Unternehmensfinanzierung: Die heimlichen Gewinner der Schuldenkrise

Unternehmensfinanzierung: Die heimlichen Gewinner der Schuldenkrise

von Nele Hansen, Reinhold Böhmer und Martin Seiwert

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit avancieren deutsche Konzerne zu Profiteuren der EU-Schuldenkrise. Das zeigt eine Untersuchung exklusiv für die WirtschaftsWoche. Die ersparten Zinsen helfen den Unternehmen, Dividenden auszuschütten, zu investieren oder Wettbewerber zu schlucken.

Er gilt als Inkarnation der Solidität. Vom württembergischen Maschinenbauer Trumpf über einen kleinen schwäbischen Werkzeugmaschinenspezialisten zum Stuttgarter Lackieranlagenbauer Dürr – das waren die Stationen, die Hans Dieter Pötsch absolvierte, bevor er 2003 Finanzvorstand von Volkswagen wurde. Während Konzernchef Martin Winterkorn auf den Autoshows glänzt, müht sich Pötsch im Stillen nur um eines: um Zahlen.

Wer hätte gedacht, dass so jemand einmal zur heimlichen Gewinnmaschine des größten europäischen Autobauers avancierte? Von seinem Büro im 13. Stock der Konzernzentrale in Wolfsburg beschert der 62-jährige Österreicher Volkswagen seit 2012 jedes Jahr einen zusätzlichen Gewinn von 267 Millionen Euro. Und das, ohne ein einziges Auto mehr zu verkaufen. Wenn Pötsch ganz viel Glück hat, steigert er den Geldregen im Extremfall auf bis zu 1,2 Milliarden Euro im Jahr.

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Windfall nennen die Angelsachsen unverhofftes Glück. Und Windfall-Profits sind Gewinne, die nicht durch Managementkunst, sondern durch eine allgemeine Änderung der Marktlage entstehen. In diesem Sinn ist Pötsch der Mister Windfall der deutschen Industrie.

Heruntergeschleuste Zinsen nutzen

Den Titel verdankt der Finanzjongleur der Schuldenkrise seit 2011. Geschickt nutzte Pötsch die politisch heruntergeschleusten Zinsen, die Verunsicherung der Anleger und die Superbonität von VW, um in großem Stil günstig umzuschulden. Dazu begab er 2012 Anleihen über 15,1 Milliarden Euro, für die er in den kommenden Jahren gestaffelt bis 2022 durchschnittlich nur noch 3,11 Prozent Zinsen bezahlen muss – gegenüber 4,88 Prozent im Jahr 2007 vor der Finanzkrise.

Was VW möglicherweise durch die Schuldenkrise spart

  • Begebene Anleihen 2012

    Begebene Anleihen 2012: 1500 Millionen Euro

    Jeweils nur fest verzinsliche Anleihen 2007 und 2012 in Euro, Quelle; Centrum für Bilanzierung und Prüfung an der Universität des Saarlandes

  • Durchschnittlicher Zinssatz der begebenen Anleihen

    2007: 4,6 Prozent

    2012: 1,8 Prozent

  • Ersparnis

    Ersparnis durch die 2012 begebenen Anleihen gegenüber dem Zinsniveau 2007.

    Pro Jahr: 42 Millionen Euro

    Über gesamte Laufzeit der 2012er Anleihen:

    Minimum: 295 Millionen Euro

    Maximum: 337 Millionen Euro

  • Mögliche jährliche Ersparnis

    Mögliche jährliche Ersparnis durch Umwandlung aller vorhandenen Anleihen zum Zinsniveau 2012: 234 Millionen Euro

Gelänge es Pötsch, alle Anleihen in den Konzernbüchern schrittweise auf das 2012er-Niveau zu drücken, würde er VW über längere Zeit Zinszahlungen von mehr als einer Milliarde Euro pro Jahr ersparen. Mit dem Geld kann Konzernchef Winterkorn die bis 2015 geplanten Investitionen von 50 Milliarden Euro finanzieren. Oder er beglückt die Aktionäre, allen voran Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, dessen Angehörige rund um Wolfgang Porsche sowie das Land Niedersachsen.

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