Studie zu Russland-Sanktionen: Diese Branchen leiden am stärksten

exklusivStudie zu Russland-Sanktionen: Diese Branchen leiden am stärksten

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Die Lebensmittel- und Agrarindustrie leidet unter den Russland-Sanktionen.

von Stephanie Heise

Die deutsche Agrar-, Auto- und Maschinenbauindustrie ist am stärksten von den Russland-Sanktionen betroffen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger.

Die gegenseitigen Wirtschaftsblockaden von EU und Russland treffen in Deutschland die Agrar- und Lebensmittelindustrie am härtesten. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Beratung Roland Berger, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt.

Russland hat ein Importverbot für Agrarprodukte aus der EU verhängt. Die Branche, die bisher jährlich Produkte im Wert von 1,5 Milliarden Euro nach Russland exportiert, leidet unter Umsatzeinbußen, Preisverfall und ihr droht bei weiteren Sanktionen ein dauerhafter Verlust des Geschäfts an Konkurrenten.

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Autohersteller und -zulieferer sowie Maschinen- und Anlagenbauer werden laut Studie ebenfalls empfindlich getroffen. Da für sie die Bedeutung des Russlands-Geschäfts mit bisherigen Exportumsätzen von 7,6 beziehungsweise 7,8 Milliarden Euro am größten ist, wirken sich die Einbußen negativ auf die Konjunkturentwicklung aus. Ebenfalls hart getroffen sind IT- und Telekomunternehmen.

Geschäfte mit Russland

  • Agrar & Lebensmittel

    Exporte nach Russland (Exportanteil und/oder Umsatz): 2,8 % 1,5 Mrd. €

    Aktivitäten (Beschäftigte und/oder Investitionsvolumen): 1,4 Mrd. €

    Bedeutung Russland-Geschäft: 1/3

  • Chemie

    Exporte nach Russland (Exportanteil und/oder Umsatz): 3,3 % / 5,2 Mrd. €

    Aktivitäten (Beschäftigte und/oder Investitionsvolumen): circa 7000 / 1,2 Mrd. €

    Bedeutung Russland-Geschäft: 2/3

  • Pharma

    Exporte nach Russland (Exportanteil und/oder Umsatz): 3,4 % / 2,1 Mrd. €

    Aktivitäten (Beschäftigte und/oder Investitionsvolumen): >2500

    Bedeutung Russland-Geschäft: 2/3

  • Automobil (inkl. Zulieferer)

    Exporte nach Russland (Exportanteil und/oder Umsatz): 4,0 % / 7,6 Mrd. €

    Aktivitäten (Beschäftigte und/oder Investitionsvolumen): >10 000 / 1,6 Mrd. €

    Bedeutung Russland-Geschäft: 3/3

  • Maschinen- & Anlagenbau

    Exporte nach Russland (Exportanteil und/oder Umsatz): 5,3 % / 7,8 Mrd. €

    Aktivitäten (Beschäftigte und/oder Investitionsvolumen): 628 Mio. €

    Bedeutung Russland-Geschäft: 3/3

  • Telekom, IT & Medien

    Exporte nach Russland (Exportanteil und/oder Umsatz): 3,5 % / 1,03 Mrd. €

    Aktivitäten (Beschäftigte und/oder Investitionsvolumen): keine Angabe

    Bedeutung Russland-Geschäft: 2/3

  • Bauindustrie

    Exporte nach Russland (Exportanteil und/oder Umsatz): 0,2 % / 55 Mio. €

    Aktivitäten (Beschäftigte und/oder Investitionsvolumen): >3500

    Bedeutung Russland-Geschäft: 1/3

  • Einzelhandel

    Exporte nach Russland (Exportanteil und/oder Umsatz): keine Angabe

    Aktivitäten (Beschäftigte und/oder Investitionsvolumen): >30 000

    Bedeutung Russland-Geschäft: 2/3

  • Konsumgüter

    Exporte nach Russland (Exportanteil und/oder Umsatz): circa 4 %

    Aktivitäten (Beschäftigte und/oder Investitionsvolumen): >15 000

    Bedeutung Russland-Geschäft: 2/3

  • Finanzdienstleistungen

    Exporte nach Russland (Exportanteil und/oder Umsatz): <1 % / 16,8 Mrd. €

    Aktivitäten (Beschäftigte und/oder Investitionsvolumen): circa 2,1 Mrd. €

    Bedeutung Russland-Geschäft: 1/3

  • Rüstung

    Exporte nach Russland (Exportanteil und/oder Umsatz): circa 1 % / 38,2 Mio. €

    Aktivitäten (Beschäftigte und/oder Investitionsvolumen): >1000

    Bedeutung Russland-Geschäft: 1/3

  • Transport & Logistik

    Exporte nach Russland (Exportanteil und/oder Umsatz): circa 1 %

    Aktivitäten (Beschäftigte und/oder Investitionsvolumen): >5000

    Bedeutung Russland-Geschäft: 2/3

  • Energie

    Exporte nach Russland (Exportanteil und/oder Umsatz): hohe Importe (29,3 Mrd. €)

    Aktivitäten (Beschäftigte und/oder Investitionsvolumen): >5000

    Bedeutung Russland-Geschäft: 3/3

Infolge der Analyse senkt Roland Berger die Wachstumsprognose für Deutschland 2014 von 2,0 auf 1,7 Prozent. „Persönlich hoffe ich zwar, dass es noch zu einer kurzfristigen Deeskalation kommt“, sagte Burkhard Schwenker, Berger-Aufsichtsratschef und Co-Autor der Studie, der WirtschaftsWoche. „Aber als realistische Planungsbasis müssen Unternehmen davon ausgehen, dass der Konflikt länger dauert und sich die Sanktionen in den nächsten zwei Jahren noch auswirken.“

