Stahlindustrie: Erbitterter Kampf gegen die Billigkonkurrenz

Stahlindustrie: Erbitterter Kampf gegen die Billigkonkurrenz

, aktualisiert 15. Februar 2016, 17:33 Uhr
Bild vergrößern

Europäische Stahlarbeiter bei der Demonstration am Montag vor dem EU-Parlament.

Stahlbranche und andere energieintensive Industrien kämpfen in Europa ums Überleben. Die Unternehmen klagen vor allem über die billige Konkurrenz aus China. Soll die EU eingreifen?

Protestgehupe und Fahnenmeer: Vertreter der Stahlbranche und anderer energieintensiver Industrien haben in Brüssel lautstark gegen Konkurrenz durch chinesische Billigimporte demonstriert. „Die Importe kommen nach Europa zu Preisen unter den Produktionskosten - das ist Dumping“, sagte der Präsident des europäischen Stahlverbands Eurofer, Greet van Poelvoorde, am Montag. Die EU müsse effektivere Instrumente dagegen entwickeln und diese auch schneller einsetzen. Einer Studie zufolge wird zudem die weltweite Nachfrage nach Stahl langsamer steigen als erwartet - vor allem wegen der schwächelnden Konjunktur in China.

Van Poelvoorde warnte davor, China den Status einer Marktwirtschaft zuzusprechen. Die Unternehmen fürchten, dass dieser Schritt günstigen Einfuhren den Weg nach Europa erleichtern könnte. „Dann können Anti-Dumping-Maßnahmen nicht mehr effektiv eingesetzt werden“, sagte van Poelvoorde.

Anzeige

Tausende Arbeiter und Unternehmensvertreter zogen mit Plakaten wie „Stoppt China Dumping“ in einem Protestmarsch durch die Straßen des Brüsseler EU-Viertels. Sie sehen Jobs in den europäischen Industrien durch die billigen Importe aus China in Gefahr. Die chinesischen Betriebe würden teils vom Staat unterstützt, sagte der Sprecher des Industriebündnisses AEGIS, Milan Nitzschke. „Da kann keiner mithalten.“ AEGIS hatte zusammen mit Eurofer zu der Demonstration aufgerufen. Nach Angaben von Eurofer sind allein in den vergangenen sechs Monaten 7000 Arbeitsplätze in der europäischen Stahlindustrie verloren gegangen.

Europäische Union Sieben EU-Staaten fordern Schutz der Stahlindustrie

Ein Kollaps des europäischen Stahlsektors ist nicht mehr auszuschließen, warnt die Branche. Sie stellt nun die Weichen für politische Hilfe. Allen voran geht es um ein Eindämmen der Importe mit Kampfpreisen aus China.

Im Warmwalzwerk der ArcelorMittal Eisenhüttenstadt GmbH wird eine glühende Stahlrolle abgewickelt. Quelle: dpa

Die Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC) legte unterdessen eine Studie vor, wonach sich die weltweite Stahlnachfrage zunehmend abschwächt. Der globale Stahlverbrauch werde bis 2025 um durchschnittlich 2,9 Prozent pro Jahr auf insgesamt 2,23 Milliarden Tonnen zunehmen. Das liegt etwa fünf Prozent unter der Vorjahresprognose von 2,35 Milliarden Tonnen.

Der globale Wettbewerb innerhalb der Stahlbranche werde sich vor diesem Hintergrund weiter verschärfen, erwartet PwC-Experte Nils Naujok.

Thyssenkrupp Die Neuerfindung des Stahlkonzerns

Am Donnerstag stellt Thyssenkrupp seine Bilanz vor, es wird die beste seit fünf Jahren sein. Die Sanierungsarbeit von Vorstandschef Hiesinger trägt Früchte. Doch es gibt weiterhin Altlasten – und die Risiken wachsen.

Quelle: Fotolia, Montage

Vertreter zahlreicher Branchen diskutierten die Problematik mit EU-Politikern auf einer Konferenz in Brüssel. „Wir brauchen schnelle und effektive Mittel gegen Dumping“, forderte Karl Köhler, Europachef der indischen Tata-Steel. Die Produzenten von Stahl oder Aluminium könnten sonst komplett aus Europa vertrieben werden. „Wenn eine Industrie verschwunden ist, dann kommt sie nicht mehr zurück.“ Druck kommt auch von den Regierungen zahlreicher EU-Länder: In einem Brandbrief hatten Deutschland und sechs weitere Länder die EU jüngst zum Handeln aufgefordert. Die heimische Industrie müsse gegen „unfaire Handelspraktiken“ geschützt werden, hieß es.

Die EU-Kommission erklärte, sie sei sich der Situation des Stahlsektors bewusst und handele so schnell es im Rahmen europäischen Rechts möglich sei. Am Freitag hatte die Brüsseler Behörde bestimmte Stahlerzeugnisse aus China und Russland mit Einfuhrzöllen belegt. Bei drei weiteren Stahlprodukten aus China leitete die Brüsseler Behörde Anti-Dumping-Untersuchungen ein. Dabei soll festgestellt werden, ob ausländische Erzeugnisse in Europa zu einem künstlich niedrigen Preis verkauft werden. Van Poelvoorde kritisierte die Beschlüsse als nicht weitreichend genug. „Das hilft überhaupt nicht, die Zölle sind viel zu niedrig.“

Weitere Artikel

Auch die Wiederverwerter von gebrauchtem Stahl klagen über die derzeitige Situation. „Der billige Stahl aus China und der drastische Verfall der Eisenerzpreise sorgen dafür, dass sich die Herstellung von Stahl aus Recyclingmaterial immer weniger rechnet“, hieß es bei der Bundesvereinigung Deutscher Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV). Zahlreiche Betriebe hätten bereits angekündigt, Arbeitsplätze abzubauen.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%