Textilindustrie: Die Modelüge - wie deutsche Firmen produzieren lassen

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Textilindustrie: Die Modelüge - wie deutsche Firmen produzieren lassen

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Bei vielen Herstellern verdienen die jungen Frauen 30 Euro im Monat. Dafür arbeiten sie täglich von 8 bis 20 Uhr. Das sind vier Stunden mehr als gesetzlich erlaubt

von Florian Willershausen

Die Karawane der Einkäufer zieht von China ins billigere Bangladesch, wo Lieferanten oft nur Hungerlöhne zahlen. Doch können Modehändler billig und zugleich fair produzieren lassen? Reporter Florian Willershausen war undercover vor Ort unterwegs.

Schon im Landeanflug weiß Sven Axel Groos, dass er gleich schrecklich schwitzen wird. Der Monsun tobt, es ist Ende Juni – eine ungünstige Zeit, um nach Bangladesch zu fliegen. In den mehr als 5000 Textilfabriken des Landes läuft die Winterware von den Bändern, die Frühlingskollektion hängt noch am Reißbrett der Designer. Für Einkäufer wie Groos gibt’s also nichts einzukaufen.

Vom Flugzeug aus sieht Groos, wie das Wasser in Bindfadenform auf die grauen Betonburgen der Hauptstadt Dhaka fällt. Um die 35 Grad heiß wird es draußen sein. Diesmal grüßt die 14-Millionen-Metropole ihre Gäste nicht nur mit hässlicher Armut, sondern auch mit Sauwetter.

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Groos ist Chefeinkäufer bei Tchibo für alle Waren, die man nicht essen kann, Kleidung zum Beispiel. Er hat viele Einkäufer, die für ihn arbeiten. Aber diesmal geht es nicht um Preise. Es geht um Prinzipien, große Politik, die Revolution – seine Revolution.

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Mindestlöhne für alle Lieferanten

Das Flugzeug, in dem er sitzt, gehört der deutschen Luftwaffe. Jenseits der Trennwand schnallt sich Außenminister Guido Westerwelle gerade zur Landung an. Auf halber Strecke hatte Groos den FDP-Politiker gebeten, er möge während des Besuchs Druck auf Bangladeschs Regierung ausüben, die Mindestlöhne von 30 Euro im Monat heraufzusetzen – für alle Lieferanten, damit die höheren Personalkosten keinen im Wettbewerb benachteiligen. Überstunden-, Brandschutz- und Hygieneregeln müssten verbessert werden. Es brauche den Druck von Politik und Wirtschaft, damit sich etwas ändert, sagt Groos.

Tchibo ist klein in Bangladesch, der letzten Billig-Werkbank für den Massenmarkt der Textilindustrie. Riesen wie C & A oder H & M ordern Containerschiffe voll mit Klamotten aus der Großregion um Dhaka mit ihren 40 Millionen Einwohnern. Groos reichen ein paar Dutzend Lkws. Doch alle Modeketten haben die gleichen Sorgen. Wie China vor 20 Jahren leidet Bangladesch unter frühkapitalistischen Geburtswehen. Die soziale Verantwortung des Fabrikanten erschöpft sich darin, Jobs zu schaffen.

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