Sanktionsfolgen für Branchen in Deutschland

  • Agrar & Lebensmittel

    Sanktionen behindern Geschäft unmittelbar: Importstopp

    Sanktionen behindern Geschäft mittelbar oder perspektivisch: Umsatzeinbußen, Preisverfall droht und Geschäftsverlust an Konkurrenten

    Sanktionsfolgen insgesamt: 3/3

  • Automobil (inkl. Zulieferer)

    Sanktionen behindern Geschäft unmittelbar: -

    Sanktionen behindern Geschäft mittelbar oder perspektivisch: Umsatzeinbußen, drohende Importbeschränkungen

    Sanktionsfolgen insgesamt: 2/3

  • Bauindustrie

    Sanktionen behindern Geschäft unmittelbar: -

    Sanktionen behindern Geschäft mittelbar oder perspektivisch: Umsatzeinbußen

    Sanktionsfolgen insgesamt: 1/3

  • Chemie

    Sanktionen behindern Geschäft unmittelbar: -

    Sanktionen behindern Geschäft mittelbar oder perspektivisch: Umsatzeinbußen

    Sanktionsfolgen insgesamt: 1/3

  • Einzelhandel

    Sanktionen behindern Geschäft unmittelbar: -

    Sanktionen behindern Geschäft mittelbar oder perspektivisch: Probleme mit Lieferkette

    Sanktionsfolgen insgesamt: 1/3

  • Energie

    Sanktionen behindern Geschäft unmittelbar: -

    Sanktionen behindern Geschäft mittelbar oder perspektivisch: strategischen Investments droht Wertverlust

    Sanktionsfolgen insgesamt: 1/3

  • Finanzdienstleistungen

    Sanktionen behindern Geschäft unmittelbar: -

    Sanktionen behindern Geschäft mittelbar oder perspektivisch: keine Geschäfte mit russischen Banken

    Sanktionsfolgen insgesamt: 1/3

  • Konsumgüter

    Sanktionen behindern Geschäft unmittelbar: -

    Sanktionen behindern Geschäft mittelbar oder perspektivisch: Umsatzeinbußen

    Sanktionsfolgen insgesamt: 1/3

  • Maschinen- & Anlagenbau

    Sanktionen behindern Geschäft unmittelbar: Einschränkungen bei Dual-Use-Gütern

    Sanktionen behindern Geschäft mittelbar oder perspektivisch: Umsatzeinbußen

    Sanktionsfolgen insgesamt: 2/3

  • Pharma

    Sanktionen behindern Geschäft unmittelbar: -

    Sanktionen behindern Geschäft mittelbar oder perspektivisch: Umsatzeinbußen

    Sanktionsfolgen insgesamt: 1/3

  • Rüstung

    Sanktionen behindern Geschäft unmittelbar: Embargo für Rüstungsgüter

    Sanktionen behindern Geschäft mittelbar oder perspektivisch: Umsatzeinbußen

    Sanktionsfolgen insgesamt: 1/3

  • Telekom, IT & Medien

    Sanktionen behindern Geschäft unmittelbar: Einschränkungen bei Dual-Use-Gütern

    Sanktionen behindern Geschäft mittelbar oder perspektivisch: Umsatzeinbußen

    Sanktionsfolgen insgesamt: 2/3

  • Transport & Logistik

    Sanktionen behindern Geschäft unmittelbar: -

    Sanktionen behindern Geschäft mittelbar oder perspektivisch: geringere Frachttransporte, Verbot von Überflugrechten droht

    Sanktionsfolgen insgesamt: 1/3

Zwar sei es im Prinzip richtig, dass bei Sanktionen das Primat der Politik gelte und die Wirtschaft sich unterzuordnen habe, so Schwenker. „Doch die Politik ist zugleich gefordert, alternative Möglichkeiten für die Wirtschaft aufzutun. Das kommt mir derzeit auf europäischer Ebene zu kurz.“

Schwenker fordert die Umsetzung zweier Maßnahmen, die in Brüssel bereits in der Schublade lägen. So könne eine Belebung des europäischen Binnenmarktes ein Prozent zusätzliches Wachstum schaffen. Ein weiteres Prozent ließe sich generieren, würde die EU pro Jahr 80 Milliarden Euro mehr für Infrastruktur ausgeben.

Der Investitionsbedarf hierfür summiert sich in der Euro-Zone bis 2020 laut Berger-Studie auf mehr als zwei Billionen Euro.

Zudem müsse die EU jetzt das Freihandelsabkommen TTIP mit den USA beschleunigen. Schwenker: „Mit guter Kommunikation seitens der Politik, an der es bisher mangelt, ließe sich auch die Anti-TTIP-Stimmung in der Bevölkerung verändern.“

Wie stark Ihr Unternehmen von den Folgen der Sanktionen betroffen ist? Eine Antwort finden Sie in diesem Dokument:

Roland-Berger-Studie zu Sanktionsfolgen für verschiedene Branchen zum Download
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1 Kommentar zu Studie zu Russland-Sanktionen: Diese Branchen leiden am stärksten

  • "...Zudem müsse die EU jetzt das Freihandelsabkommen TTIP mit den USA beschleunigen. ..."

    Daher weht der Wind. Man will den Vasallen nun auch offiziell assimilieren. Die Zwangsjacke EU, die Deutschland gegen Russland schickt, zeigt nun offen seinen seit der Nato-Osterweiterung angedachten Zweck. Ein vom Sanktionskampf mit Russland geschwächter Vasall lässt sich leichter steuern als ein starker...

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