Übernahme-Poker mit GE: Siemens erleidet Rückschlag im Kampf um Alstom

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Übernahme-Poker mit GE: Siemens erleidet Rückschlag im Kampf um Alstom

, aktualisiert 30. April 2014, 11:32 Uhr

Siemens' US-Rivale General Electric hat ein hohes Gebot für die Energietechnik-Sparte von Alstom abgegeben: mehr als 12 Milliarden Euro will GE zahlen. Ist das schon die Entscheidung im Übernahme-Poker?

Bei dem Übernahmepoker um Alstom zeichnet sich eine Niederlage für Siemens ab: Der französische Industriekonzern hat vom US-Konkurrenten General Electric (GE) ein Übernahmeangebot über 12,35 Milliarden Euro für seine Energietechniksparte erhalten. Die Bahntechnik-Sparte wäre davon nicht betroffen. Das Angebot werde bis Ende Mai von unabhängigen Mitgliedern des Verwaltungsrates geprüft, hieß es vonseiten Alstoms am Mittwochmorgen. Allerdings empfahl der Alstom-Verwaltungsrat den Aktionären bereits die GE-Offerte.

Die strategischen und industriellen Vorzüge des GE-Angebotes seien vom Verwaltungsrat einstimmig anerkannt worden, teilte Alstom mit. Vorstandschef Patrick Kron kommentierte: „Die Kombination der sich in hohem Maße ergänzenden Energie-Geschäfte von Alstom und GE würde eine wettbewerbsfähigere Einheit schaffen, die Kundenbedürfnisse besser bedienen kann.“

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Das Tauziehen um Alstom

  • April

    Am 24. April wird bekannt, dass GE Alstom kaufen will. Der Schritt gilt als Frontalangriff auf Siemens. Am nächsten Tag rufen die Übernahmegerüchte die französische Regierung auf den Plan. Sie will einen Verkauf in die USA mit allen Mitteln verhindern. Am 27. April greift Siemens in den Übernahmepoker ein. Man habe der Alstom-Führung „Gesprächsbereitschaft über strategische Fragen zukünftiger Zusammenarbeit“ signalisiert. Am 28. April schaltet sich Frankreichs Präsident Hollande in das Tauziehen ein. Bei getrennten Treffen berät er mit den Chefs von Siemens und GE. Einen Tag später kündigt Siemens ein Angebot für Alstom an. Bedingung dafür: Siemens will die Alstom-Bücher vier Wochen lang prüfen und Managementinterviews führen. Am 30. April empfiehlt der Verwaltungsrat von Alstom den Aktionären eine bindende Offerte von GE. Dieser will für die Energietechnik-Sparte von Alstom 12,35 Milliarden Euro zahlen.

  • 7. bis 11. Mai

    Siemens-Chef Kaeser betont „ernsthaftes“ Interesse an Alstom. Zugleich sagt der Manager, er wolle mit dem Übernahmeplan auch die Handlungsfähigkeit der Siemens-Führung unter Beweis stellen. Einen Tag später lehnt Montebourg das GE-Angebot für Alstom öffentlich ab. Am 9. Mai berät Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) mit seinem Kollegen Montebourg über einen möglichen Alstom-Siemens-Deal. Am 11. Mai werden Medienberichte bekannt, laut denen Siemens Alstom neben der eigenen Bahnsparte auch das Geschäft mit Signaltechnik anbieten will.

  • 14. und 15. Mai

    Frankreichs Regierung sendet widersprüchliche Signale. Energieministerin Ségolène Royal bezeichnete das GE-Angebot in einem Interview als „sehr gute Gelegenheit“. Nach einem Treffen mit Kaeser teilt sie mit, das deutsche-französische Projekt komme gut voran. Einen Tag später erweitert Paris seine Eingriffsrechte bei internationalen Deals. Mittels Verordnung könne ohne die bei „nationalem Interesse“ nötige Zustimmung eine ungewünschte Alstom-Übernahme gekippt werden.

  • 18. Mai

    Der Siemens-Betriebsrat fordert für den Fall einer Alstom-Übernahme erneut den Erhalt der Arbeitsplätze in der Bahnsparte des Konzerns, die dann an die Franzosen gehen soll.

  • 20. Mai

    Nach Angaben der französischen Regierung hat Siemens um zusätzliche Informationen über das Unternehmen gebeten. Paris wertet dies als Hinweis auf ein bevorstehendes Übernahmeangebot.

