Übernahme-Poker: EU genehmigt GE-Kauf von Alstom-Sparte

Übernahme-Poker: EU genehmigt GE-Kauf von Alstom-Sparte

, aktualisiert 08. September 2015, 16:17 Uhr
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Brüssel wird grünes Licht für die Übernahme der Alstom -Energiesparte durch General Electric (GE) geben.

Die EU-Kommission hat am Dienstag grünes Licht für die milliardenschwere Übernahme der Alstom-Energiesparte durch General Electric (GE) gegeben. Alstom will sich künftig auf die Transportsparte konzentrieren.

Die EU-Kommission hat die über zwölf Milliarden Euro schwere Übernahme der Energiesparte von Alstom durch General Electric (GE) unter Auflagen genehmigt. So müsse GE Alstoms Gasturbinen-Geschäft an Ansaldo Energia in Italien verkaufen, teilte die Brüsseler Behörde am Dienstag mit.

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte bereits Mitte August unter Berufung auf Insider berichtet, dass GE unter bestimmten Bedingungen grünes Licht aus Brüssel erhält.

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Das Tauziehen um Alstom

  • April

    Am 24. April wird bekannt, dass GE Alstom kaufen will. Der Schritt gilt als Frontalangriff auf Siemens. Am nächsten Tag rufen die Übernahmegerüchte die französische Regierung auf den Plan. Sie will einen Verkauf in die USA mit allen Mitteln verhindern. Am 27. April greift Siemens in den Übernahmepoker ein. Man habe der Alstom-Führung „Gesprächsbereitschaft über strategische Fragen zukünftiger Zusammenarbeit“ signalisiert. Am 28. April schaltet sich Frankreichs Präsident Hollande in das Tauziehen ein. Bei getrennten Treffen berät er mit den Chefs von Siemens und GE. Einen Tag später kündigt Siemens ein Angebot für Alstom an. Bedingung dafür: Siemens will die Alstom-Bücher vier Wochen lang prüfen und Managementinterviews führen. Am 30. April empfiehlt der Verwaltungsrat von Alstom den Aktionären eine bindende Offerte von GE. Dieser will für die Energietechnik-Sparte von Alstom 12,35 Milliarden Euro zahlen.

  • 7. bis 11. Mai

    Siemens-Chef Kaeser betont „ernsthaftes“ Interesse an Alstom. Zugleich sagt der Manager, er wolle mit dem Übernahmeplan auch die Handlungsfähigkeit der Siemens-Führung unter Beweis stellen. Einen Tag später lehnt Montebourg das GE-Angebot für Alstom öffentlich ab. Am 9. Mai berät Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) mit seinem Kollegen Montebourg über einen möglichen Alstom-Siemens-Deal. Am 11. Mai werden Medienberichte bekannt, laut denen Siemens Alstom neben der eigenen Bahnsparte auch das Geschäft mit Signaltechnik anbieten will.

  • 14. und 15. Mai

    Frankreichs Regierung sendet widersprüchliche Signale. Energieministerin Ségolène Royal bezeichnete das GE-Angebot in einem Interview als „sehr gute Gelegenheit“. Nach einem Treffen mit Kaeser teilt sie mit, das deutsche-französische Projekt komme gut voran. Einen Tag später erweitert Paris seine Eingriffsrechte bei internationalen Deals. Mittels Verordnung könne ohne die bei „nationalem Interesse“ nötige Zustimmung eine ungewünschte Alstom-Übernahme gekippt werden.

  • 18. Mai

    Der Siemens-Betriebsrat fordert für den Fall einer Alstom-Übernahme erneut den Erhalt der Arbeitsplätze in der Bahnsparte des Konzerns, die dann an die Franzosen gehen soll.

  • 20. Mai

    Nach Angaben der französischen Regierung hat Siemens um zusätzliche Informationen über das Unternehmen gebeten. Paris wertet dies als Hinweis auf ein bevorstehendes Übernahmeangebot.

  • 24. und 28. Mai

    Hollande lässt erneut ein Treffen mit GE-Chef Jeff Immelt anberaumen. Der Präsident hatte das GE-Angebot zuletzt als nicht ausreichend bezeichnet. Am 28. Mai bessert GE das eigene Angebot nochmals etwas nach.

  • 30. Mai

    Kaeser betont nochmals, dass Siemens keinen Zeitdruck verspüre und bis zum 16. Juni alle Optionen prüfen werde.

  • 11. Juni

    Überraschend geben Siemens und der japanische Konkurrent Mitsubishi Heavy Industries (MHI) bekannt, ein gemeinsames Angebot für Alstom zu prüfen.

  • 16. Juni

    Siemens und MHI legen ihr Angebot für Alstom vor. MHI will sich mit bis zu zehn Prozent an Alstom beteiligen und eine umfassende industrielle Allianz, aber keine Übernahme. Das Gasturbinen-Geschäft der Franzosen soll an Siemens gehen. Insgesamt beinhaltet die Offerte Barzahlungen von Siemens über 3,9 Milliarden Euro und von MHI über 3,1 Milliarden Euro.

Die EU-Kommission knüpfte den Deal an die Auflagen, weil durch die Übernahme mit GE und Siemens nur noch zwei große Konkurrenten auf dem europäischen Gasturbinen-Markt verbleiben. Damit könnten die Preise steigen. Bei den Sparten, die nun von Alstom an Ansaldo gehen, handelt es sich um Bereiche von der Entwicklung bis zu Produktion und Wartung von Gasturbinen.

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"Die Veräußerung der Alstom-Schlüsseltechnologie zur Herstellung von Hochleistungs-Gasturbinen an Ansaldo sorgt dafür, dass Unternehmen und Verbraucher in Europa weiterhin von dieser innovativen Technologie und dem Know-how profitieren können", sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager in Straßburg mit Verweis auf den Klimawandel und die Modernisierung der Energieversorgung.

Auch Siemens hatte sich um den französischen Rivalen bemüht, gegen GE aber den Kürzeren gezogen.

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