Trend zur Aufspaltung: Größere Unternehmen sind nicht unbedingt besser

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Trend zur Aufspaltung: Größere Unternehmen sind nicht unbedingt besser

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Obwohl in diesem Jahr zahlreiche Abspaltungen die Schlagzeilen dominieren, haben sich 2013 deutlich mehr Unternehmen aufgespalten.

von Sebastian Schaal

Der IT-Riese HP spaltet sich in zwei Konzerne auf, eBay trennt sich von PayPal, Philips von seinem traditionsreichen Beleuchtungsgeschäft. Das Credo „Größer ist besser“ gilt nicht mehr.

„Wenn Sie versuchen, eine Sparte auszugliedern, ist das wirklich schwierig, weil man fast alles neu aufbauen muss.“

„Bis vor kurzem waren die Geschäfte nicht stark genug, heute sind sie es. Flinker und agiler zu werden, ist für uns der einzige Weg zum Erfolg.“

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Zwischen diesen beiden Aussagen von HP-Chefin Meg Whitman liegen etwa drei Jahre. Im Oktober 2011, rund einen Monat, nachdem Whitman den Chefposten von Léo Apotheker übernommen hatte, verwarf sie dessen Pläne, die PC-Sparte von Hewlett-Packard abzuspalten. Pläne, die sie zuvor mitgetragen hatte.

Am 6. Oktober 2014 verkündete sie den Strategiewechsel. Binnen eines Jahres will sich der einst größte PC-Verkäufer der Welt in zwei Unternehmen aufspalten: Hewlett-Packard Enterprises bündelt die erfolgreichen Dienstleistungs-Sparten Software, Services und Server. In der HP Inc. werden die kränkelnden Einheiten Drucker, Desktop-PCs und Laptops zusammengefasst. Hewlett-Packard Enterprises wird Meg Whitman selbst leiten, bei HP Inc. dem Verwaltungsrat – vergleichbar mit dem deutschen Aufsichtsrat – vorstehen.

Im Idealfall entstehen zwei erfolgreiche Unternehmen

Den Eindruck, dass HP – ähnlich wie die Finanzindustrie vor einigen Jahren – unprofitable Geschäftsteile in eine Art „Bad Bank“ abgeschoben hat, wollen Analysten aber nicht bestätigen. „Ich erwarte, dass Hewlett-Packard Enterprises viel schneller und aggressiver durchstarten wird“, sagt Holger Mueller, Vice President und Chefanalyst bei Constellation Research.

Begrifflichkeiten bei Unternehmenstrennungen

  • Aufspaltung

    Der bisherige Rechtsträger wird aufgelöst. Das Vermögen geht an mindestens zwei Rechtsträger über. Dies kann, wie zum Beispiel bei HP, auf zwei neu gegründete Rechtsträger übergehen (Aufspaltung zur Neugründung; § 123 Abs. 1 UmwG) oder auf andere bestehende Rechtsträger übertragen werden (Aufspaltung durch Aufnahme).

  • Abspaltung

    Lediglich ein oder mehrere Teile, die für sich eine abgrenzbare Einheit bilden, gehen auf bestehende oder neu zu gründende Rechtsträger über. Der der ursprüngliche Rechtsträger bleibt bestehen (§ 123 Abs. 2 UmwG). Ein Beispiel ist die Abspaltung der Spezialchemie-Sparte von Bayer im Jahr 2005, die seitdem als Lanxess eigenständig ist.

  • Ausgliederung

    Der alte Rechtsträger bleibt bestehen. Anders als bei der Abspaltung, erhalten aber nicht die Anteilseigner des übertragenden Rechtsträgers Anteile an dem übernehmenden oder neuen Rechtsträger - sondern dieser selbst (§ 123 Abs. 3 UmwG).

