ThyssenKrupp: Hiesingers Etappensieg

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ThyssenKrupp: Hiesingers Etappensieg

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Heinrich Hiesinger, CEO der ThyssenKrupp AG

von Florian Zerfaß

ThyssenKrupp legt gute Quartalszahlen vor, Konzernchef Heinrich Hiesinger kommt mit seinem Konsolidierungskurs voran. Doch der Erfolg steht weiterhin auf tönernen Füßen.

Guido Kerkhoff kann reden wie ein Maschinengewehr, und an diesem Freitag war ihm das ein besonderes Vergnügen. Der Finanzvorstand von ThyssenKrupp feuerte in seinem rund fünfminütigen Statement zu den Quartalszahlen nur so mit Zahlen um sich, die meisten davon schwarz, keinesfalls Normalzustand beim Essener Stahlriesen. Kerkhoffs Botschaft: „Wir haben unsere operativen Zwischenziele erreicht und liegen voll im Rahmen unserer Jahresprognose.“

Ein bereinigtes operatives Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von mindestens 1,5 Milliarden Euro hat Hiesinger für das Geschäftsjahr 2014/15 vorgegeben, im ersten Quartal (Oktober bis Dezember 2014) schaffte ThyssenKrupp 317 Millionen. Eine Steigerung um satte 29 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal (245 Millionen) Für Kerkhoff ein guter Auftakt, schließlich seien die Winterquartale nicht die stärksten. Vor allen Dingen aber zeigen die Spartenergebnisse, dass Hiesinger und seine Mannschaft mit ihrem Sanierungskurs vorankommen.

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Stahl ohne Verluste, Aufzüge glänzen

Die größten Sorgenkinder und Verlustbringer der jüngeren Vergangenheit, Stahl Europa und Stahl Amerika, schafften operativ schwarze Zahlen, Amerika erreichte genau die schwarze Null, Europa sogar mit 79 Millionen Euro einen kleinen Gewinn. Das bringt Hiesinger einerseits gute Argumente für seine Verbundstrategie – bei der Hauptversammlung vor zwei Wochen hatte er wiederholt darauf hingewiesen, den Stahlbereich nicht abspalten zu wollen, wie es manche Investoren offenbar gerne hätten

ThyssenKrupp in Zahlen

  • Umsatz

    2013/2014: 41,3 Milliarden Euro

    2012/2013: 39,8 Milliarden Euro

    Quelle: Geschäftsberichte

  • Bereinigtes Ebit

    2013/2014: 1,333 Milliarden Euro

    2012/2013: 0,517 Milliarden Euro

  • Bereinigte Ebit-Marge

    2013/2014: 3,2 Prozent

    2012/2013: 1,3 Prozent

  • Jahresüberschuss

    2013/2014: 0,195 Milliarden Euro

    2012/2013: -1,576 Milliarden Euro

  • Free Cahsflow vor Verkäufen

    2013/2014: -0,254 Milliarden Euro

    2012/2013: -0,625 Milliarden Euro

  • Dividende

    2013/2014: 0,11 Euro je Aktie

    2012/2013: 0,00 Euro je Aktie

    Vorschlag an die Hauptversammlung

  • Netto-Finanzschulden

    2013/2014: 3,488 Milliarden Euro

    2012/2013: 5,038 Milliarden Euro

  • Eigenkapital

    2013/2014: 3,199 Milliarden Euro

    2012/2013: 2,512 Milliarden Euro

Andererseits ist die Arbeit mit einem ausgeglichenen oder leicht positiven operativen Ergebnis nicht getan, denn mit Zinskosten ist das Ergebnis negativ. Hiesinger hatte bei der Hauptversammlung vorgegeben, dass der Stahlbereich mindestens seine Kapitalkosten verdienen soll. Dazu muss das Ergebnis insbesondere in den USA noch weiter verbessert werden.

