Streit um Konzern-Aufspaltung: Bittere Zeiten für Pepsi

Streit um Konzern-Aufspaltung: Bittere Zeiten für Pepsi

, aktualisiert 27. November 2011, 09:18 Uhr
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Investoren halten die Pepsoco-Chefin Indra Nooyi für „dickköpfig“.

von Thomas JahnQuelle:Handelsblatt Online

Fallende Marktanteile, konfuses Marketing, verfehlte Ziele: die Chefin von Pepsico, Indra Nooyi, steht in der Kritik. Aktionäre und Verwaltungsräte fordern weitreichende Veränderungen.

New YorkMusik spielt eine große Rolle im Leben von Indra Nooyi. Die Pepsico-Chefin läuft manchmal singend durch die Büroflure im Konzernsitz des Getränke- und Snackunternehmens in der Nähe von New York. Für eine interne Konferenz heuerte sie eine Karaoke-Band an, zu deren Musik die Spitzenmanager Liedchen trällerten – um den Teamgeist zu fördern. Musik liegt der 56-Jährigen im Blut: Schon als Teenager spielte sie in Chennai, ihrer Geburtsstadt in Indien, in einer Mädchen-Rockband.

Doch seit einiger Zeit häufen sich die Misstöne: Gleich zweimal musste Nooyi in diesem Jahr Gewinnvorgaben für Pepsi heruntersetzen. Bereits vergangenes Jahr rutschte das Flaggschiff Pepsi-Cola beim Verkaufsvolumen im wichtigen US-Erfrischungsgetränkemarkt hinter Diet-Coke auf Platz drei. Eine Markenerneuerung des Orangensafts Tropicana floppte – und musste verändert werden.

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Die Pepsi-Aktie notiert zum selben Kurs wie zu Nooyis Amtsübernahme 2006, in der gleichen Zeit legte Coca-Cola um fast 60 Prozent zu. Anleger begehren nun auf und fordern eine Aufspaltung des Unternehmens in eine Getränke- und eine Lebensmittelsparte. Dagegen wehrt sich Nooyi mit Händen und Füßen. „Ich glaube fest daran, dass der Wert von Pepsico als ein einziges Unternehmen am besten gesteigert werden kann“, sagte Nooyi vor wenigen Wochen bei der Verkündigung der Quartalsergebnisse.

Einige Mitglieder des Verwaltungsrats sehen dies anders. Laut Presseberichten sind sie beunruhigt über die schlechte Aktienperformance und den Abgang von Eric Foss. Der Chef der Getränkesparte von Pepsi räumt am 9. Dezember seinen Schreibtisch. Nicht wenige sahen in ihm einen möglichen Nachfolger von Nooyi. Laut Ali Dibadj vom Analysehaus Sanford Bernstein ist nur die Hälfte der Pepsi-Aktionäre mit der Arbeit des Managements zufrieden, während der Wert bei Coca-Cola bei 80 Prozent liegt. In seiner Studie zitiert Dibadj zahlreiche frustrierte Investoren: Das Spitzenmanagement sei „schwach“, „dickköpfig“ und „hochgejubelt“.


Analysten und Investoren fordern Aufspaltung des Konzerns

Als Nooyi vor fünf Jahren den Chefsessel von Pepsico übernahm, wurde sie noch als Heilsbringerin gefeiert. Sie wollte dem Brauseunternehmen ein besseres, gesünderes Image verpassen und die Lebensmittelsparte mit Traditionsmarken wie Frito-Lay ausbauen. Dabei lief zuvor alles nach Plan. Der Kauf von Tropicana im Jahr 1998 oder Quaker Oats mit dem Sportsdrink Gatorade 2001 waren ein Erfolg.

Dann aber kam der Reinfall mit Sun Chips. Vor mehr als einem Jahr brachte Pepsi eine neue Tüte für die beliebten Kartoffelchips auf den Markt. Sie war biologisch abbaubar, machte beim Öffnen aber einen Heidenlärm. Verbraucher klagten, im Internet kursierten Videos, in den Late-Night-Shows hagelte es Spott und Hohn über den Krachmacher. Die Verkäufe sackten ab, Pepsico musste die Verpackung vom Markt nehmen.

