Tesla: Eine Zumutung für die Aktionäre

Tesla: Eine Zumutung für die Aktionäre

, aktualisiert 04. Juli 2016, 17:14 Uhr
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Der Chef des kalifornischen Unternehmens Tesla veröffentlichte Auslieferungszahlen, die nicht nur weit unter den Erwartungen von Analysten, sondern auch unter den des Elektroautoherstellers lagen.

von Thomas JahnQuelle:Handelsblatt Online

Tesla meldet das zweite Quartal in Folge schlechte Auslieferungszahlen. Der Elektroauto-Bauer verfehlte das eigene Ziel von 17.000 Autos – was Elon Musk wenig stört. Eine bedenkliche Einstellung. Ein Kommentar.

Wenn Amerikaner von „Chutzpah“ reden, dann mischt sich Empörung mit Bewunderung. Im Deutschen ist das hebräische Wort Chuzpe nicht ganz so geläufig, aber es trifft das Verhalten von Elon Musk bestens.

Die Mischung aus charmanter Penetranz und unwiderstehlicher Dreistigkeit kam am gestrigen Sonntag wieder ans Tageslicht. Das kalifornische Unternehmen veröffentlichte Auslieferungszahlen, die nicht nur weit unter den Erwartungen von Analysten, sondern auch unter den des Elektroautoherstellers lagen.

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Der Zeitpunkt der Veröffentlichung an sich ist dreist, wie selbst dem unschuldigsten Beobachter klar wird: Tesla versteckt die schlechte Nachricht mitten in einem langen Wochenende. Journalisten, Analysten oder Investoren, sie alle sitzen nicht an ihren Schreibtischen, sondern feiern am heutigen Montag den amerikanischen Unabhängigkeitstag.

Das Ausmaß der Chuzpe von dem Tesla-Chef geht aber noch weiter. Als er vor wenigen Tagen die Übernahme von der Solar City bekannt gab, da kannte er natürlich schon die vorläufigen Zahlen. Auch war ihm zu dem Zeitpunkt bekannt, dass ein Tesla-Kunde in Florida mit seinem Autopilot in den Tod fuhr. Beides sind einschneidende Veränderungen, die zur Vorsicht mahnen. Trotzdem stimmte er der Übernahme der Solarfirma, die aus finanziellen, geschäftlichen und rechtlichen Gründen fragwürdig erscheint, zu.

Fragwürdig ist auch Teslas Rechtfertigung für die schlechten Ergebnisse. Es seien unüblich viele Fahrzeuge im „Transit“. Das hört sich beruhigend an, die Autos befinden sich noch im Zoll oder auf dem Schiff, werden aber bald beim Kunden sein. Weniger beruhigend ist dabei, dass Tesla anscheinend unfähig ist, solche Verzögerungen in seinen Vorhersagen einzubauen. Schon zum zweiten Mal in Folge liefen die Quartalsprognosen aus dem Ruder.

Musk mutet seinen Aktionären viel zu. Ihr Vertrauen zu ihm erscheint unerschütterlich, der Kurs von Tesla erholte sich nach Verkündigung der Übernahmepläne und des Unfalls wieder. Aber Manöver wie mit dem Zeitpunkt der Veröffentlichung der Produktionszahlen sollte Anteilseigner zu denken geben. 

Chuzpe funktioniert, weil es Unverschämtheit mit Intelligenz und Charme verbindet. Versteckmanöver und  halbgare Erklärungen gehören nicht dazu.

Quelle:  Handelsblatt Online
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