Leistungsträger im Konzern bleibt die Aufzugssparte, die mit 178 Millionen Euro (Vorjahresquartal: 156 Millionen Euro) den größten Teil zum operativen Ergebnis beisteuerte. Damit verbesserte sie sich, wie Kerkhoff nicht ohne Stolz betonte, im neunten Quartal hintereinander. Weitgehend unverändert blieben Anlagenbau (92 Millionen Euro bereinigtes Ebitda nach 91 Millionen im Vorjahresquartal) und das Komponentengeschäft (67 Millionen/zuvor 63). Einen Dämpfer gab es im Bereich Werkstoffhandel/Logistik, wo das bereinigte EBIT von 34 auf 2 Millionen Euro zurückging.

Erfolg auf tönernen Füßen

Mit einem Nettogewinn von 50 Millionen Euro blieb auch unter dem Strich ein Gewinn hängen, nachdem im Vorjahresquartal noch 65 Millionen Euro Verlust zu Buche gestanden hatten. Doch so positiv die Entwicklungen auch sind, der Erfolg steht weiterhin auf tönernen Füßen. Der freie Cashflow vor Desinvestitionen verschlechterte sich von -209 Millionen Euro im ersten Quartal 2013/14 auf -651 Millionen Euro im ersten Quartal 2014/15. ThyssenKrupp gibt also nach wie vor mehr Geld aus, als der Konzern einnimmt.

Kerkhoff führt das weitgehend auf einmalige Sondereffekte zurück, die alleine rund 500 Millionen Euro zum negativen Cashflow beigetragen hätten. Ein Hochofen in Duisburg etwa habe nach Reparatur erst verspätet wieder angefahren werden können, auch in einem Komponentenwerk in den USA war eine längere Reparaturpause nötig, weshalb in erheblichem Umfang Komponenten vorgefertigt werden mussten, um die Produktionspause überbrücken zu können. Zudem musste in Brasilien ein Konverter repariert werden, die Edelstahltochter VDM bei einem Großauftrag in Vorleistung treten, die Tochter AST einen Streik verkraften.

Aufaddiert ergebe sich „leider das recht schlechte Ergebnis“ für das erste Quartal, so Kerkhoff, welches allerdings „nicht überraschend“ gekommen sei. Für die anstehenden Quartale stellte er weitere Ergebnisverbesserungen in Aussicht.

Pensionsrückstellungen belasten

Belastend war allerdings nicht nur der negative Cashflow. Auch die wegen der niedrigen Zinsen gestiegenen Pensionsrückstellungen drücken auf die Bilanz. Das ohnehin nicht üppige Eigenkapital des Konzerns sank im Ergebnis von 3,266 auf 2,907 Milliarden Euro. Das Gearing, also das Verhältnis von Eigenkapital zu Nettofinanzschulden, verschlechterte sich von rund 115 auf 145 Prozent.

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Eine weitere Kapitalerhöhung schloss Kerkhoff allerdings aus, auch für den Verkauf von Töchtern zur Stärkung des Eigenkapitals bestehe aktuell kein Druck. Die Lage sei eine andere als vor zwei Jahren, als der Konzern tief im Schlamassel steckte. Die Edelstahltöchter VDM und AST, das ist schon länger bekannt, wäre ThyssenKrupp bereit abzugeben, allerdings nur bei passendem Angebot – ein solches liegt bisher allerdings nicht auf dem Tisch.

Einen Etappensieg haben Hiesinger und ThyssenKrupp mit den positiven operativen Zahlen also geschafft. Doch an den Worten des Vorstandschefs vor zwei Wochen auf der Hauptversammlung hat sich ansonsten noch nicht viel geändert. „Wenn Sie uns fragen, ‚Ist die Wende gelungen?‘, dann sagen wir eindeutig: Nein, das ist sie nicht“, betonte Hiesinger da. „Wir sind also noch nicht über den Berg, und deshalb werden wir in unseren Programmen und Anstrengungen auch nicht nachlassen.“  Es gibt noch reichlich zu tun.

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