ThyssenKrupp: Das Schwergewicht muss umgebaut werden

ThyssenKrupp: Das Schwergewicht muss umgebaut werden

von Andreas Wildhagen

Der Essener Konzern hat lauter Riesenbaustellen und meldet gleichzeitig fast eine Halbe Milliarde Euro Verlust. Das dürfte die Fusionsgerüchte mit Siemens weiter anfeuern.

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Weil die Kunden noch auf hohen Beständen sitzen wird das Stahlwerk in Duisburg-Bruckhausen nicht genügend ausgelastet.

Nach dem ersten Quartal sehen Konzernvorstände gewöhnlich schon etwas klarer für das Gesamtjahr, auf jeden trauen sie sich vorsichtige Prognosen für das erste Halbjahr zu. Nicht so Heinrich Hiesinger, Vorstandschef von ThyssenKrupp. Der Revier hat nach einem Verlust im vergangenen Geschäftsjahr 2011, das bis Ende September dauert, in Höhe von 1,8 Milliarden Euro erwirtschaftet.

Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2011/2012 nun muss Hiesinger einen überraschend schlechten Fehlbetrag in Höhe von 480 Millionen Euro eingestehen. Wenn das so weitergeht, steht der Revierkonzern mit seinen zwei Säulen Stahlproduktion und Technologie mit einem Verlust nahe an der Marke von 2 Milliarden Euro da.

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Der als Siegesmeldung herausposaunte Verkauf der Edelstahlsparte Innoxum wird erst Ende 2012 wirksam. Da kommt also keine finanzielle Erleichterung her. Das Bedrohliche am ThyssenKrupp-Szenario aber ist, dass nun auch der Flachstahl schwächelt.

Das große Stahlwerk mit 20 000 Stahlarbeitern in Duisburg-Bruckhausen wird nicht richtig ausgelastet, da die Kunden noch auf hohen Beständen sitzen. Diese Stagnation wird sich bald auch auf die Stahlpreise auswirken, sie werden zurückgehen und damit die Hoffnung des Konzerns auf irgendeine sprudelnde Gewinnquelle ein weiteres Mal minimieren.

Bildergalerie: Die Stärken und Schwächen von ThyssenKrupp

Einzig im Aufzugsgeschäft wird ThyssenKrupp etwas dazugewinnen, sagen Brancheninsider. Dass Hiesinger auch hier keine Prognose wagt, dämpft die Erwartungen, wenigsten mit Hilfe der Technologiesparte aus dem Tief zu kommen. Hiesinger und sein Aufsichtsratschef Gerhard Cromme werden den Konzern ein weiteres Mal umbauen müssen, vielleicht profitable Geschäfte in neue Partnerschaften einbringen, um auf diese Weise ein größeres Rad drehen zu können und die teilweise respektablen Gewinne in einzelnen Konzernsparten so zu maximieren, dass es nicht mehr zu einem Gesamtverlust des Konzerns kommt.

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Ein Konzern mit solchen Riesenbaustellen bei gleichzeitig zurückgehender Stahlnachfrage, der Achillesferse des Revierunternehmens, kommt leicht als denkbarer Fusionspartner ins Gerede. Das müssen Heinrich Hiesinger und Gerhard Cromme gerade am eigenen Leibe erfahren.

Auch wenn die Dementis, zumindest von Siemens hart klingen – ThyssenKrupp hält sich auffallend zurück - wird das Duo das Gewisper in Frankfurt, dem Einsatzort der Investmentbanker, nicht los, dass Siemens Appetit auf die Technologiesparte von ThyssenKrupp entwickeln könnte. Es wäre zum Vorteil des Revierunternehmens aus Essen, das kein Rezept mehr hat, die finanzielle Sackgasse anders als mit starker Hilfe zu verlassen.

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