Stahlbranche im Aufwind: „Die Hütte brummt“

Stahlbranche im Aufwind: „Die Hütte brummt“

, aktualisiert 19. März 2017, 22:23 Uhr
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Es glüht und funkt wieder.

Quelle:Handelsblatt Online

Steigende Preise, höhere Margen: In der Stahlbranche herrscht wieder Aufbruchstimmung. Kunden beklagen sich bereits über einen „Stahlpreis-Schock“ und drohende Lieferengpässe. Doch die Risiken bleiben.

DüsseldorfStahlabschluss mit Rückenwind: Die seit Jahren gebeutelte Traditionsbranche sieht derzeit wieder Anzeichen einer Erholung. Doch trotz steigender Preise bleibt die Branche auch im laufenden Jahr weiter unter Druck. „Die Auftragsbücher sind bei den meisten Unternehmen voll“, stellt der Stahlexperte Nils Naujok von der Strategieberatung PwC fest. Angesichts von Preiserhöhungen zwischen 10 und 15 Prozent im vergangenen Jahr könnten sich die Unternehmen über steigende Margen freuen. Vor allem weiter wachsende Stahlimporte aus China bereiteten der Branche jedoch Sorgen, berichtet Naujok.

„Die Hütte brummt“, ist sich auch Dieter Lieske, erster Bevollmächtigter der IG Metall Duisburg-Dinslaken, sicher. Derzeit seien die Stahlwerke gut ausgelastet. „Bis Oberkante-Unterlippe“, sagt der Gewerkschafter. Für andauernde Klagen aus der Branche hat er dagegen kein Verständnis: „Die Stahlbosse sind die Jammerlappen der deutschen Industrie“, meint er.

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Am frühen Freitagmorgen hatten sich Arbeitgeber und IG Metall auf ein deutliches Lohnplus zunächst in der nordwestdeutschen Stahlindustrie geeinigt. In zwei Stufen sollen die rund 72.000 Beschäftigten insgesamt vier Prozent mehr Geld erhalten. Der Abschluss passe zur aktuellen Situation in der Stahlbranche, meinte IG Metall-Verhandlungsführer Knut Giesler. Arbeitgeber-Verhandlungsführer Andreas Goss sah dagegen keinen Anlass zum Jubeln. Insbesondere die verbesserte Stahlkonjunktur habe einen Tarifabschluss mit einer geringeren Belastung verhindert, beklagte er.

Tatsächlich lag die Kapazitätsauslastung der deutschen Stahlbranche zum Jahresbeginn mit 89 Prozent auch nach den Zahlen der Wirtschaftsvereinigung Stahl nicht nur deutlich über dem langjährigen Durchschnitt, sondern auch in der Nähe der technisch machbaren Vollauslastung. Der Präsident des Branchenverbands, Hans Jürgen Kerkhoff, hatte jedoch vor wenigen Tagen zunächst noch zurückhaltend von einer „konjunkturellen Stabilisierung“ gesprochen. Zu Preisen macht der Verband dagegen traditionell keine Angaben.

„Wir sind mit Rückenwind ins Jahr 2017 gestartet“, stellte etwa der Chef des weltgrößten Stahlkonzerns Arcelor-Mittal, Lakshmi Mittal, vor wenigen Wochen bei der Bilanzvorlage für 2016 fest. Das Unternehmen konnte dabei vor allem von einer Erholung der Stahlpreise profitieren. Nach vier Verlustjahren in Folge hatte der Stahlriese für 2016 wieder schwarze Zahlen geschrieben. Nun sollen auch die Investitionen wieder hochgefahren werden.


Mit Rückenwind ins neue Jahr

Auch der zweitgrößte deutsche Hersteller, Salzgitter, konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2016 vor dem Hintergrund sich wieder stabilisierender Stahlpreise in die Gewinnzone zurückkehren. Die Aussichten erschienen derzeit „so günstig wie schon seit 2012 nicht mehr“, stellte Vorstandschef Heinz Jörg Fuhrmann Ende Februar fest.

Beim deutschen Branchenprimus Thyssen-Krupp zählte die europäische Stahlsparte dagegen zum Start in das neue Geschäftsjahr 2016/17 (30. September) noch zu den Sorgenkindern des Konzerns. Hintergrund waren vor allem langfristige Lieferverträge, welche die Weitergabe von teils drastischen Preisanstiegen bei den Rohstoffkosten an Kunden zunächst verhindert hatten, beklagte das Unternehmen.

Angesichts der wieder angestiegenen Stahlpreise klagten Kunden wie der Industrieverband Blechumformung bereits über einen „Stahlpreis-Schock“. Zulieferer befürchteten Lieferprobleme, hieß es in einer Mitteilung des Verbands. Vor allem Mittelständler seien durch den Kostenschub bedroht.

Experte Naujok sieht jedoch auch die Stahlbranche weiter gefordert. „Der Branche geht es besser, aber sie muss sich auf weitere Herausforderungen vorbereiten“, sagt er. Neben Unwägbarkeiten wie der künftigen Ausgestaltung des Emissionsrechtehandels und weiter steigenden Importen aus China müsse man sich auch mit einem Vorantreiben der Digitalisierung fit für die Zukunft machen. Beim technologischen Fortschritt habe die Branche im Rennen mit China derzeit noch die Nase vorn, sagt Naujok. Der Vorsprung sei aber auf einen Entwicklungszeitraum von nur noch etwa fünf Jahren geschrumpft.

Quelle:  Handelsblatt Online
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