Ulrich Lehner: Die stille Macht am Rhein

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Ulrich Lehner: Die stille Macht am Rhein

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Ulrich Lehner: Der Ex-Henkel-Chef ist einer der mächtigsten Kontrolleure der deutschen Wirtschaft.

von Jürgen Berke, Mario Brück, Melanie Bergermann und Jürgen Salz

Der Ex-Henkel-Chef ist der Prototyp des neuen Aufsichtsrats: ein konsensorientierter Teamplayer. Bei der Telekom und ThyssenKrupp hat er damit Erfolg. Doch wenn es hart kommt, stößt der Kuschelkurs an seine Grenzen.

Ulrich Lehner sieht die 5000 Menschen nicht, die nur wenige Meter vor ihm im Dunkeln stehen. Alle Scheinwerfer sind auf ihn gerichtet. In diesen Sekunden gibt es für ihn nur eines, seinen Kontrabass. Ein letztes Mal rückt er seine große, rotbraune Hornbrille zurecht. Dann zupft er los, solo, den Jazz-Klassiker „Miss Jackie’s Delight“ des US-Saxofonisten Cannonball Adderly. Erst nach dem 64. Takt stoßen die übrigen Musiker hinzu, die Mitglieder der Jazz-Band „Wolf Doldinger & Best Friends“ .

Der Auftritt des 68-Jährigen am 12. Dezember 2013 geht als denkwürdiger Tag in die Geschichte der Deutschen Telekom ein. Der Bonner Konzern hatte zur Weihnachtsfeier geladen, Tausende waren an diesem Donnerstagabend in das riesige Foyer der ehemaligen T-Mobile-Zentrale am Bonner Landgrabenweg geströmt – auch und gerade, um Telekom-Chef René Obermann wenige Tage vor seinem Wechsel zum niederländischen Kabelnetzbetreiber Ziggo persönlich zu verabschieden.

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Das Netzwerk von Ulrich Lehner

  • Die Jazz-Band

    Wolf Doldinger (Coach/Managementberater)

    August-Wilhelm Scheer (Scheer Group)

  • Die Skatrunde

    Hans Michael Gaul (Ex-E.On-Vorstand)

    Sieghardt Rometsch (Ex-HSBC-Banker)

    Werner Wenning (Aufsichtsratschef E.On)

  • Die Chemie-Granden

    Werner Müller (Ex-Evonik-Chef, Chef der RAG-Stiftung)

    Jürgen Hambrecht (Ex-BASF-Chef)

    Karl-Ludwig Kley (Merck-Chef)

    Werner Wenning (Aufsichtsratschef E.On)

  • Die Henkel-Connection (Gesellschafterausschuss)

    Paul Achleitner (Aufsichtsratschef Deutsche Bank)

    Norbert Reithofer (Vorstandschef BMW)

    Simone Bagel-Trah (Clan-Chefin)

    Werner Wenning (Aufsichtsratschef E.On)

    Christoph Henkel (Erbe und Unternehmer)

  • Die Similauner-Seilschaft

    Herbert Henzler (Ex-McKinsey-Chef)

    Hubert Burda (Burda-Verlag)

    Wolfgang Reitzle (Ex-Linde-Chef)

    Kasper Rorstedt (Henkel-Chef)

    Herbert Hainer (Adidas-Chef)

    René Obermann (Ex-Telekom-Chef)

    Klaus Zumwinkel (Ex-Chef Deutsche Post)

    Jürgen Hambrecht (Ex-BASF-Chef)

    Reinhold Messner (Bergsteiger)

    Jürgen Weber (Aufsichtsratschef Lufthansa)

  • Die Connaisseure

    Hans-Joachim Körber (Ex-Metro-Chef)

    Bernhard Schadeberg (Krombacher-Inhaber)

    August Oetker (Oetker)

    Ernst Tanner (Lindt&Sprüngli-Chef)

  • Die Aufsichtsratsfreunde

    René Obermann (Ex-Telekom-Chef)

    Wulf Bernotat (Ex-E.On-Chef)

    Carsten Spohr (Lufthansa-Chef)

    Lothar Steinebach (Ex-Finanzvorstand Henkel)

Doch zum Star des Abends wurde nicht der scheidende Konzernlenker, sondern Lehner, sein Kontrolleur. Der mächtige Aufsichtsratschef der Telekom hatte wenige Minuten vor seinem Auftritt sämtliche Vorbereitungen durchkreuzt, seine vorbereitete Laudatio auf Obermann weggelegt und zum Kontrabass gegriffen.

Der Star des Abends

Typisch Lehner: Den Takt vorgeben, dazu den Rhythmus und die Melodie, nicht laut, aber eindeutig und bestimmt, ruhig mehrmals, damit es jeder hört, und dann, wenn der Beat steht, die Mannschaft mitnehmen, damit die ein furioses Stück abliefert.

Der mächtigste und mit rund 2,2 Millionen Euro pro Jahr höchstdotierte Aufsichtsrat Deutschlands, der die Kontrollgremien von Deutscher Telekom und ThyssenKrupp leitet, dem Gesellschafterausschuss von Henkel angehört und noch Mandate beim Energieriesen E.On und Sportwagenbauer Porsche hat, verkörpert den Prototyp eines neuen Aufsichtsstils.

Lehner gilt als der Gegenentwurf zu den unnahbaren Herrschern wie einst Gerhard Cromme bei ThyssenKrupp oder Heinrich v. Pierer bei Siemens. Stattdessen gibt der Hobbymusiker den großen Dirigenten, der zuhört, argumentiert, diskutiert und den Konsens will. Große Investmentfonds und Vertreter von Kleinaktionären, Gewerkschafter und Konzernvorstände betrachten ihn deswegen als Idealbesetzung für heikle Kontrollposten.

Nicht aggressiv genug?

Gleichwohl stehen den Bewunderern diejenigen gegenüber, denen Lehner zu sehr den Konsensonkel und Vertreter einer neuen Deutschland AG mit persönlichem Filz anstelle scharfer Kontrolle repräsentiert. Für sie nehmen Aufsichtsratschefs seines Typs die Top-Manager nicht aggressiv genug ran und grätschen nicht konsequent dazwischen, wenn diese den Fokus auf die Rendite zu verlieren drohen.

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