Übernahmepoker mit Potash: K+S will nicht übernommen werden

Übernahmepoker mit Potash: K+S will nicht übernommen werden

, aktualisiert 02. Juli 2015, 17:09 Uhr
Bild vergrößern

K+S wird nicht von Potash übernommen.

von Jürgen Salz

Der Kasseler Kali- und Salz-Produzent K+S lehnt einen Verkauf an die kanadische Potash ab. Der Preis von 41 Euro sei zu niedrig, es gebe keine Zusagen für die Arbeitsplätze, argumentieren Vorstand und Aufsichtsrat. Viele Investoren liebäugeln dennoch mit dem Verkauf ihrer Papiere.

In seiner Absage an Potash findet K+S-Chef Norbert Steiner klare Worte: Der Kaufpreis von 41 Euro je Aktie sei „ungenügend“. Das kanadische Legacy-Projekt – in der Provinz Saskatchewan will K+S in den nächsten Jahren größere Mengen Kali fördern – sei dabei ebenso wenig berücksichtigt wie die Perspektiven des Salzgeschäftes; auch eine Übernahmeprämie fehle.

Es geht Steiner jedoch nicht nur ums Geld. Der K+S-Chef deutet auch an, dass Potash Kapazitäten und Arbeitsplätze in Deutschland abbauen könnte. Eine Zusicherung von Potash habe es dazu nicht gegeben: „Trotz mehrfacher Nachfrage ist es zu dieser zentralen Frage seitens Potash bislang nur bei Gemeinplätzen geblieben“, sagt Steiner in einem Interview auf der K+S-Website. Ähnlich äußert sich Michael Vassiliadis, der Vorsitzende der Chemie-Gewerkschaft IG BCE und Vize-Aufsichtsratschef bei K+S: „Auf Basis der vorliegenden Informationen können wir die Potash-Offerte nicht positiv bewerten. Dies gilt insbesondere mit Blick auf die Zukunftsperspektiven der deutschen Standorte.“ In Deutschland beschäftigt K+S insgesamt 10.000 Mitarbeiter, davon 7000 rund um die Bergwerke in Hessen und Thüringen.

Anzeige
Neue Spekulationen zu Übernahmekandidat K+SVideo abspielen
Neue Spekulationen zu Übernahmekandidat K+S

Spannend wird, wie Potash nun reagiert. Geben die Kanadier klein bei oder wagen sie möglicherweise auch eine feindliche Übernahme? Denn viele Aktionäre von K+S scheinen durchaus bereit zu sein, ihre Papiere zu verkaufen. Der Kasseler Konzern befindet sich zu 100 Prozent im Streubesitz und kann nicht auf die Hilfe eines schützenden Großaktionärs bauen. Der Fondsmanager Harald Berres bezeichnete – vor der Ablehnung durch K+S – das Potash-Angebot gegenüber der WirtschaftsWoche als einen „Segen für die Aktionäre“.

Berres, der mit seinem GS&P Fonds Deutschland aktiv in viele große deutsche Aktien investiert ist, positionierte sich dabei klar: „ Ich bin zum Verkauf der K+S-Aktien bereit“, sagte Berres, „ein Preisaufschlag von 30 bis 40 Prozent auf den letzten Kurs, bevor die Potash-Offerte publik wurde, ist sehr ordentlich.“ Auch im Markt gebe es bei vielen Investoren die Tendenz, das Potash-Angebot anzunehmen.

K+S-Chef Steiner scheint sich indes auf einen ungebetenen Interessenten wie Potash gut vorbereitet zu haben. Steiner, der sich von der Investmentbank Goldman Sachs, den Anwälten von CMS Hasche Sigle und der Kommunikationsagentur Brunswick beraten lässt, nutzt dabei auch die Finten des Aktienrechts aus. „Bei K+S gibt es schon krasse Sonderregelungen“, sagte der auf Unternehmensübernahmen spezialisierte Rechtsanwalt Oliver Maaß der WirtschaftsWoche. „Der Konzern nutzt bei den sogenannten Change of Control-Klauseln, die bei einer Übernahme greifen, die ganze Breite des Arsenals“, so der Jurist von der Münchner Kanzlei Heisse Kursawe Eversheds.

K+S-Übernahme durch Potash Geschenk der Götter für Aktionäre

Rohstoffriese Potash will den Dax-Konzern K+S übernehmen. Die Strategie der Kanadier hat Hand und Fuß. Der Kalimarkt könnte den Deal jedoch unprofitabel machen. K+S-Aktionäre sollten die Chance nutzen.

 K+S AG Quelle: dpa

Unter anderem müsste ein Käufer des Kasseler Konzerns dessen Kredite und Anleihen sofort zurückzahlen; im konkreten Fall müsste Potash Milliardensummen umfinanzieren. Unter anderem hat K+S 2012 und 2013 Anleihen im Wert von mehr als einer Milliarde Euro aufgelegt. Zudem hatte sich Steiner auf der letzten Hauptversammlung am 12. Mai die Ausgabe von 19 Millionen neuen Aktien genehmigen lassen, mit der Möglichkeit zum Ausschluss des Bezugsrechts für Altaktionäre. Diese Aktien könnte K+S einem „Weißen Ritter“ anbieten, der ein konkurrierendes Übernahmeangebot macht.

Infrage käme der australisch-britische Rohstoffkonzern BHP Billiton, der sein Kaligeschäft erweitern möchte. „BHP ist als weißer Ritter für K+S durchaus denkbar“, sagte Heinz Müller, Analyst bei der DZ Bank, der WirtschaftsWoche. Außerdem erschwerte K+S die Abberufung von Aufsichtsratsmitgliedern: Sie können bei dem Konzern nur mit einer Hauptversammlungsmehrheit von 75 Prozent abberufen werden; üblich ist ansonsten eine Quote von 51 Prozent. Das würde es einem Käufer erschweren, eigene Vertreter in dem Gremium zu installieren.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%