Weltenergiebilanz: Düsterer Ausblick für energiehungriges Europa

Weltenergiebilanz: Düsterer Ausblick für energiehungriges Europa

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Im Wettrennen um den Wohlfühlfaktor Energie. Kann Europa noch lange mithalten?

Europa wird es beim Wettrennen um den Wohlstandsfaktor Energie in Zukunft schwer haben - und so zunehmend wettbewerbsunfähig. Das ergab der Weltenergieausblick der Internationalen Energieagentur.

Schlechte Bilanz für Europa: In Zukunft könnte es schlechte Karten beim Wettrennen um Energie haben. Der Grund ist die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit seiner Industrie. Laut Welt-Energieagentur hilft jetzt nur noch eines: mehr Effizienz.

Energie ist Wohlstand. Das gilt nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) in ihrem Welt-Energieausblick bis zum Jahr 2035 mehr denn je auf. Noch immer haben 1,3 Milliarden Menschen auf der Erde keinen Zugang zu elektrischem Strom, vor allem in Afrika, Indien und Bangladesch. Weitere 2,6 Milliarden müssen auf einfachste Mittel wie Kuhdung zurückgreifen, um sich ein warmes Essen kochen zu können. Und im Rest der Welt tobt das wilde Wettrennen um den größten Anteil am Kuchen.

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Die große Frage scheint zu sein: Kann Europa sein Wohlstandsniveau im Wettbewerb mit aufstrebenden Wirtschaftsnationen in Asien und Südamerika, aber auch mit den USA halten? Die weltweite Energielandkarte dürfte sich jedenfalls verändern. Bis 2035 wird der Erdölbedarf auf 101 Millionen Barrel pro Tag steigen, zwölf Millionen mehr als heute.

Nach Berechnungen der IEA werden 90 Prozent des Zuwachses der Energienachfrage bis dahin aus den Schwellenländern kommen, vor allem den bevölkerungsreichen Ländern Indien und China. Der Nahe Osten wird künftig nicht mehr nur Energie liefern, sondern in hohem Maße auch verbrauchen. Europas Hunger nach Energie wird dagegen nicht größer.

Europäische Exporte werden gebremst

Dennoch gilt: Energie in Europa dürfte teuer bleiben. Der Ölpreis könnte Schätzungen zufolge bis zum Jahr 2035 auf 128 Dollar pro Barrel (159 Liter) steigen. Die Energieagentur geht davon aus, dass die hohen Kosten im Vergleich zu den USA, aber auch zu China, Indien und dem Nahen Osten die Wettbewerbsfähigkeit der Schwerindustrie und der petrochemischen Industrie massiv beeinflussen. Europa steht derzeit für 36 Prozent der Exporte von Gütern, die mit hohem Energieaufwand produziert werden müssen. Dieser Anteil werde um zehn Prozent sinken, glaubt der Chefökonom der IEA, Fatih Birol.

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Auch Japans Exportstern sinke wegen hoher Energiepreise zugunsten von China, Indien und den USA. In der petrochemischen Industrie macht der Energieeinkauf bis zu 80 Prozent der gesamten Produktionskosten aus. „Aber Energiepreise sind nicht Energiekosten“, betont Birol. Europa müsse auf Energieeffizienz bauen, wenn es bestehen wolle.

Weltweit wurde in Sachen Energieeffizienz im vergangenen Jahr eine Einsparung um 1,5 Prozent erzielt. Klingt wenig - ist aber viermal so viel wie im abgelaufenen Jahrzehnt. „Energieeffizienz ist absolut entscheidend, wenn man das Gleichgewicht und die Wettbewerbsfähigkeiten halten will“, sagt der IEA-Chefökonom.

Beispiel Kohle: Der oft schon totgesagte Energieträger wird in mehreren Ländern als billige Energiequelle wiederentdeckt. Es komme jedoch auch angesichts der Klimaziele darauf an, bei Kohlekraftwerken alte Dreckschleudern durch neue, moderne und effizientere Anlagen zu ersetzen. Auch Deutschland will einen Teil des Stroms, den bisher Kernkraftwerke erzeugten, nach deren geplanter Abschaltung wieder durch Kohleverstromung ersetzen. Die Chefin der Energieagentur, Maria van der Hoeven, findet das „erstaunlich“.

„Das ist wirklich ein Problem“, warnt die Niederländerin mit Blick auf die Einhaltung der Klimaziele. Die Welt steuert derzeit nach Berechnung ihrer Agentur auf eine Erwärmung um 3,6 statt der anvisierten zwei Grad Celsius zu. „Da reicht es nicht mehr, einfach nur die Jacke auszuziehen“, sagt Birol.

Mit Material von dpa

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