Sunways erneut insolvent: Chinesen sind nicht die Retter der deutschen Solarindustrie

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Sunways erneut insolvent: Chinesen sind nicht die Retter der deutschen Solarindustrie

, aktualisiert 21. März 2014, 15:20 Uhr
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Hanwha Q-Cells: Mit einer Fertigungskapazität von 1,3 Gigawatt zählen die Koreaner zu den größten Modulbauern weltweit. Im November wurde mit Hanwha-Panelen in nur zwei Tagen eine Solaranlage auf dem Dach des Davoser Kongresszentrums gebaut, in dem das Weltwirtschaftsforum stattfand.

von Mario Brück

Einige der strauchelnden deutschen Solarunternehmen wurden von asiatischen Wettbewerbern geschluckt. Was der Einstieg der Unternehmen aus Fernost den deutschen Pleitefirmen bringt. Eine Zwischenbilanz.

Alles sah nach einer gelungenen Rettung für die Konstanzer Sunways AG aus. Im Frühjahr 2012 verkaufte der angeschlagene mittelständische Solarzellen- und Wechselrichterhersteller fast drei Viertel seiner Anteile an einen der weltgrößten Solarkonzerne: LDK Solar aus Xinju in der westchinesischen Provinz Jiangxi, Weltmarktführer bei sogenannten Wafern, einem Vorprodukt für Solarzellen und -module.

LDK sollte nicht nur das Überleben von Sunways sichern, sondern dem Unternehmen auch Wachstumschancen in aufstrebenden Solarmärkten wie den USA eröffnen. Als „Deutsche Spitzentechnologie trifft chinesische Kostenvorteile“ wurde die Übernahme öffentlich verkauft.

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Zwei Jahre später ist die Ernüchterung am Bodensee groß. Trotz des Einstiegs von LDK musste Sunways Mitte 2013 ein vorläufiges Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung über sich ergehen lassen. Antragstellerin war die Baden-Württembergische Bank als Gläubigerin von Sunways. Mehrere Banken hatten zuvor Kredite in Millionenhöhe gekündigt.

Und wo war LDK? Überladen mit Schulden in Höhe von drei Milliarden Dollar, kämpfen die Chinesen selbst ums Überleben. Sogar die Regierung in Peking scheint LDK aufgegeben zu haben. Anfang Januar veröffentlichte das Ministerium für Industrie und Informationstechnologie eine Liste, auf der sich gut 100 Namen von Solarunternehmen finden, die weiter vom Staat gefördert werden. Der Name LDK fehlt. Sunways hat die erste Insolvenz zwar abgewendet, doch nun ist das Unternehmen erneut zahlungsunfähig. Die Konstanzer sind derzeit nicht in der Lage, Löhne und Gehälter zu zahlen. Am 21. März beantragten sie wieder die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens.

Die Top-Ten-Hersteller kristalliner Solarmodule

  • Suntech

    Suntech ist der weltweit zu den größte Produzent im Segment kristalliner Photovoltaikmodule.

    Allein für das Jahr 2012 vermelden die Chinesen produzierte Kapazitäten im Umfang von 2430 Megawatt. Für das Jahr 2011 meldeten sie 2400 Megawatt und für 2010 1830 Megawatt.

    Das Marktforschungsunternehmen IHS iSuppli errechnete für beide Jahre eine geringere Produktionszahlen - 2185 Megawatt für 2011 und 1485 Megawatt für 2010.

  • Trina Solar

    Das ebenfalls aus China stammende Unternehmen Trina Solar prognostiziert für das Jahr 2012 Produktionskapazitäten von 2400 Megawatt.

    Das sind 500 Megawatt mehr als für 2011 und 1200 Megawatt als für 2010 prognostiziert.

    Die tatsächlich gemeldete Produktion unterschreitet diese Zahlen noch. Im Jahr 2011 belief sich diese auf 1702 Megawatt, 2010 auf 912 Megawatt.

  • Canadian Solar

    Das Unternehmen Canadian Solar, mit Sitz in Ontario, ist der weltweit drittgrößte Hersteller kristalliner Solarmodule.

    Laut Unternehmensangaben wird für das Jahr 2012 eine Produktion von 2050 Megawatt erwartet. Die gleiche Schätzung wurde für das Jahr 2011 abgegeben, dürfte aber laut IHS iSuppli bei 1.426 Megawatt anzusiedeln sein.

    Auch für das Jahr 2010 differieren die Zahlen stark: Canadian Solar meldete Kapazitäten von 1300 Megawatt, IHS iSuppli berechnete nur 937 Megawatt.

  • Yingli Green Energy

    Auch der Hersteller Yingli Green Energy sitzt in China, genauer in der Provinz Hebei.

