Übernahmen: Wie viel Angst vor China ist berechtigt?

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Übernahmen: Wie viel Angst vor China ist berechtigt?

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Chinas Übernahmeinteresse an deutschen Unternehmen steigt. Doch ist die Angst vor dem deutschen Ausverkauf begründet?

von Anke Henrich

Bislang haben die Chinesen weniger deutsche Firmen gekauft, als von vielen befürchtet. Doch die Gefahr – oder die Chance? - für die Zukunft steigt.

„Von einem Ausverkauf der deutschen Industrie an chinesische Unternehmen kann keine Rede sein.“ Das sagt der Münchener Unternehmensberater und Wirtschaftsprofessor Bernd Venohr. Er untersuchte das Transaktionsvolumen von 2002 bis 2012.

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Das Ergebnis seiner Studie: Es gab 50 Übernahmen und neun Beteiligungen. Der Schwerpunkt des chinesischen Interesses liege eindeutig im Bereich Maschinenbau und Automobilzulieferer, seit zwei Jahren kämen Anbieter für erneuerbare Energien hinzu. Die Übernahmen zielten vor allem auf den Erwerb von Technologie, Wissen, Marken und den Zugang zu entwickelten Märkten. Viele Käufer wollten aber auch das Standing im heimischen, chinesischen Markt verbessern.  

Deutsche Unternehmen in China

  • Bosch in China

    BSH-Waschmaschine aus Nanjing

    BSH (Bosch und Siemens) baut 50 Kilometer von Nanjing entfernt in Chuzhou eine neue Kältegerätefabrik. Produktionsstart ist 2013.
    Fabriken: 6, an drei Standorten (bisher)
    Marktanteil bei Kühlgeräten: 13,7 Prozent
    Mitarbeiter: 21.000

  • Bayer in China

    Produktion Shanghai

    Die Leverkusener wachsen auf dem inzwischen drittgrößten Pharmamarkt der Welt kontinuierlich. 3 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet der Konzern in der Volksrepublik. Bis 2015 soll der Umsatz sich verdoppeln.
    Fertigungsstätten: 12
    Mitarbeiter: 11.000

  • Siemens in China

    Energie in Waigaoqiao II

    Das von Siemens errichtete Kohlekraftwerk in Shanghai spart 2,1 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr ein.
    Umsatz: 6,4 Milliarden Euro
    Forschungszentren: 16
    Mitarbeiter: 43.000

  • Volkswagen in China

    Shanghai läuft und läuft

    VW ist mit knapp 50.000 Beschäftigten größter deutscher Arbeitgeber in China. Bis 2016 will der Konzern 14 Milliarden Euro in China investieren.
    Verkaufte Autos 2011: 2,26 Millionen
    Anteil am Automobilmarkt: 17 Prozent

Chinesen warten auf den richtigen Zeitpunkt

Die chinesischen Unternehmen sind geduldig. Viele nutzten den Zeitpunkt, in dem ihr deutsches Zielobjekt in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckte  – bekanntes Beispiel ist der  Betonpumpenhersteller Putzmeister. Das muss aber nicht zwangsläufig eine Knebelung für die betroffenen Unternehmen bedeuten.  Laut Venohr verfolgten die Käufer, meist chinesische Staatsunternehmen, in der Regel eine vorsichtige Integration und gaben den deutschen Managern  relativ freie Hand. Bei stark angeschlagenen oder insolventen Unternehmen aber sei dies anders.

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Prognosen gehen davon aus, dass das Übernahmeinteresse der Chinesen weiter steigen werde – bis hin zu einer Übernahmewelle. Staatspolitik und Staatssäckel machten es möglich.

Die China-Expertin Corinne Abele, die im staatlichen deutschen Auftrag Unternehmen vor Ort in China begleitete, warnt aber Mittelständler davor, sich einzig auf die Frage von Übernahmen zu fokussieren. „Das viel größere Thema als Übernahmen oder Beteiligungen wird in Zukunft sein, dass Chinas immer besser aufgestellte Unternehmen selbst Weltmarktführer werden.“  China sei auf dem Weg zum Forschungszentrum der Welt, so Abele. 143 000 Patenten seien dort im  vorigen Jahr angemeldet worden, davon nur noch die Hälfte von Ausländern. Tendenz bei denen: fallend.      

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