ThyssenKrupp-Aufzug: Ein Transrapid für Hochhäuser

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ThyssenKrupp-Aufzug: Ein Transrapid für Hochhäuser

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Das Grundkonzept: Ein Schacht für die Fahrt nach oben, ein separater Schacht nach unten. Somit sind horizontale Fahrten möglich.

von Florian Zerfaß

Der Magnetschwebe-Schnellzug Transrapid von Siemens und ThyssenKrupp war ein gewaltiger Flop, jetzt aber feiert die Technik ein Comeback: In einem Aufzugssystem für Wolkenkratzer, das ThyssenKrupp entwickelt hat.

Die Hoffnungen in Essen sind mal wieder groß. Von einem „Wendepunkt in der Geschichte der Aufzugssysteme“ spricht Andreas Schierenbeck, der Chef der Aufzugssparte von ThyssenKrupp. Konzernchef Heinrich Hiesinger verkündete den Aktionären auf der Hauptversammlung Anfang des Jahres, das Unternehmen schaffe nicht weniger als einen „Technologiesprung“.

Der Hoffnungsträger heißt „Multi“, ein neu entwickeltes Aufzugssystem. Das fährt ohne die bislang üblichen Seile, sondern mit einem elektromagnetischen Antrieb. Bei den Managern des Ruhrgiganten entfacht der Aufzug schon wahre Begeisterungsstürme – dabei ist er bisher noch nicht mehr als ein Modell.

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Ein Test unter realen Bedingungen soll ab 2016 laufen. Dann will ThyssenKrupp den 246 Meter hohen Testturm in Betrieb nehmen, den der Konzern derzeit im baden-württembergischen Rottweil baut. Dort wird der Multi zum ersten Mal so aufgebaut, wie er später die Wolkenkratzer der Welt erobern soll.

Schachtkonzept Multi Quelle: PR

Mit dem Multi sind nicht nur senkrechte, sondern auch ganz neue Schachtkonzepte möglich sind.

Bild: PR

Beim Multi greift ThyssenKrupp auf die Erfahrungen aus dem gefloppten Transrapid-Projekt zurück, in dem die Essener gemeinsam mit Siemens eine Magnetschwebe-Schnellbahn entwickelt hatten. Statt wie üblich mit Seilen, an denen sich die Aufzugskabinen nach oben und unten ziehen, wird der Multi mit einem sogenannten Linearmotor fahren, quasi ein Magnetschwebeaufzug.

Neue Aufzüge sollen Platz sparen

Davon verspricht sich der Konzern eine Reihe von Vorteilen. Während in seilbetriebenen Aufzügen eine oder zwei Kabinen pro Schacht unterwegs sind, fahren im Multi diverse Kabinen voneinander unabhängig. Das wird nach den Plänen der Ingenieure die Beförderungskapazitäten stark erhöhen und somit die Zahl der erforderlichen Aufzugschächte deutlich reduzieren.

Mit diesem Vorteil soll der Multi ein Verkaufsschlager werden: Gerade in Großstädten wird in die Höhe gebaut, weil der Platz knapp ist. Wenn Architekten weniger Aufzugsschächte einplanen müssen, können sie in ihren Hochhäusern jede Menge Platz sparen. Bis zu 50 Prozent weniger Fläche für Aufzugsschächte erhoffen sich die Planer bei ThyssenKrupp.

ThyssenKrupp in Zahlen

  • Umsatz

    2013/2014: 41,3 Milliarden Euro

    2012/2013: 39,8 Milliarden Euro

    Quelle: Geschäftsberichte

  • Bereinigtes Ebit

    2013/2014: 1,333 Milliarden Euro

    2012/2013: 0,517 Milliarden Euro

  • Bereinigte Ebit-Marge

    2013/2014: 3,2 Prozent

    2012/2013: 1,3 Prozent

  • Jahresüberschuss

    2013/2014: 0,195 Milliarden Euro

    2012/2013: -1,576 Milliarden Euro

  • Free Cahsflow vor Verkäufen

    2013/2014: -0,254 Milliarden Euro

    2012/2013: -0,625 Milliarden Euro

  • Dividende

    2013/2014: 0,11 Euro je Aktie

    2012/2013: 0,00 Euro je Aktie

    Vorschlag an die Hauptversammlung

  • Netto-Finanzschulden

    2013/2014: 3,488 Milliarden Euro

    2012/2013: 5,038 Milliarden Euro

  • Eigenkapital

    2013/2014: 3,199 Milliarden Euro

    2012/2013: 2,512 Milliarden Euro

Und noch einen weiteren Vorteil hat der Multi: Die Kabinen können nicht nur hoch und runter, sondern auch seitwärts fahren. Somit ist eine horizontale Verbindung zwischen verschiedenen Gebäudeteilen möglich – und theoretisch über entsprechende Übergänge sogar zwischen benachbarten Hochhäusern.

Ähnlich wie beim altbekannten Paternoster wird es beim Multi separate Schächte für den Weg nach oben und nach unten geben. Während allerdings beim Paternoster die Kabinen durch Seile verbunden sind und wie an einer Perlenschnur stur reihum fahren, sind die Kabinen beim Multi unabhängig voneinander unterwegs, gesteuert von einem Computer.

An den Seitenwänden der Aufzugsschächte sind elektromagnetische Schienen angebracht, in denen sich mit Harz vergossene Kupferspulen befinden. Durch diese fließt Strom und erzeugt dabei ein Magnetfeld. Über die Steuerung der Frequenz des Stromflusses lässt sich das Magnetfeld bewegen.

Testturm, Multi Quelle: PR

Der Testturm in Rottweil, wo der Multi erstmals unter realen Bedingungen laufen soll.

Bild: PR

In die Kabinen wiederum sind Permanentmagnete integriert, auf die die beweglichen Magnetfelder der Spulen wirken. Wenn sich das also Magnetfeld bewegt, bewegt sich auch die Kabine. Die Technik in den Kabinen wie Beleuchtung, Lüftung und Elektronik wird drahtlos mit Strom versorgt.

Trend zu höheren Hochhäusern soll ThyssenKrupp in die Karten spielen

Um ein möglichst niedriges Kabinengewicht zu erzielen – je leichter, desto weniger Strom verbraucht der Aufzug – setzt ThyssenKrupp auf einen Werkstoffmix aus Aluminium, Carbon und faserverstärkten Kunststoffen. Zudem gibt es ein Energierückgewinnungssystem: Beim Herunterfahren speisen die Kabinen Energie zurück ins Netz.

Für Gebäude ab 300 Metern Höhe lohne sich die aufwändige Technik, sagen die Ingenieure in Essen. Fahren kann der Multi auch in Schächten von mehr als 600 Metern Höhe. Die ThyssenKrupp-Leute setzen darauf, dass ihnen der Trend zu immer höheren Hochhäusern in die Karten spielt.

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Dass der Aufzug die hohen Erwartungen erfüllen kann, muss der Multi aber erst noch unter Beweis stellen. Sein prominenter Vorgänger, mit ähnlich großen Visionen verbunden, erlebte einen ziemlichen Realitätsschock. Aus sämtlichen in Deutschland angedachten Strecken – Berlin-Hamburg, im Ruhrgebiet („Metrorapid“), ein Shuttle zum Flughafen in München – wurde nichts.

Heute fährt der Transrapid weltweit nur auf einer einzigen Strecke im Regelbetrieb, in der chinesischen Metropole Shanghai. Trotz diverser technischer Übereinstimmungen zwischen Transrapid und Multi: Auf eine weitere Parallele beim Verkaufserfolg würden sie in Essen gerne verzichten.

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