US-Raffinerie verlangt Geld für Annahme von Rohöl: Wenn der Ölpreis unter Null fällt

US-Raffinerie verlangt Geld für Annahme von Rohöl: Wenn der Ölpreis unter Null fällt

, aktualisiert 18. Januar 2016, 20:20 Uhr
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Raffinerien im US-Bundesstaat Kansas verlangen 0,50 Dollar pro Barrel vom Erzeuger, um das qualitätsarme „North Dakota Sour“ abzunehmen.

von Axel PostinettQuelle:Handelsblatt Online

Raffinerien der Flint Hills Resources in Wichita im US-Bundesstaat Kansas verlangen inzwischen 0,50 Dollar pro Barrel vom Erzeuger, um die Rohölsorte „North Dakota Sour“ abzunehmen. US-Banken sind alarmiert.

San FranciscoEs klingt so absurd, dass man es für unmöglich hält. Laut Nachrichtenagentur Bloomberg verlangen die Raffinerien der Flint Hills Resources in Wichita im US-Bundesstaat Kansas 0,50 Dollar pro Barrel vom Erzeuger, um das qualitätsarme „North Dakota Sour“ abzunehmen. Rohöl ist nicht gleich Rohöl und das „Sour“ ist reich an Sulfaten und teurer zu verarbeiten. Während die Welt auf Öl aus der Golfregion oder der Nordsee schaut und sich fragt, wie weit der Preis noch unter 30 Dollar für ein Fass fallen könnte, wird für viele US-Sorten, darunter auch höherwertige Sorten aus North Dakota, ohnehin längst nur noch zwischen 15 oder 22 Dollar bezahlt.

Trotzdem ist der Sturz sogar ins Negativ-Territorium ein Schock für die US-Wirtschaft. Am 5. Januar zahlte die Flint-Raffinerie, die zum Imperium der Koch-Brüder gehört, noch über sechs Dollar. Jetzt müssen die Produzenten hoffen, dass der Weltmarktpreis wieder anzieht und sie im Schlepptau profitieren. Sonst wird es eng – und die Zeichen stehen schlecht.

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Ein guter Teil des wirtschaftlichen Aufschwungs der letzten Jahre in den USA ist der Ölindustrie zu verdanken, die in den goldenen Zeiten von Ölpreisen jenseits der 100 Dollar auch die teuersten Produktionsverfahren angeschmissen hatte. Tief aus der Erde oder aus öligem Schlamm wird mit Milliarden von Litern Trinkwasser und giftigen Chemikalien das letzte Tröpfchen Öl gepresst. Bundesstaaten wie Texas oder North Dakota erlebten einen kleinen Boom bei Arbeitsplätzen und Immobilienpreisen.

Das ist jetzt in Gefahr. Seit 2015 gingen Zehntausende Jobs in der US-Ölindustrie wieder verloren. Kleinere Unternehmen gingen bankrott. Wie die üblicherweise gut informierte Webseite Zerohedge unter Berufung auf Brancheninsider berichtet, hat sich die texanische Zentralbank bereits mit großen und kleinen Geldhäusern getroffen, um über deren Kredite an die Ölindustrie zu sprechen. Dabei soll es auch darum gegangen sein, im Zweifel keine Konkursverfahren voranzutreiben, sondern zuerst zu versuchen, die säumigen Unternehmen zu Verkäufen von Anlagevermögen zu bewegen.

Gleichzeitig, so Zerohedge, habe die Fed vorübergehend die Verpflichtung aufgehoben, Anleihen nach Marktwert statt nach Buchwert zu bilanzieren. Dies sei geschehen, um Abschreibungen zu verhindern. Zuvor habe sie sich die Kredit-Portfolios aller Institute zur Prüfung vorlegen lassen, so Zerohedge.

Wells Fargo, der Bankenriese aus San Francisco, hat rund 17 Milliarden Dollar in Ölkrediten in den Büchern und bereits bei seinen jüngsten Quartalszahlen vergangene Woche mitgeteilt, die Vorsorge für potenziell faule Kredite um 70 Prozent angehoben zu haben. Fast 50 Prozent der Aufstockung passierte aus Sorge um Kredite an die Ölindustrie. Damit, so die Bank im Analystengespräch, sei man vorbereitet, wenn die Preise auf dem jetzigen Niveau verharren sollten.

Citigroup hat schon mal 250 Millionen Dollar zurückgestellt, räumt aber ein, man müsse die Summe auf über 500 Millionen Dollar anheben, falls der Weltmarktpreis längerfristig unter 25 Dollar fallen sollte.

Alle Banken betonten in ihren Quartalsgesprächen, Ölkredite seien nur ein kleiner Teil des Geschäfts. Bislang seien die Probleme des Sektors nicht auf den Rest der Geschäfte – beispielsweise Auto-Kredite oder Hypotheken – übergesprungen. Doch das Unbehagen wächst mit jedem Tag, an dem die Aktienkurse fallen.

Die Wall Street hat gerade den schlechtesten Start in ein neues Jahr überhaupt hingelegt. Die Begründung: Zusammen könnten diese Entwicklungen ausreichen, um Fed-Präsidentin Janet Yellen von weiteren Zinsanhebungen abzuhalten. Doch höhere Zinsen wären gut für die Bankgewinne.

Quelle:  Handelsblatt Online
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