Thyssen-Krupp in der Stahlkrise: Hiesingers Last mit der Vergangenheit

Thyssen-Krupp in der Stahlkrise: Hiesingers Last mit der Vergangenheit

, aktualisiert 10. Mai 2016, 09:10 Uhr
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Der Vorstandschef treibt den Abschied vom Stahlgeschäft voran.

von Martin WocherQuelle:Handelsblatt Online

Einmal mehr verhagelt das schwankungsanfällige Stahlgeschäft Thyssen-Krupp die Bilanz. Der Druck auf Konzernchef Heinrich Hiesinger, den Abschied von der Sparte voranzutreiben, wächst nun weiter. Ein Kommentar.

DüsseldorfSeit seinem Amtsantritt vor fünf Jahren dreht Thyssen-Krupp-Chef Heinrich Hiesinger an den strategischen Stellschrauben des Traditionskonzerns: Konzentration auf die Industriesparten und langsamer Abschied aus dem stark schwankungsanfälligen Stahlgeschäft lautet seitdem die Devise. Doch noch immer tragen die Hütten und der Werkstoffhandel gut die Hälfte zum Umsatz des Unternehmens bei. Laufen hier die Geschäfte aus dem Ruder, schlägt das auf den gesamten Konzern durch.

Das lässt sich sehr gut an den am Dienstag veröffentlichten Zahlen für das erste Halbjahr des Konzerns beobachten. Während das Industriegeschäft rund um Autokomponenten, Aufzüge und Anlagenbau gut läuft, verhageln die stark gesunkenen Stahlpreise und der hohe Importdruck chinesischen Billigstahls die gesamte Bilanz.

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In der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahres brach der Gewinn um 62 Prozent auf 37 Millionen Euro ein. Der Umsatz ging um acht Prozent auf 19,4 Milliarden Euro zurück. Der Verfall der Preise sei stärker gewesen und habe länger angehalten als erwartet. Deshalb senkte der Vorstand die Prognosen für das Ende September endende Gesamtjahr. Zuletzt hatten sich die Preise angesichts besserer Aussichten vor allem der chinesischen Wirtschaft zwar recht deutlich erhöht. Doch das kommt für Thyssen-Krupp zu spät, um die bisherigen Einbrüche aufzuholen.

Das Management erwartet im laufenden Geschäftsjahr einen Rückgang des bereinigten Ebit auf nur noch gut 1,4 Milliarden Euro. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern noch knapp 1,7 Milliarden Euro verdient. Bislang lag das Ziel für dieses Jahr bei 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro. Auch die Aussicht auf einen deutlich steigenden Nettogewinn gab der Vorstand nun auf. Er hält nun noch einen Überschuss auf dem Niveau des Vorjahres für möglich, als unter dem Strich 210 Millionen Euro übrig geblieben waren.


Hiesinger treibt Konsolidierung voran

Dabei schlägt sich die europäische Stahltochter um die Hütte in Duisburg noch achtbar: Im Gegensatz zur Konkurrenz schreibt sie noch schwarze Zahlen auch dank des noch einmal verschärften Sparprogramms. Düster sieht es aber rund um das Stahlwerk in Brasilien aus, das erneut tiefrote Zahlen vorweisen musste.

Es ist nicht nur die schwache Stahlkonjunktur, die der brasilianischen Stahlhütte zusetzt, es ist auch der schwache Wechselkurs des Real und die einbrechende Wirtschaft in dem größten südamerikanischen Land, die die Kunden nur zögerlich zugreifen lassen.

Kein Wunder, dass Hiesinger angesichts dieser Konstellation eine Konsolidierung der europäischen Stahlindustrie vorantreibt. Die Hütte in Brasilien, die Thyssen-Krupp gerade erst vollständig vom langjährigen Partner Vale übernommen hat, ist in dieses Gesamtpaket mit eingeschlossen. Egal, ob es nun zu einem Zusammenschluss mit den europäischen Werken von Tata, der Salzgitter AG oder vielleicht sogar mit dem weltgrößten Stahlproduzenten Arcelor Mittal kommt – eine Trennung vom Stahlgeschäft scheint der einzige Weg zu sein, Thyssen-Krupp langfristig einen Weg in eine bessere Zukunft zu ebnen.

Die jetzt vorgelegten Zahlen zeigen noch einmal die Notwendigkeit aus Sicht von Hiesinger. Sie dürften auch den nötigen Druck erzeugen, noch in diesem Jahr zu einer Lösung zu kommen.

Mit Material von dpa.

Quelle:  Handelsblatt Online
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