Technikkonzern in der Krise: Toshiba erwägt Rückzug aus Atomkraftwerksbau

Technikkonzern in der Krise: Toshiba erwägt Rückzug aus Atomkraftwerksbau

, aktualisiert 01. Februar 2017, 07:17 Uhr
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Laut japanischen Medien will sich der Technikkonzern künftig aus dem Bau von Atomkraftwerken zurückziehen.

von Martin KöllingQuelle:Handelsblatt Online

Riesige Verluste der AKW-Sparte zwingen Toshiba zum Abschied von alten Plänen. Nach der Chip-Sparte droht nun auch bei Toshibas US-Kraftwerkstochter Westinghouse ein radikaler Kurswechsel.

TokioDer kriselnde japanische Technikkonzern Toshiba steht vor einer strategischen Wende in seiner maroden Atomkraftwerkssparte. Nach japanischen Medienberichten will sich das Unternehmen aus dem Bau von Atomkraftwerken (AKW) zurückziehen und sich auf den Verkauf von AKW-Technik und -Design konzentrieren.

Dies wird der Konzern nach Informationen der Wirtschaftszeitung Nikkei Mitte Februar auf einer mit Spannung erwarteten Pressekonferenz ankündigen. Zudem werden dann offizielle Rücktrittsankündigungen von Toshibas Verwaltungsratsvorsitzender Shigenori Shiga und der Chef von Toshibas amerikanischen AKW-Konzern Westinghouse Danny Roderick erwartet.

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Die Maßnahme wäre Teil eines großen Rettungsprogramms, mit dem der ohnehin klamme Konzern die jüngste Krise seiner Atomsparte bewältigen will. Dem Unternehmen drohen Abschreibungen von möglicherweise fast sechs Milliarden Euro auf einen Kauf einer AKW-Baufirma durch Westinghouse. Seit der Ankündigung dieser Verluste im Dezember hat Toshiba mehr als 40 Prozent seines Börsenwerts verloren. Denn die Aktionäre befürchteten, dass die Buchverluste Toshiba mageres Eigenkapital auslöschen könnten.

So hat Toshiba bereits vorigen Freitag angekündigt, seine profitable Chipsparte in ein eigenes Unternehmen auszugründen und Anteile an Investoren zu verkaufen. Nach Informationen der Wirtschaftszeitung Nikkei will Toshiba 19,9 Prozent der Chipsparte für etwa 300 Milliarden Yen (2,5 Milliarden Euro) zu verkaufen, um mit dem frischen Kapital die Verluste im AKW-Geschäft aufzufangen.

Der Abschied aus dem AKW-Bau könnte nun dazu dienen, künftig die großen finanziellen Risiken in dem Geschäft zu beschränken. Doch ist damit offen, wie es mit Toshibas ambitionierter Atomstrategie weitergehen soll.

2006 hatte der japanische Kraftwerksbauer Westinghouse gekauft, um zu einem globalen Player in der Atomindustrie zu werden. Große Hoffnungen setzten die Japaner auf die Druckwasserreaktoren von Westinghouse, die vermeintlich einfacher, billiger und ohne größere Zeitverzögerungen zu bauen wären.

Das Unternehmen gewann in den USA sogar den Auftrag für zwei AKW-Neubauten. Doch die Projekte verzögern sich und kosten mehr als erwartet. In dem Gerangel um die Mehrkosten übernahm Westinghouse 2015 eine Baufirma des Projektpartners Chicago Bridge & Iron NV und verhandelte die Projekte neu. Doch obwohl es mit dem ehemaligen Partner über die Kosten streitet, droht das Unternehmen nicht nur auf den Abschreibungen seines Zukaufs sitzenzubleiben, sondern auch auf weiteren finanziellen Risiken.

Eine Idee Toshibas ist dem Vernehmen nach, die zwei Projekte in den USA zu Ende zu führen und künftig nur noch das Design zu verkaufen. Die Projektentwicklung und damit das finanzielle Risiko würde Toshiba damit anderen überlassen. In China operiert Toshiba bereits auf dieser Basis.

Auch wenn diese Manöver Toshiba kurzfristig Luft verschaffen könnten, droht Ärger ausgerechnet mit bisher so loyalen japanischen Großaktionären. Vier Treuhandbanken planen, den Konzern auf Entschädigung für Wertverluste durch den Bilanzskandal verklagen, der 2015 Toshiba in die heutige Krise stürzte.

Quelle:  Handelsblatt Online
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