ThyssenKrupp: Beitz tritt nicht zurück, sondern nach

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ThyssenKrupp: Beitz tritt nicht zurück, sondern nach

von Andreas Wildhagen

Berthold Beitz gerät im Debakel um ThyssenKrupp zunehmend selbst in die Kritik. Doch derzeit sehen die Strukturen keine Kontrolle des 99-Jährigen vor. Und der hat nicht vor, seine Macht einzuschränken. Eine Analyse.

Er macht also weiter: Berthold Beitz, 99, Chef der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, der Großaktionärin von ThyssenKrupp in Essen. Das kann er, das darf er. Die Satzung der Stiftung ist geheim, sie wird im Düsseldorfer Innenministerium aufbewahrt, Einsichten nicht erlaubt. Doch hat Alfried Krupp vor seinem Tod 1967 dem damaligen Krupp-Generalbevollmächtigten die lebenslange Stiftungsverwaltung übertragen. Beitz hat ein beneidenswert langes Leben, und niemand kann ihm seine Rolle als Chef des Krupp-Kuratoriums und damit nicht nur heimlichen, sondern auch ganz demonstrativen Herrscher des Stahl- und Technologiekonzerns zu Lebzeiten nehmen.

Es gibt da nun einmal keine Altersbegrenzung, ähnlich wie bei Ärzten, die noch bis ins hohe Alter frei praktizieren können. Autofahren darf Beitz auch noch, falls nicht eine Sehbehinderung, von der nichts bekannt ist, seine Fahrtüchtigkeit einschränkt. Menschen, Manager oder irgendwelche Mächte, wie Banken, Großinvestoren oder Gerhard Cromme selbst, sein Ziehsohn, können seine Abberufung nicht fordern, erbitten, nicht einmal vorschlagen oder anregen. Beitz nimmt so etwas krumm. Und deswegen lässt er über eine Woche nach der Demission von Gerhard Cromme aus den Ämtern Aufsichtsratsvorsitz und Stellvertretender Stiftungschef über seinen Biografen Joachim Käppner der Süddeutschen Zeitung mitteilen: "Ich mache weiter, so lange ich das kann und noch klar im Kopf bin".

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"Das Wohl der Firma geht vor"

Er ist klar im Kopf. Er lässt es bei dieser Mitteilung nicht bewenden, wie es sonst so häufig mit kurzen Sätzen so seine Art ist. Er nimmt sich rückblickend noch einmal Gerhard Cromme vor. Er fühle ich getäuscht. Ein hartes Wort in Richtung Cromme. "Immer wieder bin ich nachts aufgewacht und habe darüber nachgedacht. Aber es musste sein. Das Wohl der Firma geht vor." Was musste sein? Der Rücktritt von Cromme. Damit adressiert Beitz diesen als noble Geste inszenierten Rückzug des 70-jährigen Cromme als Rauswurf, so jedenfalls wirkte die Botschaft am Montagmorgen auf das Umfeld von ThyssenKrupp. Cromme und seine Leute hätten ihn "lange nicht informiert, wie schlecht die Lage des Konzerns wirklich ist", sagt er seinem Biografen.

So redete auch Cromme im vergangenen Jahr. Mit diesen Worten verabschiedete er den langjährigen, verantwortlichen Konzernchef Ekkehard Schulz, die Topmanager Edwin Eichler und Olaf Berlien. Sie alle hatten ihn "nur teilweise, zu optimistisch und teilweise falsch" informiert, stand in einem der Rechtsgutachten, die Cromme als Grund für die Rausschmisse und seinen eigenen Persilschein ansah. Nun wiederholt Beitz diesen Zaubersatz, und diesmal trifft es Cromme selbst.

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