Übernahme durch PSA: Woran der Opel-Deal jetzt hängt

Übernahme durch PSA: Woran der Opel-Deal jetzt hängt

, aktualisiert 22. Februar 2017, 14:29 Uhr
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Neues Aushängeschild: Der Opel Insignia Grand Sport wird seine Weltpremiere auf dem Genfer Automobilsalon im März 2017 feiern.

von Lukas Bay und Robert LandgrafQuelle:Handelsblatt Online

Die größten Hindernisse für die Opel-Übernahme sind aus dem Weg geschafft. Die Politik hofft, dass ein „deutsch-französischer Champion“ entsteht. Welche Hürden für eine Einigung noch genommen werden müssen.

Politik und Arbeitnehmervertreter wurden von der Nachricht, dass der französische Autokonzern PSA nach der deutschen GM-Tochter Opel greift, zunächst kalt erwischt. Entsprechend hektisch waren die ersten Reaktionen. Doch seit die ersten Gespräche geführt wurden, ist der offene Widerstand verschwunden. Die ersten Schockreaktionen der Beteiligten sind einer wohlwollenden Grundhaltung gewichen.
Die Politik, die anfangs noch leise Kritik an der Kommunikation von GM und PSA übte, gibt sich öffentlich mittlerweile restlos überzeugt. „Bin optimistisch“, twitterte die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) nach einem Besuch in Rüsselheim am Dienstag.

Und der Thüringische Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) kommentiert die mögliche Übernahme fast wortgleich wie die IG Metall. „Unter den genannten Voraussetzungen kann das Zusammengehen von PSA und Opel zu einer Win-Win-Situation für beide Seiten werden“, erklärte der Minister, in dessen Bundesland auch das Werk Eisenach liegt, dessen Zukunft nach einer Übernahme zumindest ungewiss scheint. Aus der deutschen Politik scheint dennoch kein Widerstand mehr zu erwarten.

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Und auch die Gewerkschaften ignorieren bisher die düsteren Szenarien der Autoexperten, die Opel vor einer harten Sanierung sehen. Der Gesamtbetriebsrat, der anfangs noch von einer „beispielslosen Verletzung sämtlicher Mitbestimmungsrechte“ sprach, gibt mittlerweile gar keine öffentlichen Statements mehr ab. Und wenn, dann sind es öffentliche Mitteilungen, die vor allem die Chancen, die dem Verkauf innewohnen, hervorheben. Die größten Hürden scheinen genommen. Wie man aus Verhandlungskreisen hört, soll der Deal schon vor dem Start des Genfer Autosalons Anfang März zum Abschluss gebracht werden. Zuletzt hieß es aus dem Konzernumfeld, dass schon nächste Woche eine Absichtserklärung, ein sogenannter „Letter of Intent“ von PSA bei GM eingehen könnte. Doch damit der Deal zum Erfolg wird, müssen noch etliche offene Fragen beantwortet werden:

Bleiben die Opel-Werke in Deutschland auch langfristig erhalten?
Das ist noch nicht sicher. Bisher geht PSA-Chef Carlos Tavares bei seinen Zusagen nicht über das hinaus, was schon Mutterkonzern General Motors den Opelanern zugesagt hatte. Die bisherigen Vereinbarungen sehen den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen bis 2018, sowie Investitionen und Standortsicherungen bis 2020 vor. Ob und wie danach hart saniert wird, ist unsicher. Eins ist sicher: Kommt der Sparhammer, dann erst nach den Parlamentswahlen in Frankreich und Deutschland.

Wie teuer wird Opel für PSA?
Die meisten Analysten rechnen mit einem Preis von zwei Milliarden Euro. Doch wie hoch der Preis genau ausfällt, hängt davon ab, welche Altlasten General Motors den Franzosen mit auf den Weg gibt. In den Büchern der Opelaner lagern noch milliardenschwere Pensionsverpflichtungen. In Finanzkreisen wird allerdings nicht damit gerechnet, dass diese Verpflichtungen ausgelagert werden. Vorstellbar sei, dass GM seiner Tochter Opel die nötigen Finanzmittel mit auf den Weg gibt, um künftige Lasten abzudecken. Das könnte am Ende auch den Preis spürbar drücken.

Wie finanziert PSA die Übernahme?
Es dürfte bei einem Abschluss des Deals zu einer Kapitalerhöhung bei PSA kommen. Die Chancen, die Aktien bei Investoren unterzubekommen seien gut, heißt es aus Finanzkreisen. Analysten predigen seit Jahren, dass der europäische Automarkt konsolidiert werden müsste. PSA und Opel könnten der Auftakt sein, hoffen die Börsianer. Die Kapitalerhöhung wäre auch deswegen wichtig, weil Autohersteller für die Autofinanzierung eine hohe Eigenkapitalquote benötigen.

