Stahlkonzern: Der Weg wird für ThyssenKrupp noch schwerer

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Stahlkonzern: Der Weg wird für ThyssenKrupp noch schwerer

Das Stahlwerk in Alabama wird zwar verkauft, aber für einen Ramschpreis. Teil des Edelstahldeals muss zurückgenommen werden. Der Konzern plant nun eine Kapitalerhöhung.

Eine derart verzwickte Situation hat es bei einem Dax-Konzern in der deutschen Wirtschaftsgeschichte nicht gegeben. Das Unternehmen ThyssenKrupp, früher strotzend vor Kraft, haben die früheren Unternehmenslenker Ekkehard Schulz als Vorstandschef und Gerhard Cromme als Aufsichtsratslenker an den Rand des Ruins gebracht. Nun muss das Duo Heinrich Hiesinger als Schulz-Nachfolger und der frühere Persil-Boss Ulrich Lehner als Chefkontrolleur von ThyssenKrupp die Kohlen aus dem Feuer holen. Es gelingt nicht so wie gedacht. Immer wieder gibt es Verschachtelungen und Haken, die ThyssenKrupp nicht aus den Fängen entlassen.
Hektik und Dramatik wird auch durch die äußeren Umstände deutlich. Um Mitternacht gibt ThyssenKrupp bekannt, dass es einen Milliardenverlust in Höhe von 1,5 Milliarden Euro einfahren wird, nach einem Megaverlust von nahezu fünf Milliarden Euro im vorigen Geschäftsjahr. Das Werk in Alabama (USA) ist nun verkauft. Aber das bleibt schon die einzige Nachricht, die positiv ist. Ein Konsortium um ArcelorMittal und Nippon Steel hat das Walzwerk für etwas über eine Milliarde Euro gekauft, ein Schnäppchenpreis. Schon triumphiert ArcelorMittal-Patron, der indische Unternehmer Lakshmi Mittal: „Wir haben das modernste Stahlwerk der Welt gekauft“. Auf der brasilianischen Stahlschmelze dagegen bleibt ThyssenKrupp sitzen. Beide Stahlwerke, die auf Investitionsräusche von Schulz und Cromme zurückgingen, haben zwölf Milliarden Euro gekostet. Da ist die eine Milliarde Euro als Kaufpreis für Alabama nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

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ThyssenKrupp Quelle: dpa

Die eigentlich schlimme Nachricht ist für ThyssenKrupp aber: Ein Teil des Edelstahlverkaufs an den finnischen Staatskonzern Outokumpu muss rückabgewickelt werden. Das fordert die EU-Wettbewerbskommission. Das heißt: ThyssenKrupp muss zurücknehmen, was es eigentlich – als Befreiungsschlag gefeiert – unbedingt loswerden wollte und was eigentlich als abgearbeitet galt. Ein Schritt vor, ein Schritt zurück. Hiesinger dreht sich fast im Kreis. Er kann nicht anders. Das Desaster von Schulz und Cromme ist so kompliziert, dass Hiesinger das Sanierungs- und Rettungswerk bei ThyssenKrupp wie ein Arzt behandeln muss, dessen Patient ständig neue Krankheiten bekommt.

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Eine Rückkehr des Konzerns in die Gewinnzone ist auch in den nächsten zwei Jahren wohl ausgeschlossen. Eine Kapitalerhöhung steht bevor. Aber das Stahlgeschäft reißt immer neue Löcher in die Rechnung und bindet auch enorme Managementkapazitäten. Es gibt kaum einen in der Essener Zentrale, der nicht mit den Aufräumarbeiten beschäftigt ist. An normales Geschäft ist kaum noch zu denken.
Da wirkt es wohltuend, dass Aufsichtsratschef Ulrich Lehner bei ThyssenKrupp es dem Vorbild bei der Telekom gleichtut und die Arbeit von Vorstand und Aufsichtsrat zusammenschweißt. Der Vorstand benötigt mehr Rückendeckung und Beratung. Durch Sonderausschüsse will Lehner dem ThyssenKrupp-Vorstand Schützenhilfe geben. Nach dem Muster Telekom. Dort ist Lehner ebenfalls Aufsichtsratschef.

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