Technologiekonzern Diehl: "Autobranche vor Ende der Hochkonjunktur"

Technologiekonzern Diehl: "Autobranche vor Ende der Hochkonjunktur"

von Rüdiger Kiani-Kreß

Der Nürnberger Technologiekonzern Diehl hält die aktuelle Euphorie der Autohersteller für überzogen und kritisiert die zögerliche Haltung der Bundesregierung bei modernen Energiespartechnologien.

Wenn der Nürnberger Diehl-Konzern jedes Jahr Anfang Juli seine Bilanz für das Vorjahr vorstellt, ist es wie eine Zeitreise in die neunziger Jahre. Die Runde in der Konzernzentrale am Rande der Innenstadt beginnt spät genug, dass auch Journalisten von außerhalb bequem anreisen können, die wichtigsten Vorstände sind bereits vor den Gästen da und sie - allen voran Konzernchef Thomas Diehl - reden Klartext statt weichgespülter Phrasen, die moderne Unternehmensführung und Kapitalmarktregeln Anderswo zur Pflicht machen.

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Diehls wichtigste Botschaft heute richtete sich an die deutschen Autobauer, denen er ein Ende der aktuellen Hochkonjunktur prophezeit. "Ich teile die aktuelle Euphorie nicht", kommentierte der 64-jährige die Aussichten der wichtigsten deutschen Industrie. Aus seiner Sicht fehlen derzeit die wesentliche Wachstumstreiber. "Russland ist als Markt praktisch weg, Brasilien als wichtigster Wachstumsmarkt der Amerikas steckt in der Rezession, China lahmt und im Rest der Welt fehlen ohnehin die Treiber."

Rüstungs- und Technikkonzern Diehl Der schwierige Imagewandel der Waffenschmiede

Den Ruf als Waffenschmiede konnte der Rüstungs- und Technikkonzern Diehl bis heute nicht ablegen. Die Jahreszahlen werden zeigen: Die Stärkung der Sparten neben der Rüstung hat dem Stiftungsunternehmen gut getan.

Diehl Rüstung Rakete Quelle: Presse

Diehl muss es wissen. Zwar gelten die Franken vielen noch als Waffenschmiede mit etwas zivilem Beiwerk. Tatsächlich hat sein Unternehmen nicht nur umfangreiche Fertigung rund um die Welt. Es zählt mit Produkten wie Elektronik oder besonders den Synchronringen für die Gangschaltung zu den wichtigsten Zulieferern der Autobranche und weiß daher aus seinem Orderbuch genau, wie sich Daimler, VW, oder Peugeot die kommenden Monate so vorstellen. "Wir sehen an Hand der Vorbestellungen, wie groß die Vorsicht gerade ist", sie Diehl.

Große deutsche Rüstungskonzerne

  • Diehl Defence

    Diehl Defence ist die Rüstungssparte des Nürnberger Diehl-Konzerns, stellt unter anderem Munition, Raketen und Ketten für Panzer her.

    Umsatz 2013: 533 Millionen Euro

  • Heckler & Koch

    Der Handwaffenspezialist aus dem badischen Oberndorf fertigt unter anderem Pistolen, Sturm- und Präzisionsgewehre.

    Umsatz 2013: 200 Millionen Euro

  • Krauss-Maffei Wegmann

    KMW in München baut etwa den Kampfpanzer „Leopard“, den Schützenpanzer „Puma“ oder die Panzerhaubitze „2000“

    Umsatz 2013: 900 Millionen Euro

  • MTU Aero Engines

    MTU Aero Engines ist ein Triebwerksbauer aus München, der auch für militärische Flugzeuge fertigt, etwa den Motor für den Eurofighter

    Umsatz 2013 (Wehrgeschäft): 501 Millionen Euro

  • Rheinmetall Defence

    Rheinmetall Defence ist die Wehrsparte von Rheinmetall aus Düsseldorf und fertigt Panzer, aber auch Munition oder etwa Flugabwehrsysteme.

    Umsatz 2013: 2,2 Milliarden Euro

  • ThyssenKrupp Marine Systems

    ThyssenKrupp Marine Systems in Kiel baut U-Boote und Kriegsschiffe. Die Firma entstand aus Blohm+Voss und der Howaldtswerke-Deutsche Werft GmbH.

    Umsatz 2012/13: 1,2 Milliarden Euro

Einmal in Fahrt ging er auch mit der aktuellen Deutschen Energiepolitik ins Gericht. "Hier kommen wir wegen merkwürdiger Vorschriften und unverständliche. Ängsten beim Datenschutz seit sechs Jahren mit unserer Technik zum Energiesparen nicht weiter." Hier bietet Diehl Geräte zum genauen Messen von Verbrauch und für das Fernsteuern von Energiespeichern. Doch er darf sie nicht wie erwartet vermarkten, weil die dabei genutzten Datenwege als nicht sicher genug bei Hackerangriffen gelten. Dazu monieren Verbraucherschützer, aus dem Verbrauch von Wasser und Strom könnten Geheimdienste und Datendiebe sensible Verhaltensprofile erstellen. "Dabei sind unsere Übertragungswege nicht weniger sicher als WLAN-Netze oder Handys", so Diehl und wundert sich "was lässt sich Vertrauliches aus dem Wasserverbrauch herauslesen? Ob ein Junggeselle mehrere junge Damen über Nacht zu Gast hatte? Und wenn schon."

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So werde ein gewaltiges Potenzial verschenkt. Hierzu zählt Diehl eine genauere Vorhersage, wann wieviel Strom gebraucht werde und die Möglichkeit Elektrospeicherheizungen in den Spitzen erneuerbarer Energien bei Sonne und kräftigem Wind als Stromspeicher zu nutzen. "Damit müssten wir in Zeiten höheren Verbrauchs weniger Kraftwerke als teure Reserven vorhalten und hätten bei einer Produktion über dem Verbrauch keine Kosten um die überschüssige Energie loszuwerden."

An dem Bilanztermin und seiner Form will Diehl noch lange festhalten. "Ich werde sicher nicht wie mein Vater als Vorgänger die 80 Jahre im Amt vollmachen", so der 64-jährige. "Aber ich bleibe sicher noch ein paar Jahre."

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