Was wird aus Modellen, die gemeinsam mit GM entwickelt wurden?
Nach 88 gemeinsamen Jahren verbindet GM und Opel natürlich auch technisch eine Menge. Bestseller wie der Astra oder der Mokka stehen auf einer Plattform von General Motors, genauso wie das neue Flaggschiff Insignia. Es wird allerdings erwartet, dass sich der amerikanische Konzern hier kulant zeigt – und die Produktion weiterläuft. Welche Patente Opel mit zu den Franzosen nehmen darf, muss verhandelt werden. Bisher liegen sie in einer gemeinsamen Gesellschaft mit GM. Ohnehin werden mit dem Verkauf nicht sämtliche Verbindungen gekappt. Aus Verhandlungskreisen heißt es, dass etwa ein Jahr Übergangszeit eingeplant ist, in dem genau solche Modellfragen geklärt werden.


Opels Elektrostrategie scheint nach der Übernahme unwahrscheinlich

Wird Opel zur Elektromarke umgebaut?
Kurz nachdem die Verhandlungen über einen Verkauf bekannt wurden, berichtete das „Manager Magazin“ über Pläne, Opel komplett zur Elektromarke umzubauen, die ab 2030 keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr anbieten soll. Eine solche Strategie scheint nach der Übernahme unwahrscheinlich. Erstens, weil Opel damit ein nachhaltiger Verlustbringer für PSA werden würde. Niemand verdient bislang Geld mit Elektroautos. Das dürfte sich in den kommenden Jahren auch nicht ändern. Darüber hinaus wären massive Investitionen nötig. Denn zweitens besitzt Opel bislang noch zu wenig Elektrokompetenz. Das Elektroauto Ampera-E, das in diesem Jahr auf den Markt kommen soll, wurde maßgeblich in den USA entwickelt, ähnelt technisch dem Chevrolet Bolt. Und drittens würde wohl auch PSA nicht ausgerechnet die Deutschen mit viel Geld zur neuen Vorreitermarke der Elektromobilität ausbauen und dabei Peugeot und Citroën vernachlässigen. Wahrscheinlicher ist eine Elektrokooperation zwischen GM und PSA, die gemeinsam mit dem Opel-Verkauf in die Wege geleitet wird. Damit würde PSA-Chef Tavares immerhin Entwicklungskosten sparen. Und eventuell wäre GM sogar bereit, auf Lizenzgebühren zu verzichten.

Ist ein Gemeinschaftsunternehmen zukunftssicher?
Das hängt davon ab, ob es Opel und PSA gemeinsam gelingt, nachhaltig profitabel zu arbeiten und die nötigen Investitionen in die Zukunft zu tätigen. Wie es mit Opels Zukunftsprojekten wie dem Mobilitätsdienst Maven weitergeht, ist noch nicht geklärt. Hier war und ist die bisherige Mutter General Motors deutlich stärker aufgestellt als PSA. Doch auch die Franzosen haben zuletzt mehr und mehr in Start-ups investiert, die Technologie für den Wandel vom Autohersteller zum Mobilitätsdienstleister entwickeln. Fakt ist, dass Opel seine Rolle im neuen Konzern erst noch finden müsste. Um nachhaltig Gewinne zu erwirtschaften, müsste der Konzern auch über Europa hinaus wachsen, beispielsweise in China oder Nordamerika. Dabei hilft PSA-Investor Dongfeng. Doch eine Expansion in neue Märkte dauert gewöhnlich lang.

Kann der Deal noch scheitern?
Im Jahr 2009, als der Verkauf an den österreichischen Autozulieferer Magna kurz vor dem Abschluss stand, zog General Motors in letzter Minuten die Reißleine – und beschloss Opel selbst zu sanieren. Dass es dazu erneut kommt, ist unwahrscheinlich. Dafür haben sich die Verantwortlichen zu weit aus dem Fenster gelehnt. GM-Chefin Mary Barra will verkaufen, Tavares will kaufen. Da sollte ein Verkauf zustande kommen. Platzt der Deal entgegen aller Wahrscheinlichkeit, hieße das nichts Gutes für Opel. Denn dann müsste Barra ihren Verlustbringer in Europa anders auf Kurs bringen. Manch einer in Rüsselsheim ist deswegen gar nicht so unglücklich über den Verkauf an die Franzosen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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