Update: Tönnies: Kein Friede unter Westfalens Schlachtern

Update: Tönnies: Kein Friede unter Westfalens Schlachtern

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Clemens (l) und Robert (r) Tönnies

von Peter Steinkirchner

Im Streit um die Macht beim Fleischkonzern Tönnies rückt eine Einigung wieder in weite Ferne. Den Vorschlag seines Neffen, den Schlachtriesen zur Versteigerung zu stellen, weist Clemens Tönnies entschieden zurück.

In der sich seit Jahren hinziehenden Fehde um die Macht beim westfälischen Fleischriesen Tönnies bleiben die Fronten wenige Tage vor dem nächsten Gerichtstermin am kommenden Montag weiter verhärtet. Schien in den vergangenen Tagen eine grundsätzliche Einigung zwischen den beiden zerstrittenen Gesellschaftern bevorzustehen – dem Vernehmen nach hatten sich beiden Seiten bereits auf einen gemeinsamen Notartermin an diesem Samstag verständigt, bei dem eine Art Grundlagenvertrag unterzeichnet werden sollte – herrscht jetzt erst einmal wieder Eiszeit zwischen Onkel und Neffen.

Anlass ist ein Schreiben, dass Neffe Robert nach einem Treffen mit Clemens Tönnies an den Onkel gerichtet hatte. In dem Schreiben vom 15. Oktober, das der WirtschaftsWoche vorliegt, hatte der jüngere Tönnies dem bundesweit bekannten Schalke 04-Boss angeboten, alle juristischen Aktivitäten ruhen zu lassen. Stattdessen, so Robert Tönnies, sollten die beiden Streitparteien außergerichtlich „in den nächsten drei Monaten mit voller Energie versuchen, die Einigungslösung fertigzustellen“.

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Die Deutschen stehen auf Wurst und Fleisch

  • Verzehr von Fleisch ist "selbstverständlich"

    Für viele Deutsche ist ein Frühstück ohne Wurst kaum vorstellbar. Eine repräsentative Befragung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat ergeben, dass 85 Prozent aller Deutschen den Verzehr von Fleisch und Wurst als „selbstverständlich und naturbewusst“ ansehen. 83 Prozent der Befragten wollen unter keinen Umständen auf den Verzehr von Fleisch und Wurstwaren verzichten.

  • Kein schlechtes Gewissen

    Die Studie zeigt, dass jeder zweite Deutsche zumindest einmal am Tag Wurst oder Fleisch verzehrt. Ein Viertel der Befragten hat ein schlechtes Gewissen, wenn er an die geschlachteten Tiere denkt. Knapp 42 Prozent achten beim Fleischeinkauf jedoch insbesondere auf einen möglichst günstigen Preis.

  • Grillen ist Männersache?

    Über 80 Prozent der Befragten essen gerne gegrilltes Fleisch und gegrillte Würstchen. Das Grillen ist eines der beliebtesten Hobbys der Deutschen und ganz klar eine Männerdomäne. Sechs von zehn Befragten sind der Meinung, dass „Männer einfach mehr Fleisch zum Essen brauchen als Frauen.“ Frauen sind hingegen weniger häufig bedingungslose Fleischesser. Sie haben nicht nur häufiger gesundheitliche Bedenken beim Fleischkonsum, sie achten auch eher auf die Herkunft des Fleisches.

  • Fleischskandale ändern Ansichten

    Nur etwas mehr als jeder Dritte (36 Prozent der Befragten) gab an, beim Fleischkonsum vorsichtiger geworden zu sein. Die Fleischskandale der vergangenen Jahre haben zu einem Umdenken bei vielen Fleischkonsumenten geführt: Ein Drittel der Studienteilnehmer sagt, dass eine vegetarische Ernährung gesünder sei. Außerdem könne der Verzicht auf Fleisch Gesundheitsrisiken vorbeugen.

  • Gesundheitliche Risiken durch den Fleischkonsum

    Während sich ein Großteil der Befragten beim Fleischkonsum mit gesundheitlichen Risiken konfrontiert sieht, verzichten nur 15 Prozent generell auf Fleisch. Lediglich drei Prozent gaben an, sich ausschließlich vegetarisch zu ernähren. Zwölf Prozent der Befragten kaufen ausschließlich Bio-Fleisch. Allerdings legen 65 Prozent der Befragten laut der Studie keinen besonderen Wert auf die artgerechte Haltung der Tiere.

