ThyssenKrupp: Aufsichtsrat verzichtet auf Hälfte der Vergütungen

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ThyssenKrupp: Aufsichtsrat verzichtet auf Hälfte der Vergütungen

Gerhard Cromme verkündete auf der heutigen ThyssenKrupp-Hauptversammlung, der Aufsichtsrat werde auf die Hälfte seiner Vergütung verzichten. Zugleich verteidigte er die Arbeit des Kontrollgremiums.

Der ThyssenKrupp-Aufsichtsrat verzichtet wegen der Milliardenverluste bei Deutschlands größtem Stahlkonzern für das vergangene Geschäftsjahr auf die Hälfte seiner Vergütung. Das kündigte Aufsichtsratschef Gerhard Cromme am Freitag auf der Hauptversammlung des Stahlkonzerns in Essen an.

Der Aufsichtsrat wolle mit dieser Geste seine Betroffenheit und Solidarität mit den Aktionären zum Ausdruck bringen, sagte Cromme nach einem vorab verbreiteten Manuskript. ThyssenKrupp hatte wegen gigantischer Fehlinvestitionen im Stahlbereich im Geschäftsjahr 2011/2012 einen Verlust von 4,7 Milliarden Euro ausweisen müssen.

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Cromme verteidigte aber vor den Aktionären gleichzeitig das Kontrollgremium gegen Vorwürfe, seinen Überwachungspflichten nicht nachgekommen zu sein. Er verwies auf Gutachten unabhängiger Experten. Danach sei der Aufsichtsrat seinen Überwachungspflichten in allen Phasen des Projekts "auf hohem Niveau gerecht geworden". Auch beim Umgang mit Kartellverstößen habe der Konzern inzwischen große Fortschritte gemacht, betonte der Manager.

Rein rechtlich Aufsichtsräte in der Haftungsfalle

Bei ThyssenKrupp hatten Aktionäre gedroht, dem Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. Ein sehr seltener Schritt. Rechtlich sind die Konsequenzen gering - doch das Image der Kontrolleure steht auf dem Spiel.

Das Unternehmenslogo leuchtet am 11.12.2012 in Essen (Nordrhein-Westfalen) vor der Unternehmenszentrale des Stahlkonzerns ThyssenKrupp. Der Stahlkonzern lädt am Freitag zu seiner Hauptversammlung nach Bochum. Foto: Oliver Berg/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Quelle: dpa

Cromme räumte ein, das Unternehmen stehe vor großen Herausforderungen. Doch sei er sicher, dass der Konzern diese meistern werde. "Wir haben die Kraft gehabt, Fehler zu erkennen, zu korrigieren und die Weichen für die Zukunft zu stellen", sagte der 69-jährige Manager. Erste Erfolge seien bereits erkennbar.

ThyssenKrupp -Chef Heinrich Hiesinger stellte sich hinter Cromme. Er habe für seinen Kurs immer die volle Rückendeckung vom Aufsichtsrat erhalten, sagte Hiesinger am Freitag laut Redetext. "Ich bin überzeugt, dass Vorstand und Aufsichtsrat von ThyssenKrupp das Unternehmen gemeinsam in eine erfolgreiche Zukunft führen können, wenn wir den kritischen, aber vertrauensvollen Dialog fortführen." Der seit zwei Jahren amtierende Hiesinger hat zudem eine neue Führungskultur bei dem größten deutschen Stahlkonzern angekündigt. "Wir geben offen zu, vieles ist falsch gelaufen, vieles war nicht verhältnismäßig oder nicht mehr zeitgemäß", sagte der ehemalige Siemens-Manager.

Die Aktionärsstruktur von ThyssenKrupp

  • Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung

    Die Stiftung hält mit 23,03 Prozent den Großteil aller Aktien.

  • Cevian

    Der schwedische Finanzinvestor hält 15,08 Prozent der Aktien.

  • Rest

    51,89 Prozent der Aktien werden von internationalen institutionellen Anlegern gehalten.

  • Privatanleger

    Privatanleger halten zehn Prozent der ThyssenKrupp-Papiere.

Das Unternehmen wird von Kartellverstößen, Luxusreisen auf Firmenkosten und vor allem dem Desaster mit den neuen Stahlwerken in Übersee erschüttert. Ende Dezember musste der halbe Vorstand gehen. Die Kosten für die neuen Stahlwerke in Brasilien und den USA waren auf zwölf Milliarden Euro in die Höhe geschossen. Vor allem deswegen hatte ThyssenKrupp im vergangenen Geschäftsjahr einen Verlust von fünf Milliarden Euro eingefahren hat.

Hiesinger bekräftigte, die Stahlwerke in Übersee bis Ende September zu veräußern. Eine Trennung von der europäischen Stahlsparte sei nicht geplant. Die Kurzarbeit werde dort im laufenden Quartal aber fortgesetzt werden müssen. Mit dem Betriebsrat sei darüber hinaus bereits eine Verlängerung der Kurzarbeit bis Ende Juli vereinbar worden.

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