US-Automarkt schwächelt: „Die Warnleuchten blinken“

US-Automarkt schwächelt: „Die Warnleuchten blinken“

, aktualisiert 03. September 2016, 16:34 Uhr
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Immer weniger Menschen in den USA entscheiden sich für den Kauf eines neuen Autos. Das könnte das US-Wachstum gefährden.

Quelle:Handelsblatt Online

Die starke US-Wirtschaft konnte auf einen boomenden Automarkt bauen – bis jetzt. Denn zuletzt ist die Kauflust auf Neuwagen deutlich zurückgegangen. Das könnte für die gesamte Konjunktur in den USA zum Problem werden.

New YorkDer US-Automarkt brummt seit sechs Jahren, doch die Anzeichen für ein Ende des Booms nehmen zu. Nach dem Rekord-Verkaufsjahr 2015 rechnen Experten damit, dass der August bereits den dritten Monat mit sinkendem Absatz im laufenden Jahr markiert. Ein leichter Dämpfer wäre angesichts der florierenden Geschäfte, an die sich Branche gewöhnt hat, nicht weiter bedenklich. Eine schärfere Bremsung, vor der einige Analysten warnen, könnte hingegen unangenehme Folgen für die US-Wirtschaft haben.

„Die Warnleuchten für die Auto-Industrie blinken definitiv schon - und das betrifft das Verarbeitende Gewerbe generell“, sagt Branchenbeobachter Mark Muro von der Washingtoner Denkfabrik Brookings Foundation. Der Absatz der drei größten Autokonzerne im US-Markt – General Motors (GM), Ford und Toyota – nahm im August deutlich ab. GM und Toyota sind nun schon den sechsten Monat in diesem Jahr im Rückwärtsgang. Ford musste sogar ein Minus von neun Prozent verkraften. Die Schwergewichte sind keine Ausnahmen.

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„Die jüngsten Daten signalisieren Gefahr für den Autosektor“, meint Experte Muro und rät der Branche, sich besser „anzuschnallen“. Warnungen vor einem Abschwung gab es zuletzt viele, erst vor kurzem erschreckte der US-Autoriese Ford Anleger mit einer trüben Prognose für das zweite Halbjahr und 2017. Die Frage scheint inzwischen nicht mehr so sehr, ob der Markt an Dynamik verliert - sondern wie sehr. Man bewegt sich allerdings auf einem hohen Niveau: 2015 kaufte die US-Kundschaft knapp 17,5 Millionen Neuwagen, soviele wie nie zuvor.

Niedrige Spritpreise und günstige Finanzierungsbedingungen waren und sind zum Teil auch noch willkommene Verkaufshelfer für eine Industrie, die Aufbauhilfe nach der schweren Rezession im Zuge der Finanzkrise 2008 gut gebrauchen konnte. Die Vorliebe der Amerikaner für schwere Fahrzeuge wie Pick-up-Trucks und SUV's bescherte US-Branchengrößen wie der Opel-Mutter GM, die zwischenzeitlich sogar in die Insolvenz geraten war, ein beachtliches Comeback.


Bei US-Autoverkauf wird mit Rabatten nachgeholfen

Aber es gibt genügend Hinweise darauf, dass bei diesem Boom längst nicht mehr alles Gold ist, was glänzt. So ist ein wesentlicher Teil des starken Absatzes mit laxer Kreditvergabe zu erklären – die Ausfallraten im bonitätsschwachen „Subprime“-Segment haben bereits stark angezogen. Zudem wird beim US-Autoverkauf auch gerne mit üppigen Rabatten und Sonderangeboten nachgeholfen. Den Marktforschern von Kelley Blue Book zufolge erhöhten die Hersteller ihre Kaufanreize im Juli bereits um 12,5 Prozent zum Vorjahr auf 3300 Dollar pro Wagen. Das könnte bedeuten, dass der Markt bereits heißgelaufen ist.

„Das Wachstum, das der US-Markt seit 2009 verzeichnet hat, ist zum Erliegen gekommen und scheint nun abzunehmen“, sagt Jeff Schuster vom Analysehaus LMC Automotive. Das müsse jedoch nicht bedeuten, dass es zu stärkeren Rückschlägen oder einer Krise der Auto-Industrie komme. Tatsächlich gehen viele Experten davon aus, dass die Branche es dank eines starken Jahresauftakts auch 2016 schaffen wird, die Marke von 17 Millionen verkauften Neuwagen zu knacken. Es gibt allerdings auch pessimistischere Stimmen.

Brookings-Experte Muro geht von einer deutlichen Abkühlung aus, die die US-Wirtschaft belasten könnte. „Die mit der Auto-Herstellung verbundenen Industrien haben in den vergangenen zwei Jahren 70 Prozent zum Jobwachstum im fortgeschrittenen verarbeitenden Gewerbe beigesteuert.“ In Anbetracht der lahmen Entwicklung in anderen Fertigungsbereichen, sei der Sektor zum Zugpferd für Produktivität und neue Stellen geworden. Eine Abschwächung würde eine der letzten Quellen gut bezahlter Jobs ohne Hochschulabschluss gefährden und die gesamte Volkswirtschaft in Mitleidenschaft ziehen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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