  • 24. und 28. Mai

    Hollande lässt erneut ein Treffen mit GE-Chef Jeff Immelt anberaumen. Der Präsident hatte das GE-Angebot zuletzt als nicht ausreichend bezeichnet. Am 28. Mai bessert GE das eigene Angebot nochmals etwas nach.

  • 30. Mai

    Kaeser betont nochmals, dass Siemens keinen Zeitdruck verspüre und bis zum 16. Juni alle Optionen prüfen werde.

  • 11. Juni

    Überraschend geben Siemens und der japanische Konkurrent Mitsubishi Heavy Industries (MHI) bekannt, ein gemeinsames Angebot für Alstom zu prüfen.

  • 16. Juni

    Siemens und MHI legen ihr Angebot für Alstom vor. MHI will sich mit bis zu zehn Prozent an Alstom beteiligen und eine umfassende industrielle Allianz, aber keine Übernahme. Das Gasturbinen-Geschäft der Franzosen soll an Siemens gehen. Insgesamt beinhaltet die Offerte Barzahlungen von Siemens über 3,9 Milliarden Euro und von MHI über 3,1 Milliarden Euro.

Zuvor hatte es bereits Insider-Berichte gegeben, dass Alstom das Kaufangebot von General Electric für seine Energiesparte akzeptiert habe. Die französische Tageszeitung "Le Figaro" berichtete etwa, dass es ein einstimmiges Votum für das GE-Angebot gegeben habe. Das Blatt bezifferte den Kaufpreis für Alstoms Energietechniksparte deutlich niedriger auf etwa zehn Milliarden Euro. Auch das "Wall Street Journal" berichtete über die Zuneigung Alstoms zur GE-Offerte. Das Blatt beziffert das Angebot von General Electric noch geringer auf etwa 8,7 Milliarden Euro.

Der deutsche Rivale Siemens soll noch die Gelegenheit bekommen, ebenfalls ein konkretes Angebot abzugeben, teilte Alstom am Mittwochmorgen in Paris nach einer Sitzung des Verwaltungsrates mit lediglich drei Sätzen am Rande mit. Siemens werde einen fairen Zugang zu Informationen bekommen, hieß es. Siemens bewertete die Energietechniksparte zuletzt mit 10,5 bis 11 Milliarden Euro. Der Elektrokonzern will sich zu dem Übernahmeangebot des US-Rivalen bislang nicht äußern, verlautete am Mittwoch von dem Unternehmen in München.

Ist Siemens' Angebot zu kompliziert?

Um noch zum Schuss zu kommen, muss Siemens wohl jede Menge Überzeugungsarbeit leisten. Denn das Angebot des deutschen Konzerns, seine komplette Transportsparte inklusive des ICE- und Metro-Baus an Alstom abzugeben, um im Gegenzug die Energiesparte kaufen zu können, ist den Franzosen laut „Figaro“ "zu kompliziert". Vor allem, weil es zu viele Überschneidungen in den Produktpaletten der Konzerne gibt. Siemens hatte am Dienstag ein eigenes Übernahmeangebot angekündigt, dies aber an die Bedingung geknüpft, vier Wochen lang Zugang zu Daten des französischen Unternehmens zu bekommen. Zudem müssten Managementinterviews geführt werden können, hieß es.

Mögliche Übernahme Die wichtigsten Fragen zu Siemens und Alstom

Siemens bietet fürs Alstoms Energiesparte und wird dafür wohl seine Zugsparte abgeben. Was steckt hinter den Überlegungen der deutsch-französischen Fusion? Wo lauern Gefahren, wo Chancen?

Hilfe von oben wird es nicht geben. Siemens-Chef Joe Kaeser sagt selbst: "Die Dinge, die nicht gut gelungen sind, müssen korrigiert werden. Nicht durch reden, sondern durch harte Arbeit." Quelle: dpa

Die Finanzmarktaufsicht AMF hatte verlangt, dass sich Alstom am Mittwoch offiziell zum Übernahmepoker äußert. Die Pariser Börsenaufsicht hatte Alstom öffentlich aufgefordert, alle Optionen "in objektiver und professioneller Weise und auf der Basis klarer Kriterien" zu prüfen. Paris hatte die Behörde eingeschaltet, um eine Chancengleichheit der Angebote von Siemens und GE zu gewährleisten. Die Alstom-Aktie konnte am Mittwoch wieder gehandelt werden. Am 25. April waren die Aktien vom Handel ausgesetzt worden, nachdem sie nach Bekanntwerden erster Gerüchte über eine GE-Übernahme einen Kurssprung hingelegt hatten. Der Kurs der Alstom-Papiere legte am Vormittag um mehr als neun Prozent zu.

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