Streitkräfte modernisieren: Brasilien will mächtig aufrüsten

Streitkräfte modernisieren: Brasilien will mächtig aufrüsten

, aktualisiert 01. Mai 2011, 10:48 Uhr
von Alexander BuschQuelle:Handelsblatt Online

Wachstumspotential in Brasilien: Das südamerikanische Land will seine Streitkräfte modernisieren - und selbst wieder ein großer Exporteur von Rüstung werden. Welche Waffen am Zuckerhut begehrt sind.

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Schatten eines Mannes mit Waffe in der Hand.

Sao PauloBrasilien rückt immer mehr in den Blickpunkt der weltweiten Rüstungsbranche: Das größte Land Südamerikas investiert massiv in die Ausrüstung und Modernisierung seiner Streitkräfte. Nach Angaben des schwedischen Rüstungsforschungsinstituts Sipri stiegen im vergangenen Jahr in Südamerika die Ausgaben für Rüstung weltweit am schnellsten. Und rund 80 Prozent des Geschäfts entfällt auf Brasilien.

Das neue Interesse der internationalen Rüstungsfirmen an Brasilien zeigte sich bei der Verteidigungs- und Sicherheitsmesse "Laad 2011" in Rio de Janeiro, die vor kurzem stattfand. Die Zahl der Aussteller hat sich gegenüber 2009 verdoppelt - drei Viertel von ihnen stammen aus dem Ausland.

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Aber Brasilien will nicht nur Aufträge an ausländische Konzerne vergeben: Brasilianische Unternehmen sollen zunehmend an der Ausrüstung der eigenen Streitkräfte beteiligt sein - und schon bald auch federführend Projekte leiten.

Denn das südamerikanische Land soll gemäß der nationalen Verteidigungsstrategie wieder ein großer weltweiter Rüstungslieferant werden, wie schon einmal vor 30 Jahren.

Zwar kürzte die neue Regierung unter Dilma Rousseff den Rüstungsetat. So stoppte sie den bereits vergebenen Auftrag an die französische Dassault für 36 Kampfflugzeuge des Typs Rafale im Wert von zehn Milliarden Euro. Auch strich sie einen Auftrag für zwölf russische Hubschrauber.

Aber die Regierung verschonte die laufenden Entwicklungsprojekte. "Wir sparen beim Einkauf von Technologie, nicht bei der Entwicklung", sagte Verteidigungsminister Nelson Jobim dem Handelsblatt. "Oberste Priorität hat für uns der Aufbau einer eigenen Industrie."

Davon wollen vor allem zwei Konzerne profitieren, die mächtig in das Rüstungsgeschäft investieren. Dazu gehört der Bau-, Chemie- und Biotreibstoffkonzern Odebrecht, der bereits Firmen übernommen hat und weiter zukaufen will. "Es gibt noch einige interessante Unternehmen mit strategischer Technologie in Brasilien", sagt Roberto Simões, Chef von Odebrecht Defense and Technology. Außerdem investiert der Flugzeugkonzern Embraer kräftig ins Geschäft für Militärtechnik (siehe Second Reading).

Beide Konzerne arbeiten in einigen Rüstungsprojekten vor allem mit europäischen Partnern zusammen. So baut der französische Marine-Lieferant DCNS derzeit gemeinsam mit dem brasilianischen Mischkonzern Odebrecht eine Werft mit Hafen südlich von Rio de Janeiro. Sie soll insgesamt fünf U-Boote fertigen, eines davon mit Nuklearantrieb (Auftragswert: 6,7 Milliarden Euro). Und die Schiffsbaubranche wartet nun auf die Ausschreibung für fünf Fregatten und fünf Patrouillenboote im Wert von drei Milliarden Euro.

Der europäische Rüstungskonzern EADS kontrolliert über seine Tochter Eurocopter das Joint-Venture Helibras. Es soll insgesamt 51 Hubschrauber des Typs EC725 Super Puma herstellen im Wert von knapp zwei Milliarden Euro. Die ersten drei Hubschrauber wurden bereits ausgeliefert. Ab 2013 soll die Produktion in Serie gehen.

"Brasilien wird bald unser vierter Produktionsort weltweit sein neben Frankreich, Deutschland und Spanien", sagt Lutz Bertling, Chief Executive Officer (CEO) von Eurocopter. 43 Prozent der Wertschöpfung werden bereits von lokalen Produzenten zugeliefert. "Das ist weltweit die höchste lokale Wertschöpfung an einem Projekt der Luftfahrtbranche, bei dem Technologie transferiert wird", sagt Bertling. Die Entwicklung des gepanzerten Transportfahrzeugs Guarani in Zusammenarbeit mit der italienischen Fiat-Iveco im Wert von rund 79 Millionen Dollar soll ebenfalls fortgesetzt werden.

Für weltweite Aufmerksamkeit der Branche sorgt zudem die Entwicklung des militärischen Transportflugzeugs KC-390 durch den brasilianischen Flugzeugbauer Embraer. Der Konzern hofft damit eine Produktlücke zu füllen: Denn 700 Hercules-Transportflugzeuge des US-Herstellers Lockheed werden in den nächsten Jahren ausgemustert. Embraer baut den Truppentransporter, gemeinsam mit den Streitkräften Chiles, Kolumbiens, Argentiniens und den Nato-Staaten Portugal und Tschechien, deren Verteidigungsindustrie Teile zuliefern. Knapp die Hälfte der heute 60 Bestellungen stammt von der brasilianischen Luftwaffe selbst. Ab 120 Bestellungen soll das Projekt rentabel sein. Der erste Testflug ist 2014 geplant.

Doch glaubt man den Prognosen der Regierung, dann steht der große Auftragsboom für Rüstung und Verteidigung in Brasilien erst noch bevor. Nach dem nationalen Strategieplan sind Ausgaben in Höhe von rund 90 Milliarden Euro für die nächsten 30 Jahre notwendig. Dabei geht es nicht nur um Rüstung und Verteidigung im engeren Sinne, sondern auch um Überwachung und Sicherung von Grenzen und Küsten sowie den Ölplattformen im Meer.

Zudem stehen die Fußballweltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro bevor.

Quelle:  Handelsblatt Online
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