Inzwischen leidet auch das Stammgeschäft in den USA. Pepsi-Cola und Classic Coke beherrschten über Jahrzehnte den Markt, der Zweikampf zweier Weltmarken begeisterte Medien und Analysten. Unvergessen: das Werbevideo von 1984, in dem Michael Jackson mit einem Pepsi-trinkenden Kid tanzt. Eine Zeit lang schien es, als ob Pepsi-Cola der Ikone Classic Coke gefährlich werden könnte. Doch 2010 verdrängte Diet-Coke die blaue Dose auf Platz drei. Und im ersten Halbjahr 2011 fiel der US-Marktanteil von allen Pepsi-Getränken um 0,2 Prozentpunkte auf 32,8 Prozent, während der von Coca-Cola um 1,1 Prozentpunkte auf 34,3 Prozent stieg.

Das tut weh, denn es betrifft das Kerngeschäft: Pepsico setzte 2010 knapp 58 Milliarden Dollar um, davon mehr als die Hälfte mit Brauselimonade, Orangensaft oder Sportgetränken. Doch Nooyi konzentriert sich vor allem auf die Snacksparte – und hier vor allem auf „gesunde“ Snacks. 2020 will sie mit Lebensmitteln 30 Milliarden Dollar erlösen.

Analysten und Investoren fordern nun eine Aufspaltung des Konzerns. Pepsico investiere zu wenig in das Brausegeschäft, das Marketing sei schwach und nicht auf Zielgruppen fokussiert. Auch solle man sich von den Abfüllern trennen, wie es Coca-Cola angekündigt hat. Nach einer Prognose von Credit Suisse wird der Konkurrent dadurch bis 2015 ganze 28 Milliarden Dollar einnehmen.

Pepsico wirbt dagegen mit „Power of One“, der Macht einer integrierten Gesamtmarke, mit der man weltweit gemeinsam das Snack- und Getränkegeschäft aufbauen kann. Doch daran glauben immer weniger Anleger: „Die Managementstrategie von Pepsi im Geschäft mit kohlensäurehaltigen Getränken ist geheimniskrämerisch, ohne Richtung und erfolglos“, schreibt Carlos Laboy, Analyst von Credit Suisse. „Anstatt mit Coca-Cola hat Pepsi immer mehr Probleme mit sich selbst.“

Vor wenigen Tagen verschob Pepsico einen angekündigten Strategieausblick für 2012. An der Wall Street wird das als Zeichen des Umbruchs gedeutet – als Signal für einen bevorstehenden Umbau.

Laut „New York Post“ tobt im Verwaltungsrat von Pepsico ein erbitterter Machtkampf. Die Zeitung zitiert einen Insider: „Auch wenn Indra Nooyi es nicht will – eine Konzernaufspaltung ist noch nicht vom Tisch.“


Pepsicos Führungsspitze

Indra Krishnamurthy Nooyi
Die gläubige Hindu-Frau kämpft hart für ihre Überzeugungen. Auf freche und resolute Art hat sich die Naturwissenschaftlerin an die Spitze gearbeitet. Sie studierte an der Elite-Universität Yale, kam nach Positionen bei der Beratungsfirma Boston Consulting und dem Handy-Hersteller Motorola 1994 zu Pepsico nach New York. 2001 wurde sie Finanzvorstand, fünf Jahre später Chefin des Konzerns. Nooyi wurde am 28. Oktober 56 Jahre alt.

Board
Im Verwaltungsrat von Pepsico hat es Nooyi mit einer illustren Runde von aktuellen und ehemaligen Topmanagern aus vielen Branchen zu tun. Zu den bekanntesten Mitgliedern des Boards gehören Ian Cook, Chef des Konsumgüterriesen Colgate-Palmolive, und der Verwaltungsratschef des Pharmakonzerns Novartis, Daniel Vasella.

Quelle:  Handelsblatt Online
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