Südafrika: Wie eine privatisierte Regierung

Südafrika: Wie eine privatisierte Regierung

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Ein indischer Industriellenclan kontrolliert Afrikas größte Volkswirtschaft. Die Spuren der Korruption führen auch zu deutschen Firmen.

Selbst Google ist gelegentlich für einen Scherz zu haben. Auf dem Satellitenbild der Suchmaschine markiert ein Etikett das riesige Anwesen zwischen dem Johannesburger Saxonwold Drive und dem Erlswold Way als „Saxonwold Shebeen“, wobei „Shebeen“ für Südafrikas spelunkenartige Vorstadtkneipen steht. Die Bar, so heißt es weiter bei der Suchmaschine, sei rund um die Uhr geöffnet. Vor Ort lacht einer der drei Männer, die am Tor zum Saxonwold Drive Nr. 5 Wache schieben, auf die Frage laut auf, wo das Lokal denn nun zu finden sei: „Suchen Sie mal schön“, antwortet der Wachmann. Sein Lachen lässt keinen Zweifel daran, wie absurd dieses Vorhaben ist: „Shebeens“ gibt es in Johannesburg zwar zuhauf, aber garantiert nicht im Villenviertel Saxonwold.

In Wahrheit verbirgt sich hinter dem von den drei Wachmännern abgeschirmten Tor kein schäbiges Trinkloch, sondern das Anwesen einer indischen Einwandererfamilie: das Zuhause der Guptas, deren Name in Südafrika derzeit in aller Munde ist. Und dass der Kartendienst der Suchmaschine dort eigentlich eine Bar verortet, passt denen ganz gut ins Konzept. So lässt sich besser verschleiern, was all jene Manager, Unternehmer, Chefs von Staatskonzernen und Regierungsmitglieder bis hin zu Staatspräsident Jacob Zuma im Schilde führen, wenn ihre Kalender einen Besuch am Saxonwold Drive No. 5 vermerken. Denn das tun sie ebenso regelmäßig wie fragwürdig.

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Die vier mit einer hohen Mauer umgebenen Villen sind zu Südafrikas inoffiziellem Regierungssitz geworden. Hier wurden in den vergangenen Jahren wichtigste Regierungsentscheidungen getroffen, einschließlich der Besetzung von Ministerposten und der Vergabe lukrativer Staatsaufträge. Und das alles, weil die Besitzer der Villen in Südafrika zu einem Staat im Staate geworden sind. Den drei Gupta-Brüdern Ajay, 50, Atul, 47, und Rajesh, 45, wird „state capture“ vorgeworfen, sie sollen Südafrikas Staat zur Geißel genommen haben. Selbst innerhalb des regierenden Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) ist inzwischen von der Geiselnahme des Staates seitens der Guptas, die Rede.

Freytags-Frage Wohin driftet Südafrika?

Immer wieder Jacob Zuma. Der südafrikanische Präsident macht seit Tagen mit Negativschlagzeilen auf sich aufmerksam. Wie es zur aktuellen Krise gekommen ist und wofür Südafrika Lösungen finden muss.

Mitglieder der südafrikanischen Economic Freedom Fighters protestieren in Pretoria gegen ihren Präsidenten Zuma. Quelle: dpa

Seit dem Amtsantritt Jacob Zumas im Jahr 2009 vermehrte sich der Reichtum der Einwandererfamilie in rasantem Tempo. Heute kontrollieren die Guptas mehrere Kohleminen, eine Uranmine, einen Fernsehsender, eine Tageszeitung, eine Computerfirma sowie mehrere Beratungsunternehmen und eine Stahlfabrik. Zunächst waren es nur einzelne Vorfälle, die Aufsehen erregten – wie die Landung eines von den Guptas gecharterten Jets auf einem sonst nur Staatschefs zur Verfügung stehenden Militärflughafen in der Hauptstadt Pretoria. Dann fiel der Name immer häufiger, wenn von der umstrittenen Besetzung wichtiger Ämter oder der Vergabe staatlicher Aufträge die Rede war. Und schließlich wurden Journalisten rund 200.000 E-Mails zugespielt, die die Machenschaften der Guptas dokumentieren.

Spötter sprechen von Südafrika als „Zuptastan“ – einem aus Zuma, Gupta und den verpönten Bantustans kreierter Wortcocktail. Am kommenden Dienstag, dem 8. August, droht Zuptastan jedoch ein Staatsstreich: Dann wird im Kapstädter Parlament mit einem Misstrauensvotum über Zumas Schicksal entschieden, das der ANC-Chef wegen des wachsenden Unmuts über die Gupta-Affäre selbst in den eigenen Reihen durchaus verlieren könnte. Wer aber ist diese Familie, die sich einen ganzen Staat einverleibt hat?

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