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Teure Messe: Heideldruck rutscht tiefer in die Verlustzone

Quelle: Handelsblatt Online

Die Druckbranche liegt darnieder. Der Maschinenbauer türmt daher noch höhere Verluste auf. Ein teurer Branchentreff schlug zudem auf die Bilanz. Immerhin brachte die Messe Drupa einige Aufträge ein.

Mit einem Stellenabbau will Heidelberger Druck die Wende zum Besseren schaffen. Quelle: dapd
Mit einem Stellenabbau will Heidelberger Druck die Wende zum Besseren schaffen. Quelle: dapd

Der Maschinenbauer Heidelberger Druck ist im zurückliegenden Quartal wegen der teuren Branchenmesse Drupa noch tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Der Verlust nach Steuern habe sich in den Monaten April bis Juni auf 74 Millionen von 46 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum erhöht, teilte der weltgrößte Druckmaschinenhersteller am Mittwoch in Heidelberg mit. Neben einem schwächeren operativen Ergebnis habe auch ein schlechteres Finanzergebnis dazu beigetragen.

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Vor der nur alle vier Jahre im Frühjahr stattfindenden Branchenmesse hätten sich die Druckereien mit Neuanschaffungen zurückgehalten. Daher schrumpfte der Umsatz im abgeschlossenen Vierteljahr um 4,4 Prozent auf 520 Millionen Euro, wie Heidelberg bereits Mitte Juni berichtet hatte. Auch der laufende Stellenabbau, mit dessen Hilfe Heideldruck vom nächsten Geschäftsjahr 2013/14 (31. März) an wieder Gewinne schreiben will, schlug im Auftaktquartal dieses Jahres negativ mit hohen Ausgaben zu Buche.

Heidelberger Druckmaschinen

Die Heidelberger Druckmaschinen AG ist der größte Druckmaschinen-Hersteller in Deutschland. Die Kompetenzen liegen im Bogenoffsetdruck, Digitaldruck sowie in der Fertigung im Präzisionsmaschinenbau.

Umsatz Geschäftsjahr 2010/2011 / Beschäftige:

2,63 Milliarden Euro / 15.800 Mitarbeiter 

Der Branchenprimus konnte vor drei Jahren nur mit Hilfe staatlicher Garantien gerettet werden. Von den einst 20.000 Mitarbeitern mussten mehr als 4000 gehen. Im Geschäftsjahr 2011/2012 rechnet Heideldruck mit leicht wachsenden Umsätzen. Mittelfristig will der Konzern mehr als drei  Milliarden Euro erwirtschaften. Dieser Ausblick kann jedoch nicht über die anhaltenden Probleme der Branche hinweg täuschen. Noch-Heideldruck-Chef Bernhard Scheier geht von einem weltweiten Umsatzrückgang in der Druckmaschinenbranche von 20 Prozent aus. Gleichzeitig kämpfen die Deutschen gegen ursprünglich branchenfremde Giganten wie Hewlett-Packard, die mit ihren Digitaldruckern ungebremst expandieren.

Bild: dpa

Von dem teuren Branchentreffen profitierte jedoch der Auftragseingang, der mit 890 Millionen Euro ein Drittel über Vorjahr lag und den höchsten Stand seit 2008 erreichte. Seitdem schreibt der auf Bogendruckmaschinen zur Herstellung von Katalogen, Plakaten, Verpackungen und Geschäftspost spezialisierte Maschinenbauer rote Zahlen, rund 5000 Beschäftigte verließen in diesem Zeitraum das Unternehmen.

Der binnen Jahresfrist um knapp 20 Prozent gestiegene Orderbestand werde vor allem in der zweiten Hälfte dieses Geschäftsjahres zu steigenden Umsätzen führen, stellte das Unternehmen in Aussicht.

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Operativ werde Heidelberger Druck im laufenden Geschäftsjahr zwar schwarze Zahlen ausweisen können, sofern Sondereffekte wie die Kosten für das Sparprogramm und den Anlauf neuer Produkte ausgeklammert würden. Nach Steuern werde das Ergebnis jedoch das fünfte Geschäftsjahr in Folge negativ ausfallen, bekräftigte der Vorstand.

Die schwelende Euro- und Staatsschuldenkrise sorge zusätzlich für Gegenwind und erschwere eine konkretere Prognose für das laufende Geschäftsjahr. Ab September übernimmt der 56-jährige Gerold Linzbach, der früher den Duft- und Aromenherstellers Symrise geführt hat, den Chefposten im Vorstand. Der seit rund 13 Jahren an der Unternehmensspitze stehende Bernhard Schreier verlässt den Konzern zum Jahresende.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 08.08.2012, 09:05 Uhrzarromanowski

    Man fragt sich inzwischen, was die permanenten "Wasserstandsmeldungen" von Heideldruck bewirken sollen? Es ändert sich nichts, Heideldruck braucht weitere, für viele Mitarbeiter tragische Zäsuren. Die Branche liegt darnieder, die klassischen Druckereien werden verschwinden, tausende Kleinbetriebe (80% aller Druckereien, haben weniger als 10 Mitarbeiter) leben von Monat zu Monat mit keinerlei Aussicht auf Besserung der Rendite. Inzwischen gehen immer mehr Druckreiinhaber dazu über, die Produktion einzustellen um als "Druck-Händler" mit Vorstufenkenntnissen zu agieren. Man schätzt das ca. 10 Onlinedrucker, den Druckmarkt in Deutschlalnd zu 70% abdecken, sie agieren mit ruinösen Preisen und kaufen die kleinstrukturierten Familiendruckereien massenweise auf, setzen deren gescheiterte Inhaber ihrer dann 100%igen Töchter als angestellte Geschäftsführer ein. 1990 gab es in der BRD 24.000 Druckereien, 2012 nur noch knapp 9000 - Tendenz dramatisch fallend. Wenn Heideldruck sich nicht selbst zum "Kleinbetrieb" degradiert, werden es eben die Märkte tun - die Zeiten der sich selbstüberschätzenden, arroganten Heideldruck-Hausierer gehören der Vergangenheit an - stattdessen versteckt man sich seit Jahren hinter gewagten Zukunfts-Prognosen, die allesamt nie eintreffen werden. Ohne die ehemaligen 850 Mio.-Bürgschaften der Steuerzahler der BRD, wäre Heideldruck nur noch Gesschichte und hätte es nicht mehr notwendig mit unausgegorenen Business-Visionen, Tausende Mitarbeiter immer wieder zu besänftigen.

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