Thyssen-Aktionär : Union Investment dringt auf Fusion mit Tata

Thyssen-Aktionär : Union Investment dringt auf Fusion mit Tata

, aktualisiert 08. September 2017, 12:03 Uhr
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Ein Gemeinschaftsunternehmen sei die einzige Option, die beiden Seiten Vorteile bringe, sagt Ingo Speich, Portfolio-Manager von Union Investment.

Quelle:Handelsblatt Online

Union Investment dringt auf einen schnellen Abschluss der Gespräche zwischen Thyssenkrupp und Tata. Die Unsicherheit laste auf dem Aktienkurs. Die Fondsgesellschaft gehört zu den Top-20-Investoren von Thyssenkrupp.

DüsseldorfDie Fondsgesellschaft Union Investment mahnt Thyssenkrupp bei der geplanten Stahlfusion mit Tata Steel zur Eile. „Je früher es Klarheit gibt, desto besser wäre das“, sagte der Portfolio-Manager der Fondsgesellschaft, Ingo Speich, in einem am Freitag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. „Die Unsicherheit lastet auf dem Aktienkurs.“ Ein Gemeinschaftsunternehmen sei die einzige Option, die beiden Seiten Vorteile bringe. „Ein komplettes Scheitern würde einen Scherbenhaufen hinterlassen.“ Union Investment hält 0,3 Prozent an Thyssenkrupp und gehört damit zu den Top-20-Investoren.

Am Dienstag kommender Woche trifft sich der Aufsichtsrat von Thyssenkrupp, die Stahlfusion dürfte dann ein Thema sein. Seit über einem Jahr spricht Thyssenkrupp mit Tata über einen Zusammenschluss der europäischen Stahlgeschäfte. Konzernchef Heinrich Hiesinger will damit das Problem der Überkapazitäten in den Griff bekommen. Mit einem Joint Venture würden Thyssen und Tata zum zweitgrößten Stahlkonzern in Europa nach ArcelorMittal aufrücken. Die Gespräche sind aber durch den Brexit und die Frage der hohen Pensionslasten von Tata ins Stocken geraten.

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Union-Investment-Experte Speich warnte vor langen Verzögerungen, denn die Lage auf dem Kapitalmarkt sei derzeit ruhig. „Die Zinsen sind auf historisch niedrigem Niveau und die Konjunktur läuft gut.“ Wenn sich dies ändere, würde sich die schwache Bilanz von Thyssenkrupp rächen. Der Konzern leidet unter einer schwachen Eigenkapitalquote und Milliardenschulden. „Vor dem nächsten konjunkturellen Abschwung muss was passieren.“

Tata hatte vor wenigen Wochen in der Frage der 15 Milliarden Euro schweren Pensionspflichten in Großbritannien eine Vereinbarung erzielt. Die Frist für Einsprüche lief bis zum 8. September. "Was die Pensionsfrage betrifft, muss sichergestellt sein, dass nicht irgendwann Nachschuss-Pflichten entstehen, betonte Speich. "Da muss wirklich der Deckel drauf sein."

Von der in den Medien immer wieder ins Spiel gebrachten Idee einer Deutschen Stahl AG hält der Experte nichts. „Eine deutsche Lösung aus Thyssenkrupp, Salzgitter und Georgsmarienhütte ist wegen mangelnder Synergien keine Alternative.“ Bei Thyssen/Tata passten hingegen auch die Standorte. Thyssenkrupp Steel Europe ist stark auf dem deutschen Markt und in den europäischen Nachbarstaaten. Tata hat Werke in Großbritannien und den Niederlanden.

Bei den Arbeitnehmervertretern von Thyssenkrupp treffen die Pläne jedoch auf massiven Widerstand. Sie befürchten den Abbau von Arbeitsplätzen und die Schließung von Standorten. „Prinzipiell ist die Arbeitnehmerseite bei Thyssenkrupp sehr stark“, sagte Speich. Es sei aber davon auszugehen, dass man sie ins Boot holt. „Man wird versuchen, eine Konsenslösung zu erzielen. Das war auch bisher immer so die Ansage des Managements.“

Hiesinger stehe unter Druck. „Ein Scheitern wäre für Hiesinger sehr negativ.“ Er habe an dem Deal lange gearbeitet. „Bisher ist der große Paukenschlag bei Thyssenkrupp ausgeblieben, was die Restrukturierung und die Transformation hin zum Technologiekonzern betrifft. Das ist ein zwingender Schritt, den wir jetzt sehen müssen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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