ThyssenKrupp: Was wusste Peer Steinbrück?

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ThyssenKrupp: Was wusste Peer Steinbrück?

von Andreas Wildhagen

Der SPD-Politiker saß seit Anfang 2010 im Aufsichtsrat von ThyssenKrupp. Auch bei der WestLB gehörte er einem wichtigen Gremium an. Doch nachher wollte er vom Desaster bei der Landesbank nichts gewusst haben.

Er gilt als Schnellredner, Schnelldenker und Analytiker von Rang: Aber das Milliardendesaster der neugebauten Stahlwerke von ThyssenKrupp in Brasilien und Alabama (USA) hat auch er nicht verhindern können. Das sagen ThyssenKrupp-Manager, kurz nachdem bekannt wurde, dass Steinbrück wegen seiner Kanzlerkandidatur aus dem Aufsichtsrat des Stahlriesen von der Ruhr ausscheidet und durch einen unbekannten früheren Krupp-Manager aus der Krupp-Stiftung ersetzt wird.

Beiräten, Kuratorien und Aufsichtsräten von Dax-Konzernen gehören auch Politiker an, die dort mehr oder weniger eine repräsentative Funktion erfüllen. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) zum Beispiel gehört dazu, sie ist zwar Mitglied des Kuratoriums des mächtigsten ThyssenKrupp-Aktionärs Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung, hat aber dort neben dem Stiftungschef Berthold Beitz, 99, wenig zu sagen. Es wird lediglich über Fördergelder für Kunst und Kultur gesprochen, Beitz duldet keine Redebeiträge oder Fragen, sagt ein Stiftungsinsider.

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Aus der ThyssenKrupp-Bilanz 2011/2012

  • Auftragseingang

    2010/2011: 50,2 Milliarden Euro

    2011/2012: 48,7 Milliarden Euro. Das entspricht einem Minus von drei Prozent.

  • Umsatz

    2010/2011: 49 Milliarden Euro

    2011/2012: 47 Milliarden Euro. Das entspricht eine Minus von vier Prozent.

  • Jahresüberschuss/ Fehlbetrag

    2010/2011: - 1,3 Milliarden Euro

    2011/2012: - 4,7 Milliarden Euro

  • Eigenkapital

    2010/2011: 10,4 Milliarden Euro

    2011/2012: 4,5 Milliarden Euro. Damit hat ThyssenKrupp sein Eigenkapital mehr als halbiert ( - 56 Prozent)

  • Nettofinanzschulden

    2010/2011: 3,6 Milliarden Euro

    2011/2012: 5,8 Milliarden Euro. Die Nettofinanzschulden sind damit gegenüber dem Vorjahr um mehr als 60 Prozent gestiegen.

  • Dividende je Aktie

    2010/2011: 0,45 Euro

    2011/2012: keine Dividende

  • Mitarbeiter

    Zum Stichtag am 30. September 2012 beschäftigte ThyssenKrupp 167.961 Mitarbeiter. Das sind mehr als 12.000 weniger als im Vorjahr.

Peer Steinbrück aber war nicht so ein Mithörer, der mehr oder weniger zur Zierde dem Gremien angehört. Steinbrück zählte zu dem inneren Machtzirkel des ThyssenKrupp-Aufsichtsrates, dort wo Milliardeninvestitionen von der Größe und strategischen Bedeutung von Brasilien und Alabama eingehend besprochen und überprüft wurden. Der frühere SPD-Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen und Bundeswirtschaftsminister war von Anfang 2010 bis jetzt Mitglied des „Strategie, Finanz- und Investitionsausschuss“ im ThyssenKrupp-Aufsichtsrat, dem obersten Gremium, dass über die Investition der beiden Stahlwerke in Übersee entschied und sich über die Kostenexplosion von drei auf zwölf Milliarden Euro unterrichten ließ.

Peer Steinbrück, 65, gelernter Volkswirt, saß in den vergangenen zwei Jahren in diesem Gremium, dem nur acht Mitglieder angehören, direkt neben ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme. Nun wird deutlich: Im Investitionsausschuss wurden Fehlinvestitionen beschlossen, die den Fortbestand des Konzerns in seiner jetzigen Form gefährden.

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