ThyssenKrupp: Wenn Langeweile ein Erfolg ist

KommentarThyssenKrupp: Wenn Langeweile ein Erfolg ist

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Die Jahreszahlen des Stahl- und Industriekonzerns fallen langweilig aus.

von Florian Zerfaß

Trotz einer sanften Erhöhung der Jahresprognose fallen die Halbjahreszahlen von ThyssenKrupp ziemlich langweilig aus. Und das ist eine gute Nachricht.

Wie inspirierend Langeweile sein kann, zeigt ThyssenKrupp an diesem Dienstag. Die Halbjahreszahlen fallen reichlich unspektakulär aus. Der Nettogewinn schrumpft ein wenig, die Jahresprognose heben die Essener dennoch ein bisschen an. An der Börse aber reichte das, um Fantasie zu wecken: Mit einem Plus von gut drei Prozent (Stand: 12:30 Uhr) und einem Anstieg auf rund 25,60 Euro war ThyssenKrupp der Gewinner des Vormittags. Während der Leitindex Dax 2,20 Prozent einbüßte, war ThyssenKrupp sogar gegen den Trend der einzige Titel, der am Vormittag überhaupt zulegen konnte.

Offensichtlich erkennen Investoren an, dass Langeweile für ThyssenKrupp ein Erfolg ist. Beim Amtsantritt von Vorstandschef Heinrich Hiesinger 2011 steckte der Konzern noch in existenziellen Schwierigkeiten. Die Halbjahreszahlen zeigen nun, dass die Stabilisierung dauerhaft geglückt ist, das Jahresergebnis 2013/14 war keine Eintagsfliege. Mit 195 Millionen Euro hatte ThyssenKrupp im abgelaufenen Geschäftsjahr erstmals wieder einen kleinen Gewinn eingefahren.

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Die Aktionärsstruktur von ThyssenKrupp

  • Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung

    Die Stiftung hält mit 23,03 Prozent den Großteil aller Aktien.

  • Cevian

    Der schwedische Finanzinvestor hält 15,08 Prozent der Aktien.

  • Rest

    51,89 Prozent der Aktien werden von internationalen institutionellen Anlegern gehalten.

  • Privatanleger

    Privatanleger halten zehn Prozent der ThyssenKrupp-Papiere.

Den will ThyssenKrupp 2014/15 sogar übertreffen, der Vorstand erwartet eine „deutliche Verbesserung“. Konkrete Zahlen nannte ThyssenKrupp aber nur für das – weit weniger aussagekräftige – bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBIT). Das war bisher mit 1,5 Milliarden Euro veranschlagt, nun soll es leicht steigen, auf 1,6 bis 1,7 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr wuchs es gegenüber dem Vorjahreshalbjahr um 31 Prozent auf 722 Millionen Euro.

Dass das bereinigte Ebit mit Vorsicht zu genießen ist, zeigt die Entwicklung des Nettoergebnisses. Mit 88 Millionen Euro gab es hier einen leichten Rücksetzer, im Vorjahreshalbjahr waren es 200 Millionen Euro. Die treibenden Kräfte dahinter waren aber hauptsächlich Bucheffekte.

Im Vorjahr hatten die sich positiv ausgewirkt, weil ThyssenKrupp mit dem Verkauf des US-Stahlwerks einen Buchgewinn erzielte, diesmal waren sie negativ, weil die Essener im Zuge des Verkaufs der Edelstahltochter VDM in den Büchern eine Wertberichtigung von 119 Millionen Euro vornehmen mussten.

Der VDM-Verkauf schlägt auch auf die Nettoverschuldung durch, die zwar um eine Milliarde Euro auf 4,6 Milliarden Euro stieg, allerdings zu einem Gutteil darin begründet liegt, dass der Kaufpreis für VDM noch nicht geflossen ist. In Branchenkreisen heißt es, er betrage gut eine halbe Milliarde Euro, ThyssenKrupp nennt keinen Kaufpreis.

Die deutlichste Bewegung gab es noch beim Umsatz, der im ersten Halbjahr um neun Prozent auf 21 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr anstieg. Der Umsatzeingang, ein Indikator für den künftigen Umsatz, veränderte sich kaum. Mit 20,5 Milliarden Euro lag er um zwei Prozent unter dem Vorjahresniveau von 20,8 Milliarden Euro.

Leistungsträger, auch daran hat man sich in Essen mittlerweile gewöhnen können, ist die Aufzugssparte. Sie steigerte ihren Umsatz gegenüber dem Vorjahreshalbjahr von 3,0 auf 3,4 Milliarden Euro, ein Plus von zwölf Prozent, und steuerte 346 Millionen Euro zum bereinigten Ebit bei (Vorjahr: 299 Millionen / plus 16 Prozent).

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Mit dem Verkauf von VDM jedenfalls hat Hiesinger eine weitere Sanierungsbaustelle geschlossen. Mit der anderen Edelstahltochter AST sowie dem Problem-Stahlwerk in Brasilien bleiben nur noch zwei Altlasten. Weitere positive Effekte verspricht sich ThyssenKrupp von seinem Effizienzprogramm „Impact“, das nun sogar im laufenden Jahr höhere Einsparungen als die bislang avisierten 850 Millionen Euro bringen soll.

Auch das soll dazu beitragen, dass trotz des kleinen Dämpfers beim Halbjahres-Nettoergebnis am Ende ein deutlich verbessertes Jahresergebnis zustande kommt. Das muss ThyssenKrupp im zweiten Halbjahr erst noch realisieren, doch bis dahin darf auch die Langeweile als Erfolg gelten.

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