ThyssenKrupp: Heinrich Hiesinger kämpft um ThyssenKrupp

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ThyssenKrupp: Heinrich Hiesinger kämpft um ThyssenKrupp

von Andreas Wildhagen

Der Vorstandschef stemmt sich gegen die Bürokratie im Konzern und versucht ein Finanzdesaster zu vermeiden.

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ThyssenKrupp-Chef Hiesinger und sein Finanzchef Guido Kerkhoff wollen das Silo ThyssenKrupp, wie es von vielen Managern intern spöttisch genannt wird, aus den Angeln heben und den Essener Schwerindustrie-Konzern entschlacken. Doppelfunktionen im Management, das oftmals wie eine behäbige Verwaltung daherkommt, will der Vorstand jetzt abschaffen, heißt es im Konzern. Bis zur Sommerpause wird sich der Vorstand Zeit lassen, den Totalumbau zu organisieren, sagen Konzernanager. Bis dahin wird jede einzelne Stelle neu beschrieben und jeder Mitarbeiter geprüft, ob er sich auf dem richtigen Posten befindet oder den Konzern verlassen muss.

Hoher Quartalsverlust Thyssen-Krupp streicht jeden fünften Verwaltungsjob

Das Sparziel für den angeschlagenen Thyssen-Krupp-Konzern wird nicht verschärft. Doch jetzt wird deutlicher, wo die zwei Milliarden Euro Einsparungen herkommen sollen. 3000 Jobs in der Verwaltung fallen weg.

Thyssen-Krupp-Zentrale in Essen: Vor allem in der Verwaltung will das Unternehmen Stellen abbauen. Quelle: dpa

So stehen 3.000 Jobs in den Verwaltungs- und Dienstleistungsbereichen des Konzerns weltweit auf der Kippe, die Hälfte davon soll in Deutschland abgebaut werden. Insgesamt beschäftigt der Konzern 15 000 Menschen in Verwaltungsfunktionen. Im Konzern heißt es, in der Zentrale am Krupp-Gürtel in Essen sollen von 800 Mitarbeitern 200 gehen. Hiesingers Vorgänger Ekkehard Schulz hatte viele Manager aus den Konzerntöchtern Automotive, Aufzüge und Anlagenbau in die Zentrale geholt, um mehr operatives Wissen in die Entscheidungszentrale zu verlagern. Das hat zu einer Aufblähung des Hauptquartiers geführt, viele Funktionen sind doppelt angelegt oder überschneiden sich.

Es sieht nicht gut aus bei ThyssenKrupp, auch nach dem zweiten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres (30. September). Jetzt schon hat sich ein Fehlbetrag von 822 Millionen Euro aufgebaut. Es musste eine weitere neue Abschreibung der verlustreichen neuen Stahlwerke in Brasilien und Alabama (USA) in Höhe von 683 Millionen Euro vorgenommen werden. Die Eigenkapitalquote beträgt magere 9,5 Prozent. Allerdings sieht sich der Konzern solide finanziert, da er über liquide Mittel und Kreditlinien in Höhe von 8 Milliarden Euro verfügt, wird versichert. Zeit für eine Kapitalerhöhung?

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Diese wird im Konzern schon lange nicht mehr hart dementiert. Die Frage ist nur, wie das Unternehmen, das in vielen Teilen gesund ist (Aufzugsgeschäft, Anlagenbau) vor fremden Angreifern geschützt wird, wenn die Krupp-Stiftung, die bisher 25,3 Prozent am Unternehmen hält, keine Sperrminorität mehr besitzt. Die Stiftung hat kein Geld, um eine Kapitalerhöhung mitzumachen. Ob sie sich dann nach neuen Verbündeten umsieht, zum Beispiel die benachbarte Ruhrkohle-Stiftung, steht in den Sternen.

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