  • Equity Carve-out vs. Spin-off

    Bei einem Spin-off bekommen die bestehenden Aktionäre Aktien an der abspaltenden Tochter. Dessen gesamten Anteile werden an der Börse notiert. Beim Equity Carve-out wird hingegen nur eine Minderheit der Anteile der abzuspaltenden Tochter an die Börse gebracht. Der Vorteil für das Mutterunternehmen: Sie behält die Kontrolle, die Erträge aus dem Börsengang fließen in die eigene Tasche. Nachteil: Die Muttergesellschaft hat keine Kontrolle über die an der Börse gehandelten Aktien und deren Besitzverhältnisse. Zudem unterliegt das Tochterunternehmen den strengen Kontroll- und Veröffentlichungsvorschriften einer börsennotierten Gesellschaft.

Doch auch die HP Inc. könnte sich zum Positiven wenden: Sie könnte etwa ein hochpreisiges Top-Label werden. Insgesamt werde die neue Organisationsstruktur den Fokus und die Intensität beider Unternehmen stärken, so Muellers Fazit. Daran habe es der alten HP gemangelt.

Sollte sich das PC- und Druckergeschäft von HP Inc. in der Tat erholen, wäre für Christoph Schalast von der Frankfurt School of Finance & Management der zentrale Punkt für eine erfolgreiche Aufspaltung gegeben. „Durch die Spaltung sollten zwei Unternehmen entstehen, die sich auf unterschiedliche Geschäftsmodelle fokussieren und so beide Erfolg haben können“, sagt der Professor für Fusionen und Übernahmen. „Das ist meist besser als ein ungewolltes Anhängsel als einem großen Unternehmen zu sein.“

Anzahl angekündigter Spinoffs weltweit

  • 2004

    Anzahl: 139

    Wert: 32,4 Milliarden Euro

    Quelle: Institute of Mergers, Acquisitions and Alliances

  • 2005

    Anzahl: 156

    Wert: 93,2 Milliarden Euro

  • 2006

    Anzahl: 199

    Wert: 122,8 Milliarden Euro

  • 2007

    Anzahl: 256

    Wert: 217,9 Milliarden Euro

  • 2008

    Anzahl: 206

    Wert: 84,8 Milliarden Euro

  • 2009

    Anzahl: 205

    Wert: 19,9 Milliarden Euro

  • 2010

    Anzahl: 213

    Wert: 65,2 Milliarden Euro

  • 2011

    Anzahl: 264

    Wert: 131,1 Milliarden Euro

  • 2012

    Anzahl: 173

    Wert: 37,4 Milliarden Euro

  • 2013

    Anzahl: 198

    Wert: 41,7 Milliarden Euro

  • 2014

    Anzahl: 140

    Wert: 17,7 Milliarden Euro

    YTD = 1.1.-12.10.2014

    Quelle: Institute of Mergers, Acquisitions and Alliances

Damit liegt HP voll im Trend – denn in den vergangenen Wochen und Monaten haben einige Weltkonzerne entschieden, sich aufzuspalten.

  • Ebay hat angekündigt, seinen Online-Bezahldienst Paypal von dem Auktionsgeschäft zu trennen.
  • Der niederländische Philips-Konzern spaltet sein traditionsreiches Beleuchtungsgeschäft vom Rest des Unternehmens ab.
  • Der IT-Spezialist Symantec will seine auf Antiviren-Programme ausgerichtete Software-Sparte von dem Geschäft mit Speichermodulen trennen und in zwei Unternehmen weiterführen.

Diese Beispiele zeigen: Vom einstigen Credo „Bigger is better“ haben sich nicht nur US-Unternehmen längst verabschiedet. Aber warum? Und ist solch ein Schritt immer sinnvoll?

