Verband der Automobilindustrie: Deutsche Hersteller wollen auf den Diesel nicht verzichten

Verband der Automobilindustrie: Deutsche Hersteller wollen auf den Diesel nicht verzichten

, aktualisiert 02. Dezember 2016, 15:46 Uhr
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Der Wechsel vom Verbrennungs- zum Elektromotor wird sich über Jahrzehnte hinziehen. Die Automobilindustrie hält den Dieselantrieb deshalb in den nächsten Jahren für unverzichtbar.

von Stefan MenzelQuelle:Handelsblatt Online

Für die deutschen Hersteller endet ein gutes Jahr, die Absatzzahlen sind weltweit fast überall hoch. Die Branche will den Wandel zum Elektroauto weiter vorantreiben, setzt aber auch weiterhin auf den umstrittenen Diesel.

BerlinTrotz der Abgaskrise und der anhaltenden Diskussion über die Diesel-Emissionen geht das Jahr 2016 für die deutsche Automobilindustrie zufriedenstellend zu Ende. „Es ist ein gutes Automobiljahr“, sagte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), am Freitag in Berlin. Die Nachfrage nach Neuwagen steige weltweit. Verhalten optimistisch blickt Deutschlands wichtigster Wirtschaftszweig auch in die Zukunft. 2017 werde es weiter aufwärts gehen, allerdings wüchsen auch die Risiken. Der VDA erwartet im neuen Jahr etwas weniger Wachstum.

Der Interessenverband der deutschen Automobilhersteller rechnet damit, dass der Weltautomarkt in diesem Jahr um vier Prozent zulegt und dass erstmals mehr als 80 Millionen Personenwagen verkauft werden. Nächstes Jahr sei nur ein Wachstum von etwa zwei Prozent zu erwarten.

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Erfreulich ist aus Sicht des Verbandes besonders die Entwicklung in Deutschland. 2016 legten die Pkw-Neuzulassungen voraussichtlich um fünf Prozent auf fast 3,4 Millionen Autos zu, das höchste Absatzniveau in diesem Jahrzehnt. „Rückenwind bekam der Markt durch die anhaltend gute gesamtwirtschaftliche Entwicklung“, betonte VDA-Präsident Wissmann. Allein schon der hohe Beschäftigungsstand sorge für eine anhaltende hohe Autonachfrage. 2017 würden in Deutschland auch wieder zwischen 3,3 und 3,4 Millionen neue Pkw auf den Straßen zugelassen.

Der Beschäftigungsstand in der deutschen Automobilindustrie ist unverändert hoch. Ungefähr 815.000 Menschen sind bei Herstellern und Zulieferern beschäftigt, das ist der höchste Stand seit 25 Jahren. Die deutschen Unternehmen exportieren jährlichen etwa 4,4 Millionen Autos. 2016 sind in den ausländischen Werken der deutschen Hersteller erstmals mehr als zehn Millionen Fahrzeuge produziert worden.

Im Auslandsgeschäft geht die größte Unsicherheit im Moment von Großbritannien aus. „Wir sind besorgt, und nicht nur wegen des Brexit“, betonte Wissmann. Der schwankende Pfund-Kurs mache eine stabile Kalkulation extrem schwierig. Außerdem habe sich die wirtschaftliche Grundstimmung in Großbritannien verschlechtert. Komme es zu einem „harten Brexit“, bei dem die Briten quasi alle Verbindungen zu Europa kappen, drohten der Autobranche hohe Zollschranken. Ein aus der EU nach Großbritannien exportiertes Auto könnte dann mehr als zehn Prozent teurer werden. Einzelne Hersteller wie etwa Opel klagen schon jetzt über zusätzliche Belastungen aus der Brexit-Entscheidung der britischen Bevölkerung. Die deutsche Tochter von General Motors (GM) erwartet 2016 zusätzliche Kosten von etwa 400 Millionen Euro.

Das andere große Exportland der deutschen Hersteller mit erheblichen Problemen ist Brasilien. In diesem Jahr sind die Absatzzahlen dort um 20 Prozent zurückgegangen. „Wir hoffen, dass es dort im nächsten Jahr nicht noch weiter nach unten geht“, sagte der VDA-Präsident. Volkswagen hat auf die anhaltende Krise in Brasilien schon mit einem einschneidenden Sparprogramm reagiert, das auch den Abbau von Tausenden von Arbeitsplätzen einschließt. Ein Lichtblick für die deutschen Hersteller ist Russland. Dort erwartet der VDA eine Trendwende, 2017 dürften erstmals wieder mehr Autos verkauft werden als im vorangegangenen Jahr.


Trendwende zum E-Auto beschleunigt sich

Mit Unsicherheit behaftet ist die Handelspolitik der USA unter der neuen Administration des gewählten Präsidenten Donald Trump. VDA-Präsident hofft auf „Einsicht in den USA“. Europa und die USA profitierten von einer offenen Handelspolitik. Im Moment werde noch ein Importzoll von zehn Prozent für jedes aus den USA in die EU importierte Auto fällig. Mit dem transatlantischen Handelsabkommen TTIP ließen sich solche Zölle abbauen. TTIP ist aus Sicht der Automobilindustrie deshalb noch nicht beerdigt. Auch Präsident Trump könnte einsehen, dass sich ein solches Handelsabkommen lohne.

Aus Sicht des Interessenverbandes steht unwiderruflich fest, dass die Elektroautos voraussichtlich vom Jahr 2020 an zu einem echten Massengeschäft werden. „Im Jahr 2025 werden etwa 15 bis 25 Prozent der Neuwagen elektrisch unterwegs sein“, betonte der Chef des VDA. Allein bei den deutschen Herstellern würden die Elektromodelle dann Stückzahlen erreichen, „die deutlich im siebenstelligen Bereich sein werden“.

Die Trendwende zum Elektroauto hat sich deutlich beschleunigt. In Expertenstudien, die nur ein paar Jahre alt sind, war noch davon die Rede, dass der Anteil der elektrisch betriebenen Fahrzeuge im Jahr 2025 erst bei drei Prozent liegen werde. Mit einer Innovationsoffensive wollen die deutschen Automobilhersteller dafür sorgen, dass sich das Elektroauto auch wirklich durchsetzen kann.

„Bis zum Jahr 2020 investiert die deutsche Automobilindustrie mehr als 40 Milliarden Euro in alternative Antriebe“, sagte Wissmann. In dieser Woche hatten die deutschen Hersteller schon angekündigt, dass sie in den nächsten Jahren ein europäisches Schnellladenetz entlang der wichtigsten Autobahnen aufbauen wollten. Viele weitere Milliarden flössen auch in die Entwicklung besserer Verbrennungsmotoren, um dort Verbrauch und Umweltbelastung zu minimieren.

Der Wechsel vom Verbrennungs- zum Elektromotor wird sich über Jahrzehnte hinziehen. Wissmann warnte deshalb davor, den Diesel – trotz der aktuellen Abgasdiskussion – grundsätzlich verbannen zu wollen. Der Dieselantrieb sei vielmehr in den nächsten Jahren unverzichtbar, „um die Klimaschutzziele zu erreichen“. Ein moderner Diesel verbrauche bis zu 25 Prozent weniger Kraftstoff als ein Benziner, der Kohlendioxid-Ausstoß liege um bis zu 15 Prozent niedriger. Mit der neuesten Motoren-Generation lasse sich beim Diesel auch das Stickoxid-Problem lösen. Wissmann warnte deshalb vor Fahrverboten in deutschen Städten. „Verbotsstrategien sind keine intelligente Lösung“, betonte der VDA-Präsident.

Quelle:  Handelsblatt Online
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