Thiopental: EU verbietet Export von Todesspritzen-Gift

Thiopental: EU verbietet Export von Todesspritzen-Gift

, aktualisiert 16. Dezember 2011, 19:27 Uhr
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Die Todeszelle in einem Gefängnis in Huntsville, Texas.

von Maike TelghederQuelle:Handelsblatt Online

Die EU beschließt ein Exportverbot für das Medikament Thiopental. Nun geht den USA das für Exekutionen benötigte Narkosemittel aus. Mehr als 3000 zum Tode Verurteilte warten derzeit in den USA auf ihre Hinrichtung.

FrankfurtFallbeile, elektrische Stühle, Daumenschrauben oder tragbare Elektroschockgeräte – die Liste der Waren, die aus der EU nicht in Länder, geliefert werden dürfen, die foltern oder die Todesstrafe erlauben, ist lang. Bis zum Jahresende will die Kommission auch noch Narkosemedikamente wie Thiopental, das bei der Todesspritze in den USA eingesetzt wird, hinzufügen. Das sagte ein Sprecher der Kommission dem Handelsblatt.

Damit wird es für die USA künftig noch schwerer, sich das Gift zur Vollstreckung der Todesstrafe zu besorgen. Die Behörden müssen sich nach neuen Lieferanten in Asien oder Afrika umsehen. Denn in der EU gilt künftig ein Exportbann. Nur mit einer sehr strengen Sondergenehmigung darf noch an Kliniken und Krankenhäuser in Ländern wie den USA ausgeliefert werden. Die Giftspritze kommt in Amerika bei den meisten Hinrichtungen zum Einsatz: Zuletzt waren es etwa 50 Exekutionen pro Jahr. Allerdings gibt es laut Death Penalty Center derzeit mehr als 3000 zum Tode verurteilte Kandidaten, deren Hinrichtung in den vergangenen Monaten auch deshalb nicht vollzogen wurde, weil der Stoff für die Giftspritze schon knapp wurde.

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Produktionsprobleme beim US-Hersteller lösten Engpass aus

Denn der einzige US-Hersteller, der Generikahersteller Hospira, hatte im letzten Jahr monatelang Probleme bei der Produktion gehabt. Der Versuch, dass Mittel über eine Tochtergesellschaft in Italien produzieren zu lassen, scheiterte Anfang dieses Jahres am Protest des italienischen Parlaments. Das verlangte von Hospira die Versicherung, dass das Mittel aus Italien nicht bei der Vollstreckung der Todesstrafe eingesetzt werde.

Der US-Konzern Hospira erklärte schließlich Ende Januar, dass er das Mittel nicht länger produzieren werde, weil das Unternehmen nicht wolle, dass das Mittel weiter bei Exekutionen zum Einsatz komme. Anfang Januar hatten die USA bereits beim damaligen deutschen Gesundheitsminister Philipp Rösler angefragt, ob nicht Deutschland Thiopental liefern könnte. Hierzulande bieten drei Firmen Thiopental an.


Rösler lehnte eine US-Anfrage ab

Rösler lehnte die Anfrage der USA ab und rief die Hersteller in einem Brief auf, kein Thiopental an die USA zu liefern. Zwei davon, die Firma Inresa in Freiburg und die Firma Rotexmedica in Trittau, haben gar keine Zulassung für den US-Markt und nie dorthin geliefert, wie sie dem Handelsblatt sagten.

Die Schweizer Firma Nycomed, deren Deutschland-Tochter das Mittel in Singen produziert, hatte bereits Anfang des Jahres erklärt, nur Krankenhäuser zu beliefern und keine US-Staaten, die das Mittel für Giftspritzen verwenden wollen. Mittlerweile hat sich Nycomed entschlossen, das Mittel gar nicht mehr ins Ausland zu liefern, sagte ein Sprecher dem Handelsblatt gestern. Allerdings spielte Thiopental vom Umsatz her betrachtet für Nycomed ohnehin nur eine untergeordnete Rolle.

Dennoch sind die USA in den vergangenen Monaten aus Europa mit Narkosemitteln beliefert worden. In Großbritannien hatte sich bereits im vergangenen Herbst eine Firma namens Dream Pharma gefunden, die das Todesspritzen-Gift an die USA verkaufte. Das rief schnell die britischen Behörden auf den Plan, und das Wirtschaftsministerium untersagte den Export.

Manche US-Staaten wichen auf ein Barbiturat der Firma Lundbeck aus Dänemark aus. Als das bekannt wurde, geriet der Hersteller massiv unter Druck. Rund 60 Ärzte forderten die Firma in einem Leserbrief in der angesehenen, international verbreiteten Fachzeitung „The Lancet“ auf, das Mittel vom Markt zu nehmen. Seit Juli dieses Jahres müssen alle Einkäufer Lundbeck schriftlich bestätigen, dass das Mittel nur zu medizinischen Zwecken eingesetzt wird.

Quelle:  Handelsblatt Online
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