    Die Firma erwartet für das Jahr 2012 Kapazitäten von insgesamt 2450 Megawatt. Dies wäre eine enorme Steigerung zu den Vorjahren, 2011 waren es 1700 Megawatt und 2010 1000.

    In beiden Jahren berechnet IHS iSuppli die Kapazitäten geringer, 2011 sind es 1121 Megawatt und 2010 937 Megawatt.

  • Sharp

    Der japanische Elektronikkonzern Sharp ist im Bereich kristalliner Photovoltaikmodule gut aufgestellt. Die Prognosen für die beiden letzten Jahre belaufen sich auf jeweils 1295 Megawatt. 2010 waren es noch 1055 Megawatt.

    Die von IHS iSuppli errechnete Kapazitäten fallen in beiden Jahren etwas geringer aus: 2011 kommen die Marktforscher bloß auf 963 Megawatt, 2010 auf 858 Megawatt.

  • Hanwha SolarOne

    Der chinesische Hersteller Hanwha SolarOne erwartet im Jahr 2012 die gleichen Kapazitäten wie im Vorjahr: 1500 Megawatt. 2010 beliefen sich die Erwartungen auf 900 Megawatt.

    Ähnlich schätzt auch IHS iSuppli die Werte ein, 2011 errechneten sie eine Produktion von 919 Megawatt, 2010 612 Megawatt.

  • LDK

    Ebenfalls aus dem Reich der Mitte stammt der Konzern LDK. Für die Jahre 2012 und 2011 meldete er jeweils Kapazitäten von 2600 Megawatt. Für das Jahr davor 1500 Megawatt.

    Die Marktforscher von IHS iSuppli stuften die Produktion sehr viel geringer ein, sie kamen im Jahr 2011 auf 795 Megawatt, 2010 auf 610 Megawatt.

  • Jinko

    Der Jinko-Konzern prognostiziert für das Jahr 2012 1200 Megawatt an kristallinen Modulen, die gleiche Anzahl an wie Jahr zuvor. Im Jahr 2010 wurde mit 600 Megawatt knapp die Hälfte erwartet.

    IHS iSuppli berechnete die Produktion für 2011 auf 749 Megawatt, 2010 auf bloß 274 Megawatt.

  • Jabil Circuit

    Das Unternehmen Jabil Circuit wurde 1966 in den USA gegründet, noch heute hat es seinen Sitz in St. Petersburg, Florida.

    Für 2012 und 2011 erwartete das Unternehmen jeweils Produktionskapazitäten von 1020 Megawatt. Im Jahr 2010 waren es 740 Megawatt.

    Das Marktforschungsunternehmen IHS iSuppli kalkulierte 716 Megawatt für 2011 und 584 Megawatt für 2010.

  • Solarworld

    Kleinster Hersteller unter den großen ist die deutsche Firma SolarWorld.

    Sie meldete für 2012 und 2011 950 Megawatt produzierte Solarmodule. Für das Jahr 2010 fiel die Angabe mit 940 Megawatt etwas geringer aus.

    IHS iSuppli kam bei der Berechnung der Produktion für 2011 auf 711 Megawatt, 2010 auf 546 Megawatt.

Durchwachsene Bilanz

Die Krise in der Solarbranche, befeuert durch die Dumpingpreise chinesischer Solarkonzerne, hat in Deutschland Dutzende Firmen in die Insolvenz getrieben. Ganz so weit kam es bei Aleo-Solar nicht. Trotzdem wurde die verlustreiche Bosch-Tochter Mitte der Woche an ein Konsortium um den größten Zellenhersteller der Welt, die taiwanesische Sunrise Global Solar Energy, weitergereicht. Bosch zahlt den Asiaten eine Mitgift von rund 31 Millionen Euro.

Als im Sommer 2012, nach einer beispiellosen Pleitewelle, gleich mehrere Solarunternehmen wie Scheuten oder Solibro von chinesischen Wettbewerbern geschluckt wurden, war der Aufschrei in der Branche unüberhörbar: „Technologieklau“, und „Ausverkauf nach China“ lauteten die Schlagzeilen.

Doch so dramatisch kam es nicht. Bei den übernommenen Unternehmen gibt es Licht und Schatten. Gelungene Übernahmen und gescheiterte Eingriffe halten sich in etwa die Waage. „Von einem Technologieklau bei deutschen Zellen- oder Modulherstellern kann nun wirklich nicht die Rede sein“, sagt Martina Ecker, Leiterin der Industriegruppe Technology & Renewable bei der internationalen M&A-Beratung Lincoln International in Frankfurt. Wenn überhaupt, dann habe es einen freiwilligen Technologietransfer bei deutschen Maschinenbauern gegeben, die die chinesischen Solarkonzerne seit Jahren mit den neuesten Fertigungslinien ausrüsten.

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