Valeant in der Krise: Wenn 600 Millionen Dollar Gewinn nur ein Tippfehler sind

Valeant in der Krise: Wenn 600 Millionen Dollar Gewinn nur ein Tippfehler sind

, aktualisiert 16. März 2016, 13:07 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Der Pharmakonzern Valeant ist bekannt für die erste Sexpille für die Frau. Doch den Anlegern ist die Lust längt vergangen. Ein schwerer Tippfehler könnte nun dem umstrittenen Vorstandschef Pearson den Kopf kosten.

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„Man will ein Investor sein, kein Glücksspieler.“

New York/BostonWas am Dienstag mit enttäuschenden Finanznachrichten begann, wurde schnell zum schlimmsten Tag in der Geschichte von Valeant. Investoren fragen sich, ob Michael Pearson, der umstrittene Vorstandschef des Pharmaunternehmens, alles wieder in den Griff bekommen kann.

Erst vor zwei Wochen war Pearson, der Valeant durch eine Serie von Akquisitionen aufgebaut hat, nach einer krankheitsbedingten Abwesenheit zurückgekehrt. Er fand das Unternehmen in einem schlechteren Zustand vor als er es nach dem Skandal über die Preisgestaltung von Medikamenten im vergangenen Jahr verlassen hatte.

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Und dann dieser Dienstag. Die Demütigungen kamen schnell und heftig: Ein 600-Millionen-Dollar-Tippfehler in einer Pressemitteilung, eine Telefonkonferenz, die bei Analysten und Investoren für Verwirrung und Verärgerung sorgte, ein Kursrutsch von 51 Prozent, der beim größten Investor Sequoia Fund zu einem Verlust von 1,26 Milliarden Dollar führte. Und nicht zuletzt die Mitteilung, Valeant sei nicht in der Lage, seinen Ergebnisbericht fristgerecht einzureichen, was potenziell die Rückzahlung der Schulden von 30 Milliarden Dollar gefährdet.

„Jedes Mal, wenn das Unternehmen eine Telefonkonferenz einberuft, wird offenbar etwas Neues offengelegt, das Besorgnis erregend ist“, sagt David Amsellem von der Investmentbank Piper Jaffray. „Das führt für mich zu dem Schluss, dass das Management diese verschiedenen Geschäftsbereiche nicht gut handhaben kann.“ Ansellem hat seine Anlageempfehlung nach der Telefonkonferenz von „neutral“ auf „untergewichten“ gesenkt.

Der Aktienkurs von Valeant verzeichnete am Dienstag den größten Einbruch aller Zeiten und sackte auf 33,51 Dollar ab. Noch im Juli notierte die Aktie bei 257,53 Dollar. Wenn Valeant das Vertrauen der Investoren wiedergewinnen will, muss es die wahrscheinlich schlimmste Analysten-Telefonkonferenz in der Geschichte hinter sich lassen.

Finanzvorstand Rob Rosiello verwies auf eine Darstellung, der zufolge das Ergebnis für 2016 sechs Milliarden Dollar betragen wird. Drei Stunden zuvor hatte Valeant in einer Pressemitteilung einen Betrag von 6,6 Milliarden Dollar genannt.

„Hier passieren so viele seltsame Dinge“, sagt Matthew Duch, Vermögensverwalter bei Calvert Investments. „Es gibt Tippfehler. Das zeigt, dass Kontrollen fehlen, nicht auf Details geachtet wird. Und wenn das auf diesem Niveau passiert, wo endet das? Man will ein Investor sein, kein Glücksspieler.“


„Vertrauen total verloren“

Pearson erklärte, dass Valeant wegen der Auswirkungen des Skandals im Zusammenhang mit der Versandapotheke Philidor Rx Services seine Finanzergebnisse nur verspätet vorlegen könne. Eine Verzögerung könnte zu einem technischen Zahlungsausfall bei den Verbindlichkeiten führen, sagte Pearson. Zudem könne Valeant gezwungen sein, Aktiva, die nicht zum Kerngeschäft gehören, zu verkaufen, um die Gläubiger zu bezahlen. „Gerade wenn man denkt, ihre Glaubwürdigkeit kann nicht weiter sinken, dann schaffen sie es doch noch, sie zu senken“, sagt Jack Flaherty von GAM USA.

David M. Steinberg, Analyst bei bei Jefferies, bezweifelt, dass der Aufsichtsrat von Valeant Pearson ersetzen wird – trotz dessen Patzer. „Der Aufsichtsrat hat vor weniger als drei Wochen eine Entscheidung getroffen, und er hat entschieden, ihn zurückzuholen“, sagt Steinberg. „Wenn sie von den Ergebnissen und Ausblicken nicht schockiert sind, werden sie ihn wahrscheinlich eine Weile behalten.“

Der Milliardär Bill Ackman, dessen Investmentgruppe Pershing Square einer der größten Aktionäre von Valeant ist, sagte am Dienstag, er habe das „Vertrauen total verloren“. Stephen Fraidin, Vice Chairman von Pershing, hatte in der vergangenen Woche einen Sitz im Aufsichtsrat übernommen.

Pershing Square hat durch den Kurseinbruch mehr als 750 Millionen Dollar verloren. Beim Hedgefonds Paulson & Co. summieren sich die Verluste auf über 400 Millionen Dollar, wie aus Daten von Bloomberg hervorgeht.

Besorgnis im Hinblick auf die Geschäftspraktiken von Valeant, etwa die Gestaltung der Preise für seine Pharmaka, haben die Aktie des Unternehmens von mit einer der besten Entwicklungen zu einer der schlechtesten geführt. Von 2010 bis August 2015 hatte sich der Kurs mehr als verzehnfacht. Seither verlor der Titel mehr als 87 Prozent seines Wertes.

Quelle:  Handelsblatt Online
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