Übernahmepoker: Wie K+S-Chef Steiner seine Abwehr organisiert

Übernahmepoker: Wie K+S-Chef Steiner seine Abwehr organisiert

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Die Hauptwerkstatt im Bergwerk des Bergbauunternehmen Kali und Salz (K+S AG) am Standort Sigmundshall in Wunstorf (Niedersachsen).

von Jürgen Salz

Der kanadische Kaliproduzent Potash arbeitet nach wie vor an einer Übernahme von K+S. Doch Chef Norbert Steiner kann sich auf wichtige Verbündete verlassen – Landespolitiker, Gewerkschafter und Wettbewerbshüter.

Anfang dieser Woche ging es für Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) abwärts: Gemeinsam mit dem K+S-Vorstandsvorsitzenden Norbert Steiner unternahm der Landes-Regierungschef eine Grubenfahrt ins Kaliwerk Sigmundshall bei Hannover. Unter Tage ließ sich erklären, wie K+S das Kalisalz fördert. Aber natürlich gab es dann auch noch ein anderes Thema. Steiner und Weil sprachen auch über die drohende Übernahme von K+S durch den kanadischen Potash-Konzern. Niedersachsen werde zusammen mit Hessen und der Bundesregierung sehen, wie man K+S zur Seite stehen könnte, erklärte der Ministerpräsident schließlich. Ähnlich äußerte sich der Regierungschef  von Sachsen-Anhalt, Reiner Haseloff (CDU): Sein Bundesland stehe zu K+S, ließ er wissen. „Die vielen tausend Arbeitsplätze der direkt und indirekt Beschäftigten in unserem Land müssen erhalten bleiben.“ Ministerpräsident Bodo Ramelow (Die Linke) aus Thüringen will sogar prüfen, ob eine Verschärfung des Umweltrechts eine Übernahme nicht erschweren könnte.

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Übernahmepoker mit Potash K+S will nicht übernommen werden

K+S lehnt einen Verkauf an Potash ab. Der Preis sei zu niedrig, es gebe keine Zusagen für die Arbeitsplätze, argumentieren Vorstand und Aufsichtsrat. Viele Investoren liebäugeln dennoch mit dem Verkauf ihrer Papiere.

K+S Quelle: dpa

Seit der Dax-Konzern aus Kassel in das Visier von Potash geraten ist, erhält Steiner reichlich Unterstützung von Landespolitikern. Die Bergwerke und Produktionsstätten des Dax-Konzerns liegen überwiegend in Hessen und Thüringen, aber auch in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt. Eine erste Offerte von 41 Euro je Aktie hatte Steiner vor gut zwei Wochen abgelehnt – der Preis sei zu niedrig, es gebe keine Zusagen für die  Arbeitsplätze: „K+S braucht Potash nicht.“ Hinter den Kulissen feilen die Kanadier nun möglicherweise an einem verbesserten Angebote und an Strategien, um die Aktionäre von K+S – das Unternehmen befindet sich zu 100 Prozent in Streubesitz – zu überzeugen. Doch K+S-Chef Steiner hat den Widerstand gut organisiert.

Nicht nur die Landespolitiker springen ihm bei, sondern auch hochrangige Gewerkschafter, die durch eine Potash-Übernahme womöglich Tausende Arbeitsplätze bedroht sehen. Michael Vassiliadis, Vize-Aufsichtsratschef bei K+S und Spitzenmann der Chemie-Gewerkschaft IG BCE sprang Steiner sofort zur Seite:“ Auf Basis der vorliegenden Informationen können wir die Potash-Offerte nicht positiv bewerten. Dies gilt insbesondere mit Blick auf die Zukunftsperspektiven der deutschen Standorte.“ Insgesamt beschäftigt K+S in Deutschland 10.000 Mitarbeiter, davon allein 7000 in Hessen und Thüringen. Für Potash mache eine Übernahme nur Sinn, wenn auch Arbeitsplätze abgebaut würden, heißt es in Kassel. Potash bestreitet das. Eine rechtliche Handhabe gegen eine Übernahme haben weder Politiker noch Gewerkschafter – letztere könnten aber mit Streiks und Arbeitskämpfen für einiges Aufsehen sorgen.

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Auch die Wettbewerbshüter in Europa und den USA könnten Steiner noch in die Karten spielen – und eine Übernahme erschweren. Zwar war Potash bislang noch kaum in Europa vertreten – umgekehrt ist das Engagement von K+S im nordamerikanischen Kalimarkt noch überschaubar. Doch unkompliziert wäre eine Übernahme dennoch nicht: Überschneidungen zwischen beiden Unternehmen gibt es etwa in Lateinamerika; beide Unternehmen zusammen würden zusammen ein Viertel des Weltmarktes beherrschen.

Ob das alles gegen eine Übernahme hilft, ist aber noch nicht ausgemacht. Denn Eigentümer von K+S sind die Aktionäre. Die K+S-Papiere sind breit gestreut, ein schützender Großaktionär fehlt. Die Aktionäre interessiert vor allem der Preis. Bei einem Preis von 41 Euro je Aktie – plus einem großzügigen Zuschlag – überlegen nun schon viele K+S-Eigentümer, ob sie nicht an die Kandier verkaufen sollen. Nachdem die Übernahme-Phantasie etwas verflogen ist, notiert der Kurs derzeit bei 37 Euro.

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