Tabak-Industrie: Nikotinrausch in Asien

Tabak-Industrie: Nikotinrausch in Asien

, aktualisiert 06. November 2011, 10:54 Uhr
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Die Schmacht wächst: Zigaretten auf einem Fließband bei British American Tobacco in Bayreuth.

von Till HoppeQuelle:Handelsblatt Online

In der westlichen Welt gilt rauchen als verpönt. Der Zigaretten-Absatz sinkt. Nicht so in Asien. In Fernost steigen die Absätze. Wenn China in einigen Jahren seinen Markt öffnet, steigt die Nikotin-Bonanza.

HamburgSteigende Steuern in Europa, Schockfotos von schwarzen Lungen auf Zigarettenschachteln in den USA, rauchfreie Pubs in Irland, Werbeverbote in Australien: Seit vielen Jahren machen die Regierungen der Tabakindustrie das Leben schwer. Infolge der Gängelung müssten die Konzerne am Stock gehen – sollte man meinen. Aber das Gegenteil ist der Fall: Sie verdienen blendend – und wachsen immer noch zügig. Die Raucher lassen sich von steigenden Preisen eben nicht abschrecken. Vor allem aber profitiert die Branche vom weltweiten Bevölkerungswachstum und legt insbesondere in Asien deutlich zu.

Der deutsche Hersteller Reemtsma knackte mit seinem Umsatz im Geschäftsjahr 2011 zum ersten Mal die Milliardengrenze, wie die Tochter des britischen Konzerns Imperial Tobacco gestern mitteilte. Der Vorsteuergewinn erreichte satte 532 Millionen Euro – an jedem Euro, den Reemtsma umsetzt, verdient das Unternehmen vor Steuern also mehr als 50 Cent. Das schaffen in anderen Branchen nur ganz wenige Unternehmen. Weltmarktführer Philip Morris International ist ähnlich profitabel und konnte den Umsatz in den ersten neun Monaten des Jahres um zehn Prozent auf 23,4 Milliarden Dollar steigern, der Gewinn legte um 16 Prozent zu. Der Aktienkurs der Nummer zwei, British American Tobacco (BAT), hat sich in den vergangenen zehn Jahren verfünffacht.

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Es ist nicht so, dass die Steuererhöhungen, Werbe- und Rauchverbote keine Wirkung zeigten: Der Anteil der Raucher an der Gesamtbevölkerung geht weltweit zurück, zudem greift der Durchschnittsraucher seltener zur Zigarette. Aber absolut steigt die Zahl der Tabakkunden dennoch an, weil das Bevölkerungswachstum die anderen Effekte mehr als ausgleicht. Seit Montag beherbergt die Erde sieben Milliarden Menschen, bis zum Jahr 2050 sagen die Demografen einen Anstieg auf neun Milliarden voraus.

Dass sich die Konzerne so gut behaupten können, hat noch einen weiteren Grund: Die Hersteller erhöhen seit Jahren kräftig die Preise, die meisten Raucher qualmen trotzdem weiter. Studien zufolge sinkt der Konsum nur um vier Prozent, wenn die Schachtel um zehn Prozent teurer wird. Der Grund ist simpel: die Sucht. „Die Abhängigkeit vom Nikotin ist vergleichbar stark wie bei Heroin oder Kokain“, sagt Douglas Bettcher, Direktor der Anti-Tabak-Initiative der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Kostete eine Schachtel Marlboro in Deutschland 2002 noch drei Euro, sind jetzt 4,90 Euro fällig. Heute wie damals gingen zwar rund drei Viertel des Geldes an den Fiskus. Hersteller und Handel kassierten vor neun Jahren aber auch nur 75 Cent pro Päckchen, inzwischen sind es 1,20 Euro – das ist ein Anstieg um 60 Prozent.


Preise wachsen im Schatten von Steuererhöhungen

Meist nutzen die Unternehmen Steuererhöhungen, um in deren Windschatten auch den Herstellerpreis anzuheben. Dadurch verloren sie zwar einige Raucher an den Schwarzmarkt, aber deren Zahl ist seit Jahren konstant. Dank steigender Preise ist es den Unternehmen gelungen, den Umsatz in Deutschland im vergangenen Jahrzehnt bei rund 19,2 Milliarden Euro stabil zu halten, obwohl der Zigarettenabsatz von 140 Milliarden auf 84 Milliarden Stück zurückging.

Viel Wachstum verspricht der deutsche Markt zwar nicht mehr. Dieses kommt aber aus den Entwicklungs- und Schwellenländern, wo der staatliche Kampf gegen die „globale Tabakepidemie“ (so die WHO) weit weniger fortgeschritten ist als in Europa oder den USA und die Konzerne laut Bettcher mit „aggressiven Methoden“ um neue Kunden werben. Fast 80 Prozent der weltweit mehr als eine Milliarde Raucher leben in diesen Ländern und die Bevölkerungszahl steigt zügig. Schon heute treibt vor allem Asien das Geschäft, Philip Morris verbuchte dort seit Jahresbeginn ein Umsatzplus von 28 Prozent. Im prosperierenden Indonesien etwa wächst nicht nur die Zahl der Raucher, mit steigenden Einkommen leisten sich auch mehr Menschen teure Markenzigaretten.

Dabei ist der Konzern im Eldorado der Branche wie seine westlichen Konkurrenten noch gar nicht vertreten: China, Heimat von 40 Prozent aller Raucher, schirmt den Markt rigoros ab, staatseigene Hersteller kontrollieren nahezu den gesamten Absatz. Laut Erik Bloomquist, Analyst der Berenberg Bank, denkt Peking bislang auch nicht daran, seinen lukrativen Markt in absehbarer Zeit zu öffnen. Irgendwann aber wird China ausländische Konkurrenz zulassen.

So lange wehren sich die Konzerne gegen weitere Eingriffe der Regierungen. Für die größte Unruhe sorgen Pläne, der Industrie schlichte Einheitspackungen für ihre Zigaretten zu verordnen. Als erstes Land hat Australien ein entsprechendes Gesetz beschlossen, Großbritannien und die EU-Kommission denken über ähnliche Schritte nach. Die Konzerne sprechen von Enteignung ihrer Markenrechte und drohen mit Klagen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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