Rüstung: Deutsche Waffenhersteller hoffen auf Rüstungsboom

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Verteidigung: Deutsche Waffenbauer hoffen auf Rüstungsboom

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Rüstungskonzerne unter Druck: Waffenbranche fordert Rückendeckung

von Rüdiger Kiani-Kreß, Karin Finkenzeller und Silke Wettach

Deutschlands Waffenhersteller hoffen darauf, dass gemeinsame europäische Programme einen neuen Boom bringen. Doch noch sind die Hürden hoch.

Der weihnachtliche Geist der Versöhnung hat im vergangenen Dezember auch die deutsche Rüstungsindustrie erreicht. In den Monaten zuvor hatten sich die Waffenbauer immer wieder verbale Scharmützel mit der Bundesregierung geliefert. Kurz vor dem Fest aber zeigte sich die Branche plötzlich ganz friedfertig. „Vielen Ankündigungen sind greifbare Absichtserklärungen gefolgt, die in konkreten Verabredungen mündeten“, lobte Armin Papperger, Chef des Düsseldorfer Rheinmetall-Konzerns und Präsident der Waffenlobby BDSV (Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie).

Die warmen Worte haben einen konkreten Anlass. Die Bundesregierung soll sich im Sinne der Branche engagieren und damit europäischen Programmen zur Aufrüstung zum Durchbruch verhelfen. Vor allem von einer Initiative namens Pesco erhoffen sich die Waffenbauer mittelfristig einen neuen Boom. Bundeskanzlerin Angela Merkel und andere Regierungschefs haben das Programm Mitte Dezember gestartet. Es soll für mehr Kooperation in der EU sorgen. Noch in diesem Jahr wollen 25 Länder damit anfangen, gemeinsam Waffen zu kaufen.

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"Wann, wenn nicht jetzt?"

Nach Jahren des Sparens soll modernes Gerät die Truppen bei gemeinsamen Einsätzen, von denen es immer mehr gibt, schlagkräftiger machen. Seit der russischen Annexion der ukrainischen Krim ist Aufrüstung in Europa politisch wieder durchsetzbar. Und wegen der boomenden Wirtschaft ist auch ausreichend Geld da, zumindest in Deutschland. „Wann, wenn nicht jetzt, sollten wir loslegen?“, fragt Katrin Suder, für Rüstung zuständige Staatssekretärin im Bundesverteidigungsministerium.

PremiumKMW-Chef Frank Haun "Ein Zoo voller Panzer, U-Boote und Fregatten"

Frank Haun, Chef des wichtigsten deutschen Panzerbauers Krauss-Maffei Wegmann, über die Tücken deutsch-französischer Kooperation und Bürokratiewahn.

Panzerbauer-Chef Frank Haun über die Tücken deutsch-französischer Kooperation. Quelle: Presse

Bisher gibt es jedoch vor allem Absichtserklärungen. Bis aus ihnen konkrete Aufträge werden, kann es noch dauern. So ist nur wenig Geld fest zugesagt – und vor allem die unterschiedlichen Interessen in den einzelnen Ländern machen die Abstimmung kompliziert. „Es sind noch einige Hürden zu nehmen“, sagt Hans Christoph Atzpodien, BDSV-Hauptgeschäftsführer und zuvor Chef des Marinegeschäfts bei Thyssenkrupp. Der Chef eines seiner Mitglieder wird da deutlicher. „Noch ist das ein Geschoss fast ohne Pulver.“

Trotzdem hoffen Anbieter, vom Flugzeugbauer Airbus über den auf Lenkwaffen spezialisierten Nürnberger Diehl-Konzern bis zu Mittelständlern wie dem Panzersitzhersteller Autoflug aus Rellingen bei Hamburg, auf eine Flut neuer Aufträge. Wenn Europas Staaten Ernst machen, könnten sie in den kommenden 20 Jahren Bestellungen im Wert von mehreren Hundert Milliarden Euro aufgeben, meinen Branchenvertreter. Und da die neuen Systeme gleichzeitig in hoher Qualität und großer Stückzahl gebaut werden sollen, „profitieren vor allem die technisch führenden deutschen Unternehmen“, sagt Heinz Schulte, Chef des Branchen-Informationsdienstes griephan. Zusätzlichen Auftrieb soll eine engere Kooperation von Deutschland und Frankreich bringen, die künftig gemeinsam Panzer, Drohnen und Kampfjets bauen wollen.

Schon jetzt können die meisten deutschen Rüstungsunternehmen gute Zahlen vorweisen. Das liegt aber vor allem an ihrer Sparsamkeit, an internen Restrukturierungen und der vermehrten Fertigung im Ausland. Die Bundeswehr als bisheriger Hauptkunde macht dagegen immer wieder Ärger. „Ungewisse Szenarien, lange Planungszyklen, unvorstellbare Regulierung und eine unberechenbare Exportpolitik“, beklagt Frank Haun, Chef des Panzerbauers Krauss-Maffei Wegmann.

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