Vorstandsgehälter bei VW: Mehr Normalität für Volkswagen

Vorstandsgehälter bei VW: Mehr Normalität für Volkswagen

, aktualisiert 25. Februar 2017, 10:37 Uhr
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Mit seinem neuen Vergütungssystem für Vorstände passt sich der VW-Konzern an das an, was in anderen Konzernen längst üblich ist.

von Stefan MenzelQuelle:Handelsblatt Online

Mit seinem neuen Vergütungssystem ist der VW-Konzern im deutschen Mainstream angekommen. Gezahlt wird künftig das, was auch in anderen Konzernen längst üblich ist. Alle Defizite sind damit aber nicht beseitigt.

WolfsburgAm Ende ist es dann doch ganz schnell gegangen: Alle Volkswagen-Konzernvorstände haben der Änderung ihrer individuellen Verträge und der Umstellung auf das neue Vergütungssystem zugestimmt. Niemand hätte sich noch ein Nein erlauben können, zu groß war der Druck in der Öffentlichkeit und zusätzlich auch im Aufsichtsrat geworden.

Im obersten Kontrollgremium hatte besonders Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) auf die Umstellung gedrängt. Seine Partei muss den Nachweis erbringen, dass sie überbordenden Gehaltsansprüchen der Vorstände ein Ende setzt. Denn die Sozialdemokraten haben auf Wahlkampfmodus geschaltet. Das Abfindungspaket mit zwölf Millionen Euro, das das SPD-Mitglied Christine Hohmann-Dennhardt nach nur einem Jahr Vorstandszugehörigkeit bei VW bekommen hatte, war im Januar der letzte Weckruf für die Sozialdemokraten in Sachen Vorstandsgehälter.

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Mit dem neuen Vergütungsmodell für die eigenen Vorstände versucht Volkswagen den Anschluss an den Rest der großen Dax-Konzerne. Bislang ist der Wolfsburger Autohersteller vor allem mit überschießenden Vorstandsbezügen aufgefallen. Unvergessen ist das Jahr 2011, als der damalige Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn auf einen Schlag mehr als 17 Millionen Euro für sich einstreichen durfte. Ein Jahresgehalt, mit dem sich Winterkorn damals in die Nähe der Bezüge von europäischen Top-Fußballern katapultieren ließ.

Damit ist es jetzt in der Tat bei Volkswagen vorbei. Die Obergrenze für den Vorstandsvorsitzenden liegt bei zehn Millionen Euro jährlich, für das einfache Vorstandsmitglied beträgt das Limit 5,5 Millionen Euro. Mit dieser Bezahlung seines Top-Managements ist der VW-Konzern im deutschen Mainstream angekommen. Die Wolfsburger werden ihren Vorständen in etwa das überweisen, was heute in anderen Großkonzernen üblich ist. SPD-Ministerpräsident Weil kann sich glücklich schätzen, einen öffentlichen Aufschrei über Wolfsburger Gehaltsexzesse wird es so schnell nicht wieder geben.

Mit der Obergrenze allein ist es aber nicht getan. Dazu gehört ein Blick in die Vergangenheit: Wegen der Dieselaffäre hat Volkswagen das Jahr 2015 mit einem Milliardenverlust abgeschlossen. Trotzdem konnten sich die Vorstände über großzügige Überweisungen freuen. Wegen eines Konstruktionsfehlers im bisherigen Vergütungssystem bekamen die VW-Manager wieder die gewohnten Millionen. Die alte Systematik war viel zu sehr auf die Vergangenheit ausgerichtet. Die Vorstände erhielten Boni für Jahre, die weit zurücklagen und in denen noch niemand in Wolfsburg das Wort Dieselbetrug gehört hatte.


Wesentliche Defizite sind noch längst nicht abgestellt

Dieser Mangel ist nun ebenfalls behoben. Im aktuellen Vergütungssystem gibt es eine auf drei Jahre ausgelegte Langfrist-Komponente. Damit blickt der Volkswagen-Konzern nach vorn in die Zukunft. Die Vorstände werden nicht mehr dafür entlohnt, was irgendwann einmal in der Vergangenheit passiert ist. Die neue dreijährige Langfrist-Komponente beseitigt zudem noch ein anderes Manko. Dieser Teil der Vorstandsvergütung orientiert sich an der Aktienkursentwicklung und am Gewinn pro Aktie.

„Endlich“, dürften die meisten Volkswagen-Aktionäre sagen. Denn bislang gab es bei Volkswagen so gut wie keine Vergütungskomponente, die in irgendeiner Form die Entwicklung des Aktienkurses eingeschlossen hatte. Es gab also keine Interessenidentität von Top-Managern und den Eigentümern des Unternehmens, den Aktionären. Künftig werden die VW-Vorstände bei ihren strategischen Entscheidungen auch einen Blick auf den Aktienkurs werfen. Das Wort der freien Aktionäre außerhalb der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch dürfte in Wolfsburg künftig häufiger angehört werden.

Bei der variablen Vergütungskomponente, die sich immer auf das laufende Kalenderjahr bezieht, werden die zu erreichenden Ziele außerdem anspruchsvoller. Die hohen Boni sind also nicht mehr automatisch garantiert: Der operative Jahresgewinn muss mindestens bei neun Milliarden Euro liegen, die operative Umsatzrendite bei vier Prozent. In einem schlechten Jahr werden die VW-Vorstände also definitiv nicht mehr großzügig belohnt.

Volkswagen macht mit seinem neuen Vergütungssystem für die Vorstände einen echten Schritt nach vorn. Es dürfte für mehr Normalität sorgen. Die Wolfsburger übernehmen das, was andernorts schon länger üblich ist. Mit dieser Systematik kann sich Volkswagen sehen lassen, auf diesem Feld der Corporate Governance liegt der Autohersteller nun gut im Trend.

Wesentliche andere Defizite im Bereich der Corporate Governance sind in Wolfsburg damit aber noch längst nicht abgestellt. Das ganze System Volkswagen ist immer noch viel zu politisch ausgerichtet. Im Aufsichtsrat fehlen wirklich unabhängige Kontrolleure, die das Unternehmen allein nach ökonomischen Prinzipien ausrichten. Im Unterschied zum Vergütungssystem wird sich daran aber so schnell nichts ändern. Der starke Einfluss der Politik über das Land Niedersachsen und der Arbeitnehmerbank ist in der Unternehmensverfassung von Volkswagen auf lange Sicht zementiert.

Dann ist es immerhin ein Erfolg, wenn sich der Wolfsburger Konzern bei der Bezahlung seines Top-Managements nun an dem orientiert, was in anderen Unternehmen zu den wirtschaftlichen Grundprinzipien gehört. Fußballergehälter haben in einem Dax-Konzern nichts zu suchen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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