Verschmutzungsrechte: Flaute an den "Grünen Börsen"

Verschmutzungsrechte: Flaute an den "Grünen Börsen"

, aktualisiert 23. August 2011, 20:15 Uhr
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Das RWE-Kohlekraftwerk in Niederaussem. Der Handel mit Verschmutzungsrechten ist abgeflaut.

Quelle:Handelsblatt Online

Das Recht, die Umwelt zu verschmutzen, kann die Industrie per Wertpapier kaufen. Doch nicht nur das Interesse an Verschmutzungsrechten, sondern auch ihr Preis ist gesunken. Einige Skandale setzen dem Geschäftszweig zu.

Frankfurt, BerlinDie Idee hatte was: Um zu zeigen, dass sich prosperierende Marktwirtschaft und funktionierender Umweltschutz vereinbaren lassen, legten sich 39 Industrieländer beim Umweltgipfel von Kyoto 1997 auf Obergrenzen für sechs Treibhausgase fest. Das Instrument, um die Reduktionsziele zu erfüllen, war der Handel mit Emissionszertifikaten. Das Recht, die Umwelt zu verschmutzen, sollte teuer bezahlt werden und wie ein Wertpapier an einer Börse gehandelt werden können. Heute, 14 Jahre später, haben sich zwar von Green Exchange bis Bluenext zahlreiche Börsen auf diesem Gebiet etabliert, doch inmitten einer heißen Konjunkturphase in Deutschland, in der der Emissionshandel eigentlich ein blühender Geschäftszweig sein sollte, herrscht an den entsprechenden Börsen Flaute.

Beispiel: European Energy Exchange (EEX) in Leipzig. Die Börsianer dort berichten, dass im wichtigsten Marktsegment für europäische Kohlendioxid-Emissionsberechtigungen (EUA) im vergangenen Monat insgesamt nur noch 6,39 Millionen Verschmutzungsrechte gehandelt wurden. Zum Vergleich: Im Juli 2010 lagen die Umsätze bei 22,51 Millionen Kontrakten.

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Der Kurs hat sich fast halbiert

Analog zu den schrumpfenden Umsätzen gingen auch die Preise für die Emissionsrechte in den Keller. Nachdem noch im April dieses Jahres rund 17,50 Euro pro Tonne Kohlendioxid (CO2) für Verschmutzungsrechte, die im Jahr 2012 genutzt werden dürfen, bezahlt wurden, lag der Preis Anfang dieses Monats nur noch bei etwa elf Euro. Begründet wird der starke Einbruch zum einen mit den Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten und zum anderen mit den konjunkturellen Unsicherheiten. Sollte die europäische Wirtschaft nicht brummen und die Industrieanlagen in den kommenden Monaten auf Sparflamme laufen, verringert sich der Ausstoß von Treibhausgasen, so dass am Markt für Emissionsrechte ein Überschuss entsteht.


Handel steckt in einer Glaubwürdigkeitskrise

Doch dass der erwartete Konjunkturdämpfer schuld am flauen Geschäft sein soll, ist nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich steckt der Handel mit den Verschmutzungsrechten auch in einer Glaubwürdigkeitskrise, die durch Skandale ausgelöst worden ist. So waren Anfang dieses Jahres bei Hacker-Angriffen auf elektronische Handelsregister zahlreiche Emissionszertifikate gestohlen worden, so dass das europäische Emissionshandelssystem zeitweise zum Erliegen kam.

Für negative Schlagzeilen hatte zuvor bereits ein Umsatzsteuerbetrug im Handel mit den europäischen Verschmutzungsrechten gesorgt, die Anklage gegen Händler läuft. Ihnen wird vorgeworfen, von Sommer 2009 bis Frühjahr 2010 mit CO2-Emissionszertifikaten gehandelt und dafür Vorsteuer vom Finanzamt kassiert zu haben, ohne jemals die fällige Umsatzsteuer tatsächlich gezahlt zu haben. Es geht um einen Betrag von rund 250 Millionen Euro.

Betrügereien schaden dem Image

Die jetzt in Frankfurt auf der Anklagebank sitzenden Händler hatten die Emissionszertifikate mit ihren fünf Firmen so lange zwischen Deutschland und dem Ausland hin- und hergeschoben, bis sie die Spuren fast verwischt hatten. Am Ende wurden sie aber doch erwischt. Die Politik hat reagiert und den Handel seit Juni 2010 auch in Deutschland steuerfrei gestaltet, so dass sich die Betrügereien heute nicht mehr lohnen. Der Imageschaden für das System war nicht mehr zu verhindern.

Einige Analysten sind deswegen pessimistisch, was den Handel mit Verschmutzungsrechten anbelangt. Isabelle Curien von der Deutschen Bank rechnet damit, dass im 2012 ein hohes Angebot nicht genutzter CO2-Emissionsrechte an den Markt drängen wird. Es sei daher nicht überraschend, wenn sich die Preise für Emissionszertifikate mit dem sinkenden Ölpreis auch wieder nach unten bewegten, sagt Felix Matthes, Emissionshandelsexperte beim Öko-Institut.

Quelle:  Handelsblatt Online
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