  • Fleisch ist nicht gleich Fleisch

    Doch nach Meinung vieler Befragter ist Fleisch nicht gleich Fleisch: 58 Prozent der Befragten gaben an, Geflügel – sogenanntes „weißes Fleisch“– sei gesünder als „rotes Fleisch“ von Rind oder Schwein. Doch die Geflügelskandale der vergangenen Jahre beunruhigen die deutschen Fleischkonsumenten. 29 Prozent kaufen ihr Fleisch deshalb direkt bei Bauern oder Erzeugern.

  • Fleischkonsum als Gruppenzwang?

    Fleischkonsum als Gruppenzwang? Knapp 19 Prozent der Studienteilnehmer gaben an, weniger Fleisch und Wurst einkaufen zu wollen, Familie oder Partner wollten aber nicht auf Fleisch verzichten. Insbesondere Frauen haben ein ambivalentes Verhältnis zum Fleischkonsum. Ein Viertel der weiblichen Studienteilnehmer gab an, zumindest zeitweise auf den Verzehr von Fleisch oder Wurstwaren zu verzichten.

  • Fleischkonsum ist Bildungsfrage

    Alter, Bildung und Herkunft der Befragten spielten eine Rolle: So achten 54 Prozente der 20- bis 29-Jährigen beim Fleischeinkauf auf einen günstigen Preis. Dagegen haben 34 Prozent der Jüngsten (14- bis 19-Jährige) ein schlechtes Gewissen, wenn sie beim Fleischkonsum an die geschlachteten Tiere denken. Menschen mit höherer Schuldbildung essen weniger Fleisch, als Menschen mit niedriger Bildung. In den neuen Bundesländern waren 90 Prozent aller Befragten der Meinung, dass Fleischessen beim Menschen naturbedingt ist.

  • Zur Studie der GfK-Marktforschung

    Die durch den „Wort & Bild Verlag“ veröffentlichte Studie wurde von der GfK-Marktforschung vom 9. bis zum 27. August 2013 als telefonische Befragung durchgeführt. In diesem Rahmen wurden 2094 Befragte im Alter ab 14 Jahren befragt. Die nach Quoten gezogene Stichprobe gilt als repräsentativ für die Bundesrepublik Deutschland.

Für den Fall, dass in dem zuvor festgelegten Zeitraum keine Einigung erreicht werde, brachte Robert Tönnies die Trennung der zerstrittenen Gesellschafter ins Spiel: „Nur wenn das misslingt, legen wir schon heute gemeinsam den Modus für eine faire Trennung im Wege einer Auktion im Laufe des nächsten Jahres (…) fest.“ Ziel dieses Bieterwettstreits sei es, dass „nur einer der Gesellschafter übrig bleibt“. Dem Vernehmen nach würden die beiden Gesellschafter dabei jeweils ein Angebot für den Anteil des anderen abgeben und das höhere Angebot am Ende den Ausschlag geben. Mit diesem Modell, so Robert Tönnies in dem Schreiben, wären beide Seiten in der Lage, „sämtliche Prozesse noch diese Woche einzustellen und den Gesellschafterstreit zu beenden.“

Ein Sprecher von Clemens Tönnies bestätigte nun auf Nachfrage der WirtschaftsWoche den Versteigerungsvorschlag, wies ihn jedoch entschieden zurück. „Clemens Tönnies hat immer betont, dass für ihn der Verkauf des Familienunternehmens nicht infrage kommt.“ Von einer Verabredung auf eine mögliche Auktion könne nicht die Rede sein. Man sei im Gegenteil „extrem überrascht“ über den Vorstoß des Neffen.

In einem Antwortschreiben an seinen Neffen, das der WirtschaftsWoche vorliegt, schreibt Clemens Tönnies heute, er könne in keiner Weise nachvollziehen, „dass nun über einen Verkauf unseres Unternehmens gesprochen werden soll, obwohl wir gerade dabei waren, letzte Punkte mit Hilfe eines Notars zu klären.“ Tönnies senior fügte hinzu, er müsse das so verstehen, „dass Du kein Interesse mehr an unserem Unternehmen hast, sondern einen Verkauf (…) anstrebst.“

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Für einen Verkauf des von Roberts Vater und ihm aufgebauten Unternehmens stehe er jedoch nicht bereit: „Unser Familienerbe werde ich (…) nicht einfach in fremde Hände geben, nur weil Du das jetzt plötzlich und kurz vor einer Einigung forderst.“ Es sei zudem falsch, dass er angeblich eine Auktion gefordert habe – „die Auktion wurde von deinem Anwalt Binz ins Gespräch gebracht.

Stattdessen regt Clemens Tönnies eine Gesprächspause von 14 Tagen an, an deren Ende sich die beiden Verwandten womöglich noch einmal zusammensetzen und die Chancen auf eine Einigung auszuloten. Mindestens bisdahin dürfte der westfälische Friede in weiter Ferne liegen.

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