich am letzten September-Sonntag von der Konzernzentrale in Essen ins württembergische Rottweil aufgemacht, um voller Stolz das neueste, spektakuläre Projekt des zurzeit eher von negativen Schlagzeilen gebeutelten Unternehmens vorzustellen. Für 40 Millionen Euro soll hier ein 235 Meter hoher Turm entstehen, in dem in zwölf Schächten die neuesten Hochgeschwindigkeitsaufzüge von ThyssenKrupp getestet und der internationalen Kundschaft präsentiert werden. Auf der Spitze des Turms wird eine Aussichtsplattform installiert: Rottweil soll von der Dynamik der Elevator-Sparte profitieren, die mit weltweit 47.000 Beschäftigten sechs Milliarden Euro Umsatz erzielt.

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Industrie"Stahlindustrie ist auch High-Tech"

Szenenwechsel vom Württembergischen ins Ruhrgebiet: Hier ist niemandem zum Feiern zumute, auch angekündigt wird nichts. Stattdessen herrscht Schockstarre und Wut. Die Stahlwerke in Bochum und Krefeld werden dichtgemacht, weil Stahl aus Russland und China die Weltmärkte überschwemmt. Tausende Stahlarbeiter gingen am Dienstag voriger Woche auf die Straße, weil sie Angst um ihre Arbeitsplätze haben.

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Ein Konzern, zwei Welten.

Der Essener Stahl- und Technologieriese mit 40 Milliarden Euro Jahresumsatz und 150.000 Mitarbeitern zeigt sich in diesen Tagen zweigeteilt: Frustgeschäfte mit ungewisser Zukunft hier, Erfolgsgeschäfte, die eigene Wege gehen, da. Die einen verstecken sich hinter einer Mauer des Schweigens, weil neue schmerzhafte Sanierungen anstehen, die anderen präsentieren sich selbstbewusst der Öffentlichkeit. Zur zweiten Kategorie gehören die Aufzugssparte – weltweit auf Platz drei hinter der schweizerischen Schindler-Gruppe und Otis aus den USA – sowie der Anlagenbau. Mit ihren hohen Gewinnmargen gehören beide zu den wenigen Perlen bei ThyssenKrupp (siehe "Die Geschäfte der ThyssenKrupp AG).

Die Geschäfte der ThyssenKrupp AG

  • Gesamtumsatz (konsolidiert)

    40 Milliarden Euro

  • Logistik und Handel

    Umsatz: 13 Mrd. Euro

    Ebit*: 127 Mio. Euro

    Ebit-Marge: 1 Prozent

    Mitarbeiter: 27.600

    *Gewinn vor Zinsen und Steuern

    Quelle: Geschäftsbericht 2011/2012

  • Stahl Europa

    Umsatz: 11 Mrd. Euro

    Ebit*: 188 Mio. Euro

    Ebit-Marge: 1,7 Prozent

    Mitarbeiter: 27.800

    *Gewinn vor Zinsen und Steuern

  • Automobilzulieferung

    Umsatz: 7 Mrd. Euro

    Ebit*: 681 Mio. Euro

    Ebit-Marge: 6,5 Prozent

    Mitarbeiter: 28.000

    *Gewinn vor Zinsen und Steuern

  • Aufzüge und Rolltreppen

    Umsatz: 6 Mrd. Euro

    Ebit*: 387 Mio. Euro

    Ebit-Marge: 6,8 Prozent

    Mitarbeiter: 47.600

    *Gewinn vor Zinsen und Steuern

  • Anlagenbau

    Umsatz: 4 Mrd. Euro

    Ebit*: 520 Mio. Euro

    Ebit-Marge: 12,8 Prozent

    Mitarbeiter: 14.300

    *Gewinn vor Zinsen und Steuern

  • Marine

    Umsatz: 1,2 Mrd. Euro

    Ebit*: - 14 Mio. Euro

    Mitarbeiter: 3800

    *Gewinn vor Zinsen und Steuern

  • Steel Americas

    Umsatz: 2 Mrd. Euro

    Ebit*: -4,7 Mrd.. Euro

    Mitarbeiter: 4000

    *Gewinn vor Zinsen und Steuern

Die meisten Sparten aber haben zu kämpfen: fallende Gewinne im deutschen Stahlgeschäft, Verluste beim Kriegsschiffbau in Hamburg und Kiel, existenzbedrohende Milliardenverluste nach waghalsigen Stahlinvestitionen in Übersee. Im Unternehmen werden nun Pläne geschmiedet, „die erfolgreichen Teile von den Problemfällen zu trennen“, sagt ein Arbeitnehmervertreter von ThyssenKrupp. Für die schlechten Geschäfte werden Partner oder Käufer gesucht, einige Teile wohl schlicht abgewickelt. Für die Perlen wird dagegen eine Wachstumsstrategie entwickelt, „an deren Ende ein Verkauf, ein Teilverkauf oder ein Börsengang stehen könnte“, sagt ein Betriebsrat des Unternehmens.

Fünf Milliarden Euro Verlust hat der Konzern im Geschäftsjahr 2011/12 ausgewiesen. 1,2 Milliarden Euro Verluste sind in dem Ende September zu Ende gegangenen Berichtsjahr bereits angefallen. Am 21. November wird die wohl schrecklichste Bilanz der ThyssenKrupp-Geschichte gezogen. Die beiden neu gebauten Stahlwerke in Brasilien und den USA verbrennen Millionen, sollen verkauft werden, aber bisher will sie niemand haben. Daneben müssen Kartell- und Korruptionsvorwürfe aus der Vergangenheit aufgearbeitet werden.

Zudem stehen tief greifende Veränderungen bei der Eigentümerstruktur an: Wegen der Finanznöte steht eine Kapitalerhöhung ins Haus, die den Einfluss des bisherigen Ankeraktionärs, der Krupp-Stiftung, mit einem Anteil von 25,3 Prozent, schmälern wird. Seit dem Tod von Berthold Beitz vor zwei Monaten fehlt in der Stiftung die starke Hand des Krupp-Patriarchen, auch wenn sein Handeln umstritten war. Ein neuer Stiftungsvorstand, der über das künftige Beteiligungsmanagement entscheiden könnte, war vorige Woche noch nicht berufen. Die Schwäche lockt internationale Investoren an, die ThyssenKrupp zerlegen und in Einzelteilen verkaufen oder an die Börse bringen wollen, um einen schnellen Reibach zu machen.

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