US-Autobauer : General Motors hält Werksschließungen für möglich

US-Autobauer : General Motors hält Werksschließungen für möglich

, aktualisiert 10. November 2011, 07:38 Uhr
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General Motors-Konzernchef Dan Akerson

Quelle:Handelsblatt Online

Der US-Autobauer GM konnte sich mit dem Absatz an der Weltmarktspitze halten. Aber der Gewinn ist gesunken und die Anleger reagierten enttäuscht. Finanzchef Dan Ammann machte überraschende Äußerungen zu Opel.

Detroit/HamburgWegen der Schuldenkrise wird die Europa-Tochter Opel die Gewinnzone von General Motors trotz der gerade abgeschlossenen Sanierung im laufenden Jahr nicht erreichen. Der amerikanische Mutterkonzern kassierte dieses Ziel am Mittwoch und machte dafür das schwache Europageschäft verantwortlich. Zum Geschäft in Europa sagte General Motors-Finanzchef Dan Amman, es seien alle Möglichkeiten denkbar, auch Werksschließungen.

Angesichts des für 2012 erwarteten weiteren Rückgangs der Autonachfrage in den für Opel wichtigen südeuropäischen Ländern gerät damit auch der Plan der Rüsselsheimer ins Wanken, ab dem nächsten Jahr Gewinne in der Detroiter Konzernzentrale abzuliefern. Beim Absatz hielt sich General Motors mit gut 2,2 Millionen Autos jedoch an der Weltmarktspitze, gefolgt von Volkswagen und dem japanischen Rivalen Toyota , die zwischen Juli und September jeweils auf etwas mehr als zwei Millionen Fahrzeuge kamen.

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Der Betriebsgewinn von GM schrumpfte in dem Zeitraum allerdings um vier Prozent auf 2,2 Milliarden Dollar (umgerechnet rund 1,6 Milliarden Euro). „GM hat ein solides Quartal abgeliefert“, sagte Konzernchef Dan Akerson. „Aber solide ist nicht gut genug. Auch nicht in einem harten wirtschaftlichen Umfeld.“

Gut abgeschnitten habe GM in Nordamerika und China. Dort habe der Konzern sowohl Absatz als auch Marktanteile gesteigert. Vor allem bei der Marge, die binnen Jahresfrist auf sechs von zuvor 6,7 Prozent zurückgegangen war, gebe es aber Verbesserungsbedarf.

Netto wies GM für das dritte Quartal einen Gewinnrückgang um 15 Prozent auf 1,7 Milliarden Dollar aus. Experten hatten allerdings noch größere Einbußen befürchtet. Der Umsatz kletterte dagegen um knapp acht Prozent auf 36,7 Milliarden Dollar. Anleger zeigten sich dennoch enttäuscht.

Die Aktie verlor an der New Yorker Börse fast zehn Prozent an Wert. Im Gegensatz zur Konkurrenz konnte der Weltmarktführer aus den USA damit nicht glänzen. Vor allem Volkswagen hatte im dritten Quartal mit einem hohen Gewinnzuwachs gepunktet. Auch BMW überraschte mit einem Rekordergebnis.

GM-Finanzchef Dan Ammann erklärte später überraschend, dass bei der Restrukturierung des europäischen Geschäfts alle Möglichkeiten in Betracht kämen. Dies beinhalte auch Werksschließungen. Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz zeigte sich verwundert über diese Äußerung. „Ich bin sehr erstaunt über diese Aussage. Nach Aussage von Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke ist die Restrukturierung von Opel in Europa erfolgreich abgeschlossen. Die Verträge schließen Personalabbau und Werksschließungen bis zum 31. Dezember 2014 kategorisch aus. Diese Verträge wurden vom Board of Directors von GM akzeptiert“.

Die defizitäre Rüsselsheimer GM-Tochter Opel halbierte zwar den Betriebsverlust im Zeitraum Juli bis September auf 300 Millionen Dollar. Für die kommenden Monate ist allerdings kaum Besserung in Sicht. Opel rechnet nach eigenen Angaben damit, dass der Pkw-Markt in Westeuropa in diesem Jahr um 140.000 Autos schrumpfen wird. Betroffen davon seien vor allem die Schuldenländer Spanien, Portugal und Italien. Auch in Großbritannien, wo die Bevölkerung ebenfalls unter dem Sparkurs der Regierung ächzt, sinken die Verkäufe.


Neue Zweifel an Opel

Für 2012 hat Opel-Chef Stracke bereits vor einer „empfindlichen Abkühlung“ gewarnt. Er hat sich damit nach Meinung von Analysten praktisch von seinem Gewinnziel verabschiedet. „Wenn jemand sein Geschäft fürs nächste Jahr mit solchen Worten einleitet, kann das nichts Gutes bedeuten“ sagte Frank Schwope von der NordLB. Der Autoanalyst rechnet nicht damit, dass Opel im nächsten Jahr profitabel sein wird.

Auch Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler bezweifelt, dass Opel alsbald die Kurve kriegt. „Die Gefahr ist groß, dass die Verluste eher größer werden“, sagt der Experte. Auch für 2013 erwarte er kein Ende der roten Zahlen. „Damit wird die Existenzfrage für Opel jedes Jahr neu gestellt.“ GM hatte Opel vor einigen Jahren eigentlich verkaufen wollen, sich dann aber anders entschieden und die Sanierung selbst in die Hand genommen.

Europaweit waren daraufhin 8000 der einst 48.000 Arbeitsplätze gestrichen worden, um spätestens 2012 wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Analysten halten es für möglich, dass nun weitere Einsparungen auf Opel zukommen. GM musste in der Finanz- und Wirtschaftskrise von der US-Regierung mit einem 52 Milliarden Dollar schweren Rettungspaket vor dem Zusammenbruch bewahrt werden. Nach einer Blitzinsolvenz kehrte das Unternehmen an die Börse zurück. Das amerikanische Finanzministerium hält noch 32 Prozent des Stammkapitals.

Quelle:  Handelsblatt Online
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