Zum Teil kommt die Motivation für die Aufspaltung von den Unternehmen selbst. Dies könne durchaus Sinn ergeben, sagt zum Beispiel Christopher Kummer, Präsident des Institute of Mergers, Acquisitions and Alliances (IMAA) in Wien. „So hat etwa Philip Morris sein US-Geschäft abgespalten, um die lokalen Risiken des amerikanischen Tabakmarkts mit extrem hohen Schadensersatzzahlungen vom Rest des Konzerns abzukoppeln.“

Entwicklung der Marktwerte der größten Spin-offs seit 2004

  • Morgan Stanley

    Unternehmenswert vor der Spaltung (2007): 82 Milliarden Dollar

    Abgespaltene Unternehmen: Morgan Stanley (69 Milliarden Dollar), Discover (30 Milliarden Dollar)

    Gesamtwert nach der Spaltung: 99 Milliarden Dollar

    Veränderung seit der Spaltung: 21 Prozent (S&P 500 im selben Zeitraum: 31 Prozent)

    Quelle: Wall Street Journal

  • Viacom

    Unternehmenswert vor der Spaltung (2006): 46 Milliarden Dollar

    Abgespaltene Unternehmen: Viacom (32 Milliarden Dollar), CBS (28 Milliarden Dollar), CBS Outdoor (3,6 Milliarden Dollar)

    Gesamtwert nach der Spaltung: 64 Milliarden Dollar

    Veränderung seit der Spaltung: 39 Prozent (S&P 500 im selben Zeitraum: 58 Prozent)

  • Conocophillips

    Unternehmenswert vor der Spaltung (2012): 91 Milliarden Dollar

    Abgespaltene Unternehmen: Conoco (92 Milliarden Dollar), Phillips 66 (43 Milliarden Dollar)

    Gesamtwert nach der Spaltung: 135 Milliarden Dollar

    Veränderung seit der Spaltung: 48 Prozent (S&P 500 im selben Zeitraum: 41 Prozent)

  • Abbott Labs

    Unternehmenswert vor der Spaltung (2013): 103 Milliarden Dollar

    Abgespaltene Unternehmen: AbbVie (93 Milliarden Dollar), Abbott Labs (63 Milliarden Dollar)

    Gesamtwert nach der Spaltung: 156 Milliarden Dollar

    Veränderung seit der Spaltung: 51 Prozent (S&P 500 im selben Zeitraum: 38 Prozent)

  • Altria

    Unternehmenswert vor der Spaltung (2007): 185 Milliarden Dollar

    Abgespaltene Unternehmen: Philip Morris International (132 Milliarden Dollar), Altria (92 Milliarden Dollar), Mondelez (58 Milliarden Dollar), Kraft Foods (33 Milliarden Dollar)

    Gesamtwert nach der Spaltung: 315 Milliarden Dollar

    Veränderung seit der Spaltung: 70 Prozent (S&P 500 im selben Zeitraum: 39 Prozent)

  • Time Warner

    Unternehmenswert vor der Spaltung (2009): 30 Milliarden Dollar

    Abgespaltene Unternehmen: Time Warner (64 Milliarden Dollar), Time Warner Cable (40 Milliarden Dollar), AOL (3,4 Milliarden Dollar), Time Inc. (2,5 Milliarden Dollar)

    Gesamtwert nach der Spaltung: 110 Milliarden Dollar

    Veränderung seit der Spaltung: 267 Prozent (S&P 500 im selben Zeitraum: 141 Prozent)

Symantec begründet seine Entscheidung unter anderem mit den unterschiedlichen und jeweils einzigartigen Marktchancen und Herausforderungen in der IT-Security- und Speicher-Branche. „Es ist klar geworden, dass beide Sparten unterschiedliche Strategien und fokussierte Investitionen benötigen“, sagte Unternehmenschef Michael Brown. „Symantec in zwei unabhängig börsennotierte Firmen aufzuspalten, wird beiden Geschäftszweigen die Flexibilität geben und den Wert für die Shareholder erhöhen.“

Theoretisch klingt das plausibel. Aber wie sieht es in der Praxis aus? Und welche Erfahrungen haben andere Unternehmen in der Vergangenheit gemacht?

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